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GM setzt Saab-Interessenten unter Druck

Detroit. Der US-Autobauer General Motors treibt trotz mehrerer Kaufangebote die Schließung der schwedischen Tochter Saab voran. GM beauftragte die Beratungsgesellschaft Alix Partner federführend mit der Abwicklung von Saab, wie der US-Konzern am Freitag in Detroit mitteilte.
08.01.2010, 18:00
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GM setzt Saab-Interessenten unter Druck

Ecclestone an Saab interessiert

dpa

Detroit. Der US-Autobauer General Motors treibt trotz mehrerer Kaufangebote die Schließung der schwedischen Tochter Saab voran. GM beauftragte die Beratungsgesellschaft Alix Partner federführend mit der Abwicklung von Saab, wie der US-Konzern am Freitag in Detroit mitteilte.

Im gleichem Atemzug betonte GM jedoch, die drei Übernahmeangebote würden weiter geprüft. Konzernchef Edward Whitacre hatte sich jüngst aber skeptisch gezeigt, dass die Interessenten das nötige Geld auftreiben könnten.

Eine der drei Offerten ist die des niederländischen Sportwagen-Herstellers Spyker, der schon seit Wochen mit GM über Saab verhandelt. In letzter Minute tauchten zwei neue Bieter auf: Formel- 1-Boss Bernie Ecclestone schloss sich mit der Luxemburger Investment- Firma Genii Capital zusammen; der ehemalige MAN-Chef Hakan Samuelsson scharrte mehrere schwedische Investoren um sich.

Saab schreibt seit der Zugehörigkeit zu GM fast durchgängig Verluste und rutschte im vergangenen Jahr wie die Mutter in die Insolvenz. GM konnte sich mit massiver Hilfe der US-Steuerzahler daraus befreien und startet nun einen Neuanfang als schlankeres Unternehmen. Das Aus für die US-Marken Saturn und Pontiac ist schon beschlossene Sache; die Hummer-Geländewagen verkaufte GM nach China.

Die beiden verspäteten Saab-Bieter rechnen sich trotz des Drucks von GM noch Chancen auf einen Zuschlag aus. Die Gruppe um Ecclestone - zu der sich nach Medienberichten auch der schwedische Investor Lars Carlstrom gesellte - versprach, sich «mit allen relevanten Akteuren aggressiv für einen erfolgreichen Abschluss der Transaktion» einzusetzen. Genii Capital sorgte im Dezember für Aufsehen, als die Firma die Mehrheit am Formel-1-Rennstall Renault übernahm.

Rivale Samuelsson, der im vergangenen Jahr im Zuge der Schmiergeld-Affäre von der Spitze des deutschen Bus- und Lkw- Produzenten MAN zurückgetreten war, hat sich mit Jan Nygren verbündet, der von 1994 bis 1996 dem sozialdemokratisch geführten Kabinett in Stockholm angehörte und auch schon Manager beim Luftfahrt-Konzern Saab, der einstigen Mutter des Autobauers, war. «Viele, nicht nur ich, glauben, dass es in vieler Hinsicht unglücklich wäre, wenn Saab als Produkt und Marke verschwinden würde», sagte Nygren dem schwedischen Radio.

Die drohende Schließung hatte vor allem die Saab-Kunden stark verunsichert, da viele von ihnen befürchten, dass sie ihre Garantieansprüche verlieren und langfristig keine Ersatzteile mehr erhalten könnten. GM versprach am Freitag, für beides zu sorgen. Ohnehin werde die Abwicklung von Saab mehrere Monate dauern.

GM ist gezwungen, Verlustbringer abzustoßen. Konzernchef Whitacre will noch in diesem Jahr die ausstehenden 6,7 Milliarden Dollar Schulden bei der US-Regierung begleichen und zudem wieder Gewinn schreiben.

Auch bei Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall wird es nach dem geplatzten Verkauf zu harten Einschnitten kommen. GM- Europachef Nick Reilly drückt dabei aufs Tempo. «Wir müssen schnell und intensiv daran arbeiten, unsere Produktionskapazität zu verringern», schrieb Reilly am Freitag in seinem Internetblog. Die Opel-Mutter GM hatte angekündigt, in Europa bis zu 9000 Stellen zu streichen, einen Großteil davon in Deutschland.

Nach Informationen von «faz.net» soll Reilly auch Hans Demant an der Spitze der deutschen Opel-Gesellschaft ablösen. Demant steht seit 2004 an der Opel-Spitze in Rüsselsheim. Reilly bestätigte in seinem Blog, dass er von Shanghai nach Deutschland ziehen werde, «um bei der Neuausrichtung von Opel/Vauxhall zu helfen». (dpa)

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