Rotterdam und Antwerpen vorn / Bremerhaven weiterhin auf Rang vier Hafen Hamburg fällt auf Platz drei in Europa

Hamburg·Bremen. Hamburg als Hafenstandort kommt in diesen Tagen nicht aus den Negativschlagzeilen raus: Erst nach Tagen konnte das Containerschiff „CSCL Indian Ocean“ geborgen werden und seit Mittwoch steht offiziell fest, dass Hamburg in Europa nicht mehr die Nummer zwei im Ranking der größten Containerhäfen ist, sondern nur noch Nummer drei.
11.02.2016, 00:00
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Hafen Hamburg fällt auf Platz drei in Europa
Von Peter Hanuschke

Hamburg als Hafenstandort kommt in diesen Tagen nicht aus den Negativschlagzeilen raus: Erst nach Tagen konnte das Containerschiff „CSCL Indian Ocean“ geborgen werden und seit Mittwoch steht offiziell fest, dass Hamburg in Europa nicht mehr die Nummer zwei im Ranking der größten Containerhäfen ist, sondern nur noch Nummer drei.

Durch ein deutliches Minus von 9,3 Prozent beim Containerumschlag im vergangenen Jahr wurde die Hansestadt von Antwerpen überholt. Nummer eins ist weiterhin Rotterdam. Bremerhaven bleibt, auch wenn dort der Containerumschlag von

5,8 Millionen Standardcontainer (TEU) in 2014 auf 5,6 Millionen TEU im vergangenen Jahr zurückgegangen ist, der viertgrößte Hafen in Europa.

In Hamburg wurden 2015 8,8 Millionen TEU umgeschlagen – nach 9,7 Millionen im Vorjahr. Beim Containerumschlag liege Hamburg nun wieder auf dem Niveau von 2012 beziehungsweise 2006, sagte Vorstand von Hafen Hamburg Marketing (HHM), Axel Mattern, am Mittwoch. Grund sei, dass die Kernmärkte in Nordostasien mit China und Hongkong sowie im Ostseeraum mit Russland und Polen um 13,8 beziehungsweise 22,6 Prozent eingebrochen seien. Allein im China-Verkehr fehlten etwa 430 000 TEU, im Russlandverkehr seien es 230 000 Boxen gewesen. Zuwächse etwa in Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Malaysia um 3,2 Prozent, in Europa um zwölf Prozent oder in Lateinamerika mit Mexiko und Kolumbien um 19 Prozent konnten dies nicht ausgleichen.

Die Gesamtverkehre über die Nordrange – also die Häfen Rotterdam, Antwerpen, Hamburg, Bremen, Le Havre, Zeebrügge und Wilhelmshaven – würden auch in Zukunft stagnieren oder gar rückläufig sein, meinte Mattern. „Für 2016 als Ausblick kann man sagen: Die Gesamtzahl der zu bewegenden Container wird nicht steigen.“ Entsprechend gehe es um die Verteilung der Güter unter den großen Häfen, deren großer Gewinner im vergangenen Jahr Antwerpen mit einem Plus von 7,5 Prozent auf 9,7 Millionen Container war. Rotterdam verlor den Angaben zufolge zwar

0,5 Prozent, blieb mit 12,2 Millionen TEU aber die klare Nummer eins in Europa.

Für Burkhard Lemper, einer von zwei Direktoren des Bremer Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik und Professor an der Hochschule Bremen, ist es keine Überraschung, dass Hamburg nur noch auf Platz drei in Europa ist. „Aufgrund der Entwicklungen im Jahresverlauf, wie wir sie beim ISL mit unserem monatlichen Monitoring von weltweit über 70 Containerhäfen beobachten konnten, war dies bereits zu erwarten.“ Allerdings seien die Gründe vor allem in Marktveränderungen in der jüngeren Vergangenheit zu sehen, sodass es kein Trend sei, der etwa schon vor einem Jahr hätte absehbar sein können.

Dass die beiden größten deutschen Seehäfen gegenüber Antwerpen und Rotterdam langfristig an Boden verlieren könnten, schließt Lemper aus: Grundsätzlich sei die Position der deutschen Seehäfen weiterhin gut und der größte Teil der Mengenverluste auf die schwächelnde Wirtschaft in China und die Wirtschaftsprobleme in Russland zurückzuführen. Beide Ländern sorgten normalerweise für einen hohen Tran-

shipment-Anteil, also den Umschlag von den großen Überseeschiffen auf die kleinen Verteiler. Und das schlage bei den Umschlagmengen doppelt zu Buche. Hinzu komme, dass ein Teil der Mengen auch nicht in die Westhäfen abgewandert sei, sondern heute in Wilhelmshaven umgeschlagen werde. „Dort war ja in 2015 ein hohes Wachstum zu verzeichnen.“

Was Bremerhaven und Hamburg angeht, sei es nicht hilfreich, so Lemper, dass die Entscheidungen zur Anpassung von Außenweser und Unterelbe immer noch ausstehen: „Dadurch werden sicherlich bereits Mengen vorher in den Westhäfen gelöscht oder später geladen – vor allem wieder die doppelt zählenden Transhipment-Container.“ Hilfreich wäre es zudem, wenn für die bremischen Häfen und für Hamburg die Engpassbeseitigung in den Hinterlandanbindungen umgesetzt werde – etwa die Schienenanbindung am Knoten Bremen durch die so genannte Alpha-Variante oder für Hamburg speziell im Straßenbereich die Sanierung der A7, der Köhlbrand-Brücke beziehungsweise der Hafenquerspange.

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