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Gewerkschaften: Realistische Lohnforderung trotz Krise

Berlin. Die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes pochen bei den ab Mittwoch anstehenden Tarifgesprächen ungeachtet der Kritik von Bundesregierung und kommunalen Arbeitgebern auf Einkommensverbesserungen von insgesamt fünf Prozent.
10.01.2010, 10:21
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Gewerkschaften: Realistische Lohnforderung trotz Krise

Peter Heesen

dpa

Berlin. Die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes pochen bei den ab Mittwoch anstehenden Tarifgesprächen ungeachtet der Kritik von Bundesregierung und kommunalen Arbeitgebern auf Einkommensverbesserungen von insgesamt fünf Prozent.

Angesichts der Krise wirke die Forderung auf den ersten Blick vielleicht nicht gerade bescheiden - sie sei aber dennoch «absolut realistisch», sagte der Vorsitzende der Tarifunion des Beamtenbundes (dbb), Peter Heesen, am Sonntag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Es gehe bei der Tarifrunde auch darum, «dass die Beschäftigten mehr Geld in der Tasche haben und mehr ausgeben können». Heesen: «Sozial ist, was jetzt Kaufkraft schafft.»

Die Tarifunion des Beamtenbundes und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und haben sich für die anstehenden Tarifverhandlungen für die 1,2 Millionen Angestellten des Bundes und der Kommunen jetzt zum zweiten Mal auf eine gemeinsame Marschroute verständigt. Ein ver.di-Sprecher sagte dazu der dpa, gerade in der aktuellen Finanzkrise seien spürbare Lohnerhöhungen nötig, um die Binnennachfrage zu stützen. Auch sei die Belastung für die Beschäftigten gestiegen. Ihre Einkommen seien aber in den vergangenen zehn Jahren hinter der durchschnittlichen Entwicklung aller anderen Branchen zurückgeblieben.

Beamtenbunds-Chef Heesen warnte die Arbeitgeber zugleich vor einer «Sozialneid-Kampagne». Ihr Hinweis auf die im öffentlichen Dienst besser abgesicherten Arbeitsplätze entkräftige nicht die berechtigten Forderungen nach Einkommensverbesserungen. Auch müsse der öffentliche Dienst attraktiv bleiben. Schon heute gebe es Probleme, bestimmte Stellen mit qualifizierten Nachwuchskräften zu besetzen, weil die Wirtschaft deutlich besser bezahle.

Die Tarifverhandlungen für die Angestellten des Bundes und der Kommunen ab Mittwoch in Potsdam bilden den Auftakt für das Tarifjahr 2010. Ein Abschluss gilt als wegweisend auch für die Beschäftigten etwa bei den Wohlfahrtsverbänden und der Bundesagentur für Arbeit. Er hat zugleich Signalwirkung für die rund 360 000 Beamten des Bundes, einschließlich Soldaten und Richter. Zusammen sind von den Verhandlungen weit mehr als zwei Millionen Beschäftigte betroffen. Für die Angestellten der Länder gilt ein eigener Tarifvertrag. (dpa)

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