Interview mit dem neuen Hachez-Chef

Wie es mit Hachez im Tabakquartier weitergehen soll

Die Hachez-Produktion in der Neustadt ist eingestellt, für die restlichen Mitarbeiter soll es nun im Bremer Tabakquartier weitergehen. Im Interview vermittelt der neue Hachez-Chef Thomas Lieske Aufbruch.
02.07.2020, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Wie es mit Hachez im Tabakquartier weitergehen soll
Von Florian Schwiegershausen
Wie es mit Hachez im Tabakquartier weitergehen soll

Hierhin möchte Hachez umziehen: Das Tabakquartier in Woltmershausen. (Visualisierung)

Justus Grosse Real Estate GmbH
Herr Lieske, vor Hachez waren sie Vertriebsleiter beim regionalen Chipshersteller Johanning in Rheden. Ist das egal, ob es um Kartoffeln oder um Kakao geht?

Thomas Lieske: Kakao und Schokolade sind mir ja nicht fremd. Denn nach einer kurzen Tätigkeit bei der BLG war ich acht Jahre bei Ferrero. Und ob es nun Kakao oder Kartoffeln sind: Grundsätzlich begeistert mich das Thema Lebensmittel, und was man bei der Veredelung daraus machen kann. Die Süßware hat da noch einen besonderen Kick. Innerhalb der Branche sagen wir immer: Süßware klebt. Wer dort mal gearbeitet hat, kommt irgendwann wieder zurück. Außerdem ist es so, dass man Schokolade nicht unbedingt zum Leben braucht, aber das Leben ist durch sie immer ein Stückchen schöner.

Inwiefern versuchen Sie, bei der Verpackung von Hachez und Feodora eine etwas jüngere Zielgruppe zu gewinnen?

Wir versuchen tatsächlich die Marke jung zu halten und neue Konsumenten hinzuzugewinnen. Allerdings bewegen wir uns im Preissegment der Premiumschokolade, das für junge Menschen nicht unbedingt erschwinglich ist. Meist fängt man auch erst im Alter von Ende 20 damit an, sich näher mit Inhalten und Herkunft von Produkten wie Schokolade zu beschäftigen. Auch eher mit zunehmendem Alter entwickelt man den Geschmack für dunkle Schokolade.

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Wie viel Bremen steckt denn jetzt noch in Hachez?

Aus meiner Wahrnehmung ist es eine ganze Menge. Die Marke wurde hier ja über mehr als 100 Jahre entwickelt. Es stimmt, dass wir hier nicht mehr produzieren. Aber all das, was hier über die vielen Jahre entstanden ist, ist ja weiterhin in der Marke und den Produkten enthalten. Beim Umzug war das eine der größten Aufgaben, die Rezepturen auch in der neuen Fabrik genauso hinzubekommen. Am Ende ist Hachez ja noch hier in Bremen, und wir wollen hier sehr gern bleiben und die Marken von hier aus weiterentwickeln, allerdings nicht zwingend in der Westerstraße.

Interview Hachez-Chef Thomas Lieske

Hachez-Geschäftsführer Thomas Lieske sagt, dass sich Verbraucher in Briefen ans Unternehmen enttäuscht gezeigt hätten über das Aus der Bremer Produktion.

Foto: Christina Kuhaupt
Dass es aus der Neustadt woanders hingehen soll, war ja bereits vor einem Jahr bekannt. Haben Sie jetzt eine neue Bleibe gefunden?

Ja, seit Kurzem steht fest, dass wir nach Woltmershausen ins Tabakquartier auf das ehemalige Brinkmann-Gelände ziehen wollen. Wir glauben, dass wir dort eine gute neue Heimat finden werden. Schließlich ist der Ort auch mit einer Historie verbunden. Die ­Projektentwickler planen das dort gut, und ich denke, dass wir als Marke dort gut dazu passen.

Für wann ist der Umzug geplant?

Wenn alles gut geht, wollen wir den Umzug für Mitte August hinbekommen.

Was passiert denn mit den Maschinen hier in der Westerstraße?

