Reederverband hält wenig von Idee

Debatte um Tempolimit für Schiffe

Die Organisation Ocean-Care fordert, die Geschwindigkeit etwa von Containerschiffen und Ölfrachtern auf hoher See zu verringern. Der Reederverband hält wenig von der Idee: Die Wirkung sei fraglich.
16.09.2021, 20:01
Lesedauer: 2 Min
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Von Hannes Koch

Tempolimits auf den Autostraßen gehören inzwischen zum Alltag. Manchmal ist die Verlangsamung, wie bei 130 auf Autobahnen, umstritten – das gilt gerade für Deutschland. Aber wie sieht es mit Schiffen aus? Auch im Hinblick auf die Ozeane wird mittlerweile über Geschwindigkeitsbeschränkungen diskutiert. Die in der Schweiz ansässige Organisation Ocean-Care fordert nun eine Temporeduzierung beispielsweise für Containerfrachter und Öltanker, die die Weltmeere befahren. Das soll die klimaschädlichen Emissionen aus den Schiffsmotoren reduzieren, so das Argument.

Reduzierung von Treibhausgasen erwartet

„Wenn die Schiffe 20 Prozent langsamer fahren, stoßen sie bis zu einem Viertel weniger Treibhausgase aus“, sagt Nicolas Entrup von Ocean-Care. Bei Öltankern gehe die Einsparung sogar in Richtung eines Drittels. Der gemeinnützigen Organisation zufolge ist die verringerte Geschwindigkeit die einzige Möglichkeit, um den Abgasausstoß der Schiffe schnell zu reduzieren. Andere Strategien wie effektivere Motoren oder der Antrieb mit klimafreundlichem Wasserstoff statt erdölbasiertem Treibstoff dauerten zu lange.

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Ocean-Care richtet ihre Forderungen an die Internationale Maritime Organisation der Vereinten Nationen, der fast alle Staaten der Erde angehören, darunter auch Deutschland. Außerdem solle die Europäische Union aktiv werden, sagt Entrup weiter. In einem ersten Schritt könnte man den Langsamverkehr räumlich begrenzt einführen, beispielsweise im Mittelmeer. Auch einzelne Reedereien fordern die Aktivisten auf, eine verringerte Geschwindigkeit in Erwägung zu ziehen.

Neu sei das überhaupt nicht, sagt Christian Denso, Sprecher des Verbandes Deutscher Reeder. „Schiffe fahren viel langsamer als noch vor zehn Jahren.“

In der Zeit der Schifffahrtskrise nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank in den USA im Jahr 2008 habe das auch Kosten gespart, „weil Brennstoff der weitaus teuerste Posten im Betrieb eines Schiffes ist“, sagt der Sprecher.

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Denso argumentiert allerdings, dass langsames Fahren nicht unbedingt die Emissionen senke. „Jede Geschwindigkeitsminderung bedeutet, dass es im Endeffekt mehr Schiffe braucht, um die vorhandene Ladung zu transportieren.“ Weil die Frachter länger unterwegs sind, können sie seltener neu laden. Zusätzliche Schiffe werden benötigt. Außerdem, so Denso weiter, nehme auch die Warenmenge zu. „Die Schifffahrt wächst in etwa mit dem globalen Wirtschaftswachstum.“

Ocean-Care-Mitarbeiter Entrup räumt ein, dass die Zahl der Schiffe steigt, wenn man ihre Geschwindigkeit reduziert. Das Ergebnis unter dem Strich sei trotzdem positiv. Denn der zusätzliche Abgasausstoß weiterer Frachter fresse nicht die gesamte Verringerung der Emissionen auf. Grundsätzlich sei die Strategie im Übrigen auch auf die Binnenschifffahrt übertragbar.

Kritik an Plänen der EU

Was im Klima-Paket der Europäischen Union vom Juli 2021 hinsichtlich des Seetransports steht, kritisiert die Organisation. „Der EU-Pfad erscheint nicht plausibel“, so Entrup, „die geplante Minderung dauert zu lange.“ Bis 2030 sollen laut EU-Plan nur sechs Prozent der Abgase im Vergleich zu 2020 vermieden werden, bis 2040 dann 26 Prozent. Die dickeren Brocken kommen später: minus 59 Prozent bis 2045 und minus 75 Prozent bis 2050.

Klimaneutral wäre die Seeschifffahrt dann immer noch nicht. Langsames Fahren könnte nun helfen, dass es immerhin etwas schneller geht.

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