Hersteller von Hausmüllpressen bewerben deren Sparpotenzial – dabei droht Nutzern eine saftige Rechnung Gut gepresst heißt nicht gut gespart

Berlin/Bremen. Weihnachten ist Müllsaison. In keiner anderen Zeit des Jahres fallen binnen weniger Tage so große Mengen Verpackungsabfälle an wie nach Heiligabend.
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Von Stefan Sauer und Carolin Henkenberens

Berlin/Bremen. Weihnachten ist Müllsaison. In keiner anderen Zeit des Jahres fallen binnen weniger Tage so große Mengen Verpackungsabfälle an wie nach Heiligabend. Vielerorts quellen die Tonnen über, obwohl die nächste Leerung erst im neuen Jahr ansteht. Eine Lösung des Problems versprechen Abfallpressen, die meist mittels einfacher Hebelwirkung den privaten Hausmüll ordentlich zusammenstauchen. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit: Die Anbieter werben mit Einsparungen von jährlich mehreren Hundert Euro, die sich durch den Umstieg auf kleinere Tonnen oder längere Abfuhrintervalle erzielen ließen.

So bietet der Hersteller AGU Direkt aus dem niedersächsischen Bad Iburg auf seiner Internetseite einen „Abfallrechner“ an, der die Einsparungen mit dem firmeneigenen Müllverdichter beziffern soll: Demnach könnten Privathaushalte mit einer 240-Liter-Tonne bei wöchentlicher Abholung durch den Einsatz der AGU-Presse jede Menge Geld sparen. In Berlin sind es demnach 188 Euro pro Jahr, für Frankfurt am Main gibt AGU die Ersparnis mit 298 Euro an, in Halle wären es 353, in Köln 368 und in Bremen sagenhafte 558 Euro. Andere Hersteller wie Kitchenwonder werben damit, den privaten Restmüll auf ein Fünftel des ursprünglichen Volumens zu verdichten, was entsprechend kleinere Müllbehälter ermögliche.

Was die Hersteller der Pressen, für die zwischen 30 und einigen Hundert Euro verlangt werden, allesamt verschweigen: Das Zusammenquetschen des Hausmülls ist vielerorts verboten und kann als Ordnungswidrigkeit mit hohen Bußgeldern belegt werden. In einer stichprobenartigen Sichtung kommunaler Abfallsatzungen stellte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen fest, dass in Städten wie Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Köln und Wuppertal das Pressen privaten Hausmülls untersagt ist. Auch in Bremen verbietet das Abfallortsgesetz das Pressen von Hausmüll. Bis zu 50 000 Euro Buße können folgen.

In Dortmund müssen Privatleute, die auf eine kleinere Mülltonne umsteigen wollen, verbindlich erklären, dass die Abfälle „nicht verdichtet (gestampft) werden“. Für die Verbote führen die Kommunen mehrere Gründe ins Feld. Zum einen werde die Lebensdauer der Tonnen durch das regelmäßige Pressen deutlich reduziert. Für einen zerstörten 240-Liter-Behälter werden laut Verbraucherzentrale rund 90 Euro berechnet.

Zum zweiten reiche die Schwerkraft in vielen Fällen kaum mehr aus, um den hochverdichteten Müll aus der Tonne zu befördern. Wichtiger noch ist drittens, deren starke körperliche Belastung durch die hohen Gewichte. „Wer seinen Müll so zusammenquetscht, sollte bedenken, dass bei der Müllabfuhr Menschen arbeiten“, mahnt Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Umweltsenators. Deshalb ist in vielen Kommunen im Abfallortsgesetz eine Obergrenze für das Gewicht von Mülltonnen angegeben. In Bremen darf eine 120-Liter-Tonne höchstens 50 Kilogramm wiegen. Wenn die Tonne schwerer ist, darf die Müllabfuhr sie auch ungeleert stehen lassen. Fällig ist dann eine gebührenpflichtige Sonderentleerung. So werden vermeintliche Spareffekte schnell zunichtegemacht.

Außerdem: In Bremen werden mit der Grundgebühr 20 Leerungen bezahlt. Regelmäßige Leerungen seien aus Stadthygienegründen vorgesehen, sagt Tittmann. „Wer nur zehn Mal leeren lässt, erhält kein Geld zurück.“ Das Zusammendrücken des Mülls mit Händen oder einem Spaten ist im Übrigen nicht untersagt, solange durch die Verdichtung das Höchstgewicht nicht überschritten wird.

Müll in Zahlen 37,3 Millionen Tonnen Abfälle haben private Haushalte im vergangenen Jahr in die Tonne geworfen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren das 200 000 Tonnen weniger als 2014. Im Durchschnitt wurden 2015 rund 454 Kilogramm Haushaltsabfälle pro Einwohner erfasst. Den größten Posten stellten getrennt gesammelte Abfälle mit 59 Prozent. Dies entspricht einer Gesamtmenge von 21,9 Millionen Tonnen oder 267 Kilogramm pro Einwohner. Bei Wertstoffen wie Papier, gemischte Verpackungen und Glas wurde ein leichter Anstieg um 0,4 Prozent auf 12,1 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr registriert. Auf Restmüll entfielen 13,1 Millionen Tonnen beziehungsweise 159 Kilogramm je Einwohner, Sperrmüll fiel mit 2,3 Millionen Tonnen oder 28 Kilogramm je Einwohner ins Gewicht. Damit ging das Volumen des Haus- und Sperrmülls um knapp 100 000 Tonnen auf insgesamt 15,4 Millionen Tonnen zurück – den niedrigsten Stand seit 1990.
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