Es gibt zwei Museumsstücke, von denen wir eins ins Tabakquartier mitnehmen wollen. Dann haben wir die Kooperation mit dem Chocoversum in Hamburg. Ansonsten sind große Teile der Maschinen an den neuen Produktionsstandort verlagert. Andere Maschinenteile gehen in die ganze Welt bis nach Mexiko. Kleinere Teile bleiben aber auch in der Region. Es ist also nicht mehr so viel da, aber vieles findet seinen Weg – auch wenn es um Schränke, Kühlschränke oder auch Laboreinrichtungen geht. Unser Werksleiter hat da einen guten Draht zu anderen Unternehmen. Ein oder zwei Maschinen haben wir gezielt in die Ferne verkauft, weil wir die hier nicht unbedingt um die Bremer Domtürme herum sehen wollten.

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Wie sieht es denn mit den Verhandlungen um das derzeitige Gelände aus?

Über mögliche zukünftige Nutzungen des ­Geländes entscheidet unsere dänische Muttergesellschaft Toms. Daher habe ich bei den ­Verhandlungen eher die Rolle des Zuschauers. Ich beobachte das natürlich mit großem Interesse. Man ist da in gutem Austausch mit der Stadt. Die Interessenlage für dieses Grundstück ist ja mannigfaltig, und das macht die Gespräche nicht einfacher. Ich persönlich hoffe, dass man da einen guten Weg finden wird.

Inwiefern müssen Sie denn die Marken Hachez und Feodora für den regionalen Markt neu erfinden, weil es bei so manchem Stammkunden nicht gut angekommen ist, dass die Produktion in diesem Jahr nach Polen verlagert wurde?

Marken mit so viel Wurzeln neu zu erfinden, ist immer schwierig. Wir müssen auf jeden Fall sicherstellen, dass wir weiterhin die guten Qualitäten haben. So lange wir darauf das Augenmerk haben und uns das gut gelingt, glaube ich, dass uns die Kunden da die Treue halten werden. Denn am Ende wollen sie ja für sich auch das Genussprodukt kaufen. Natürlich haben wir auch Zuschriften erhalten, in denen die Konsumenten auch ihre Enttäuschung geäußert haben. Das kann ich auch verstehen. Es hat ja Charme, vor der Haustür zu produzieren.

Das wäre hier in der Bremer Neustadt nicht mehr gegangen?

Hier am Standort haben wir eine Produktion über drei Etagen mit Betriebsmitteln, die wirklich in die Jahre gekommen waren. An diesem Punkt musste man sich als Unternehmensgruppe fragen, was der beste Weg in die Zukunft ist, damit wir auch die nächsten hundert Jahre so gute Qualitäten und Produkte haben. Da ist es aus heutiger Sicht schwierig mit einer innerstädtischen Produktion und einem hohen Warenfluss. So schade es für den Standort ist, ist es am Ende doch die richtige zukunftsweisende Entscheidung gewesen.

Wissen Sie, wo die ehemaligen Produktionsmitarbeiter untergekommen sind?

Wir haben hier in Bremen ja ein relativ gutes Foodcluster. Das soll ja auch gestärkt werden seitens des Nageb, also des Verbands der Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft Bremen, und der Wirtschaftssenatorin, was ich sehr begrüße. So gibt es ein Netzwerk, durch das wir den einen oder anderen bereits vorher unterbringen konnten.

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Also hier in der Region?

Einige Mitarbeiter sind nach Delmenhorst zu CSM Bakery Solutions gegangen, einige zu Vilsa, aber auch zu kleinen Unternehmen wie dem Bio-Eishersteller Kaemena im Blockland. Das freut mich, zu sehen, wenn die Leute da unterkommen und ihr Fachwissen einbringen können. Grundsätzlich verdient es großen Respekt für unsere Produktionsmitarbeiter, wie sie mit dem Willen gearbeitet haben, auch bis zum letzten Tag einen guten Job zu machen und gute Qualität abzuliefern. Ich selbst bin ja erst vor einem guten Jahr ins Unternehmen gekommen, als die Entscheidung über die Produktion getroffen war.

