Auto GM verdreifacht Opel-Hilfe: Weniger Staatshilfen

Rüsselsheim/Genf . Der US-Autokonzern General Motors (GM) hat seine Geldspritze zur Sanierung der Tochter Opel verdreifacht.
02.03.2010, 16:40
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Rüsselsheim/Genf . Der US-Autokonzern General Motors (GM) hat seine Geldspritze zur Sanierung der Tochter Opel verdreifacht.

Damit reagiert der Autobauer auf eine Forderung der Bundesregierung, die eine deutliche Aufstockung des GM-Beitrags zu den Sanierungskosten zur Voraussetzung für Milliarden-Staatshilfen gemacht hatte.

Eine Vorentscheidung über die Gewährung von Bürgschaften ist dieser Schritt aber nicht. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) reagierte am Dienstag zurückhaltend auf die Ankündigung: «Das Verfahren läuft ergebnisoffen.»

GM sicherte zu, sich mit 1,9 Milliarden Euro an der Opel-Rettung zu beteiligen. Bisher wollte der Konzern nur 600 Millionen zuschießen. Dieses Geld war aus Sicht des US-Autobauers bereits zur Rückzahlung des deutschen Brückenkredits genutzt worden, der im vergangenen Jahr das Überleben Opels sicherte. Bund und Länder sowie Arbeitnehmer hatten dies kritisiert, da das Geld nicht für Investitionen zur Verfügung stehe und GM die Risiken allein den europäischen Steuerzahlern aufbürden wolle.

Wie die Adam Opel GmbH in Rüsselsheim mitteilte, erwartet der Autobauer nun weniger Geld von den europäischen Regierungen. Statt Kredit- und Bürgschaftszusagen über 2,7 Milliarden Euro seien nun nur 1,8 Milliarden Euro erforderlich, sagte ein Opel-Sprecher. Bislang hatte der Autobauer allein in Deutschland 1,5 Milliarden Euro Staatshilfen beantragt. Ob und wie stark dieser Betrag nun sinken werde, sagte der Sprecher nicht. Das Management will den angeschlagenen Autobauer Opel gesund schrumpfen. Nach dem Plan sollen europaweit 8000 von 48 000 Stellen wegfallen, die Kapazitäten sollen um 20 Prozent reduziert werden. Dazu will Opel-Chef Nick Reilly das Werk in Antwerpen schließen. Neben den Ausgaben für den Abbau von Personal und Überkapazitäten steht Opel vor Milliardeninvestitionen in neue Modelle und Technologien, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.

Im vergangenen Jahr fuhr der Hersteller in die roten Zahlen und verkaufte nur 1,1 Millionen Fahrzeuge. Auch im laufenden Jahr rechnet Reilly mit einem Verlust. In Deutschland brach der Opel-Absatz im Februar um 32,4 Prozent auf unter 15 000 ein, wie das Kraftfahrt- Bundesamt in Flensburg mitteilte.

Reilly sagte, die zusätzlichen 1,3 Milliarden Euro sollten in Form von Eigenkapital und Krediten geleistet werden. Wie hoch der Kreditanteil ist, sei noch nicht geklärt, sagte ein Opel- Sprecher auf Anfrage. Brüderle erklärte über den GM-Vorstoß nach Angaben einer Sprecherin, bei der Prüfung des Antrags auf Staatshilfen seien zahlreiche Fragen gestellt worden. «Diese gilt es noch zu beantworten.» Wie Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) betonte, fehlt etwa der Nachweis, dass GM die Finanzierung nicht alleine stemmen könne. Zudem muss GM sicherstellen, dass das Geld nicht in die USA abfließt.

Opel-Vorstandsmitglied Alain Visser sagte im Nachrichtensender n.tv, dass sich das Unternehmen im Bemühen um Staatshilfen nun bessere Chancen ausrechnet: «Ich glaube, dass wir jetzt mit einer so großen Intervention des Mutterunternehmens GM (...) viel besser auch unsere Gespräche mit der deutschen Regierung, aber auch mit anderen europäischen Regierungen anpacken können.»

Nach Angaben von Opel, soll die Sanierung insgesamt 3,7 Milliarden Euro kosten und damit mehr als bisher von GM berechnet: «Die europäischen Regierungen hatten das Unternehmen um die Erweiterung des Rahmens um zusätzliche 415 Millionen Euro gebeten, um für schwierige Marktentwicklungen gewappnet zu sein.»

Ein Opel-Sprecher erklärte, die zusätzlichen Mittel seien ein «Sicherheitspuffer». Die zur Umsetzung des Zukunftsplans ursprünglich veranschlagten 3,3 Milliarden Euro seien bereits «konservativ kalkuliert» gewesen. Das Geld fließe in die Restrukturierung und in Investitionen und diene zudem der Liquiditätssicherung.

Opel betonte, dass GM nun mehr als die Hälfte des Finanzierungsbedarfs tragen werde. Reilly wertere dies als «Zeichen des Vertrauens in den langfristigen Geschäftserfolg von Opel». Die Landesregierungen der Opel-Länder begrüßten die Aufstockung des GM- Beitrags als «Schritt in die richtige Richtung». Sie machten aber auch deutlich, dass sie eine Einigung des Managements mit den Beschäftigten erwarten. Das sei eine Voraussetzung für Staatshilfen. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+