Weil das Geld momentan fehlt

500 Gewoba-Mieter mit Zahlungsproblemen

Bremens öffentliche Wohnungsbaugesellschaft Gewoba hat mit 500 Mietern eine Stundung oder eine Ratenzahlung vereinbart. Denn die Mieter haben aufgrund der aktuellen Situation Geldprobleme.
13.05.2020, 14:03
Lesedauer: 4 Min
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500 Gewoba-Mieter mit Zahlungsproblemen
Von Florian Schwiegershausen
500 Gewoba-Mieter mit Zahlungsproblemen

Hier in der Gartenstadt Werdersee sollen bis zum Jahresende die ersten von 31 Wohnungen bezugsfertig sein. Insgesamt sollen hier in den kommenden Jahren 230 Wohnungen entstehen.

Gewoba

Das Bremer Wohnungsunternehmen Gewoba hat mit 500 Mietern eine Stundung oder eine Ratenzahlung der Miete vereinbart. Das hat der Vorstandsvorsitzende Peter Stubbe am Mittwoch bei der Präsentation der Geschäftszahlen mitgeteilt. Demnach habe es bis jetzt 2500 Mahnungen an säumige Mieter gegeben. 250 von ihnen haben eine Stundung vereinbart, weitere 250 Mieter zahlen in Raten. "Ratenzahlungen erachten wir als die bessere Lösung und fragen zuerst, was die Mieter denn zahlen können", sagte Stubbe. Die Mieter leisteten eine monatliche Summe, während bei der Stundung am Ende "ein großer Batzen auf einmal" zu zahlen sei.

Gewoba-Vorstand Manfred Sydow verwies dabei auf die Bundesregierung, die bei Mietausfällen infolge der Corona-Pandemie eine Friedenspflicht bis zum 30. Juni vorgesehen hat: "Diese Friedenspflicht verlängern wir von uns aus bis zum 31. August, weil wir uns hier unserer sozialen Verantwortung bewusst sind." Bei 42 016 Wohnungen, über die die Gewoba insgesamt verfügt, halte sich die Zahl mit 500 klammen Mietern in Grenzen. Sollten weitere Mieter Zahlungsprobleme bekommen, sollen sie sich an den Kundenservice wenden. Bei einem ersten Aufruf dazu hätten sich aktiv aber lediglich 80 Mieter gemeldet. Dafür zeigte Vorstandschef Stubbe Verständnis: "Es kostet bestimmt so manchen Überwindung, sich deshalb bei uns zu melden."

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Im vergangenen Jahr konnte Bremens öffentliche Wohnungsgesellschaft 453 neue Wohnungen fertigstellen, darunter 81 für inklusives Wohnen, sowie drei Kitas mit 210 Plätzen. Dabei investierte das Unternehmen knapp 57 Millionen Euro in neue Wohnungen und knapp 103 Millionen Euro in den Bestand. Bei den Neubauten zielt die Gewoba auf die Innenlagen in der Stadt ab: Bis zum Jahresende sollen die ersten von 31 preisgebundenen Wohnungen im Neubaugebiet am Werdersee bezugsfertig sein. Dort soll in diesem Jahr auch der Bau von zwei weiteren Objekten mit 75 preisgebundenen Wohnungen starten. Mit dabei ist auch eine Fläche für den Einzelhandel. Insgesamt will die Gewoba in der Gartenstadt Werdersee in den kommenden Jahren rund 230 überwiegend preisgebundene Wohnungen errichten lassen.

Die Neubauten bestehen vor allem aus Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen sowie aus Wohnungen mit fünf und sechs Zimmern für kinderreiche Familien. Denn beim Blick auf den Bremer Wohnungsmarkt sieht der Gewoba-Vorstand hier den dringendsten Bedarf. Entsprechend sollen bis zum Frühjahr 2021 in Osterholz-Tenever an der Otto-Brenner-Allee 70 preisgebundene Wohnungen für kinderreiche Familien, Singles und Senioren fertig werden. Ebenso baut die Gewoba in der Neustadt 52 kleinere Single- und Paarwohnungen am Hohentorsplatz. Beim Bundeswehrhochhaus in der Falkenstraße steckt die Gewoba noch in der Planung: Hier sollen auf 14 Etagen 126 Stadtappartements entstehen. Anfang 2021 ist der Start für den Umbau angedacht.