Durch Corona soll der Absatz bei Süßwaren gestiegen sein. Wie sieht es aktuell aus?

Wir stellen fest, dass sich die Verbraucher durch die Folgen der Pandemie genau Gedanken machen, wie viel Geld sie ausgeben. Grundsätzlich hatten wir in den vergangenen Monaten eine zweigeteilte Entwicklung. Sie ist durchaus positiv im Bereich Tafeln, aber was uns etwas die Bilanz verhagelt hat, ist der Geschenkebereich.

Ohne Feiern keine Geschenke.

Wenn Feiern wie Geburtstage ausfallen, macht sich das beim Absatz von Pralinen oder den Täfelchenpackungen bemerkbar. Ostern hat außerdem kaum stattgefunden. Wenn die Geschäfte dann auch noch geschlossen haben wegen der Pandemie, haben Sie ja auch überhaupt keine Chance, zu verkaufen. In der momentanen Situation sehen wir, dass es immer relevanter wird, die kleineren Preispunkte zu besetzen: also mit kleineren Aktionspackungen einen kleineren Preis setzen zu können.

Wie sehr haben Sie ein Augenmerk darauf, dass die Marke in Zukunft nicht verwässert wird?

Wir versuchen den Spagat zu gehen, auf der einen Seite besondere Qualitäten anzubieten, auf der anderen Seite zu Preisen, die sich noch eine breite Masse leisten kann. Die neuesten Tafelschokoladen mit unterschiedlichen Kakaoanteilen sind mit 1,99 Euro bepreist und wir hoffen, dass wir das auch halten können. Wenn die Rohstoffpreise steigen, und man produziert eine Schokolade mit einem Kakaogehalt von 88 Prozent, gibt es keine Möglichkeit, dem irgendwie auszuweichen. Allerdings versuchen wir auch gezielt mit einer kleinen Packung, einen Anreiz für neue Kunden zu schaffen. Das hat bisher erfolgreich funktioniert. Für das kommende Jahr haben wir auch schon Ideen.

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Auffällig ist, dass Sie die Verpackungen zum Teil internationaler mit englischer Beschriftung gestalten.

Wir haben seit Jahrzehnten ein Exportgeschäft, das nicht sehr groß ist, aber das läuft weiter. Aber gerade hier laufen die dunklen Schokoladen sogar bis nach Asien recht gut.

Da bringen Sie auch mehr Emotionen mit rein?

Wir haben im vergangenen Jahr sämtliche Pralinenkästen überarbeitet. Die alten Verpackungen waren eher klassisch in Weiß und Gold, was daran liegt, dass historisch bedingt das Kauf- und Warenhaus als Verkaufspunkt eine große Rolle spielte. Im Supermarkt geht es allerdings darum, wie man mit seinem Produkt auffällt und alles vielleicht etwas bunter in Szene setzt. Da können wir nun ein Wachstum im dreistelligen Bereich feststellen.

Und wie soll es im Tabakquartier weitergehen?

Wir ziehen dort mit unseren 50 Mitarbeitern aus Marketing, Vertrieb, Controlling und Planung hin. Bundesweit haben wir insgesamt 80 Mitarbeiter. Für unsere Produkte haben wir für das kommende Jahr schon einige Ideen. Ansonsten wollen wir auch Lakritz von unserem dänischen Mutterkonzern verstärkt in die Verkaufsregale bringen. Damit wollen wir uns ein drittes Standbein aufbauen – alles versammelt unter dem Dach des Hanseatischen Chocoladen Kontors.

Dann hoffen wir, dass es mit Hachez im Tabakquartier weiter vorangehen wird.

Unser dänischer Mutterkonzern will auf alle Fälle sein Wachstum mit uns in Bremen vorantreiben.

Das Gespräch führte Florian Schwiegers­hausen.

Info

Zur Person

Thomas Lieske (43) studierte hier an der Universität Wirtschaftswissenschaften. Seit Januar ist er Geschäftsführer des Hanseatischen Chocoladen Kontor. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Bremen.

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