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Im Bremer Wohnungsmarkt bleibt laut Gewoba die Nachfrage weiterhin hoch. "Dabei sehen wir keine Entspannung", sagte Manfred Sydow. Das zeige sich auch an der Auslastung des eigenen Wohnungsbestands. Lediglich 0,92 Prozent der Wohnungen seien nicht belegt. Die Fluktuation liege bei neun Prozent. "Im Schnitt wohnt bei uns jemand elf Jahre in einer Wohnung."

Corona bedeute keinen Stopp bei den Vermietungen. So habe es zum 1. Mai 350 Wohnungsabnahmen und -übergaben gegeben – mit den entsprechenden Hygienestandards. Das Unternehmen habe aber vorerst die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten unterbrochen. "Bei den Mietern, bei denen die Handwerker für die Arbeiten in die Wohnung müssen, haben wir vorsichtig nachgefragt, inwiefern das möglich wäre", sagte Stubbe. Das Feedback sei größtenteils positiv gewesen.

Bei den 32 247 Gewoba-Wohnungen im Bremer Stadtgebiet lag die Nettokaltmiete zum Ende des vergangenen Jahres im Durchschnitt bei 6,08 Euro pro Quadratmeter. Nimmt man die 8462 Wohnungen in Bremerhaven hinzu und auch die 1307 Wohnungen in Oldenburg, kommt die Gewoba im Durchschnitt auf eine Nettokaltmiete von 6,38 Euro pro Quadratmeter. "Damit liegen wir deutlich unter den Angebotsmieten der großen Immobilienportale", stellten die Gewoba-Vorstände Stubbe und Sydow fest. Die Preisspanne bei der Nettokaltmiete liege zwischen vier und 11,50 Euro pro Quadratmeter. Der Marktanteil der Gewoba beträgt derzeit 18 Prozent.

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Zum Bestand gehören seit Januar auch die sanierungsbedürftigen 224 Wohnungen in Lüssum in Bremen-Nord, die die Gewoba dem Wohnungskonzern Vonovia abgekauft hatte. Hier schätzt die Gewoba, in den kommenden Jahren zwischen acht und zehn Millionen Euro zu investieren. Bei den Geschäftszahlen konnte die Wohnungsgesellschaft an das Vorjahr anschließen. Sie erwirtschaftete einen Gewinn in Höhe von 29,5 Millionen Euro gegenüber 29,1 Millionen Euro im Vorjahr.

13,7 Millionen Euro davon wandern in die Rücklagen, knapp 15,8 Millionen Euro gehen als Dividende an die Anteilseigner. Entsprechend bekommt die Stadt Bremen, die 75,1 Prozent der Anteile hält, mehr als 11,8 Millionen Euro, die Sparkasse Bremen mit ihren 21,7 Prozent der Anteile mehr als 3,4 Millionen Euro sowie die Elbe-Weser-Sparkasse mit 3,2 Prozent mehr als 500 000 Euro. Allerdings konnten sich die Gewoba-Besitzer im Vorjahr noch über 22 Millionen Euro freuen. Jedoch sollen höhere Rücklagen die Bautätigkeiten für die kommenden Jahre sichern.

Bis 2023 sollen bei allen vorgesehenen Objekten alte Heizkessel gegen Blockheizkraftwerke ersetzt werden. Klimaschutz bedeutet für die Gewoba auch, sich um die Grünanlagen zu kümmern: Auf 341 Hektar stehen immerhin 26 000 Bäume. Pflanzen gibt es bald auch an der Spitze: Auf dem Bürohaus am Rembertiring, dessen Renovierung im August fertig sein soll, entsteht ein Gründach.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 19:40 Uhr +++

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