Fregatten-Neubau Zweite Rönner-Fregatte „Al Qahhar“ startet mehrtägige Probefahrt

Der zweite Fregattenneubau, der von der Rönner-Gruppe für die ägyptische Marine gefertigt wird, befindet sich derzeit auf Werftprobefahrt. Den Auftrag hatte Rönner von Thyssenkrupp Marine Systems erhalten.
11.11.2022, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Eckardt

Die zweite von drei Fregatten von Stahlbau-Nord hat am Mittwochabend zur ersten mehrtägigen Werftprobefahrt den Fischereihafen in Richtung Nordsee verlassen. Kunde ist die ägyptische Marine. Die drei Fregatten werden von dem zur Rönner-Gruppe gehörenden Unternehmen Stahlbau-Nord (SBN) im Bremerhavener Fischereihafen im Unterauftrag für die Kieler Werft Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) produziert.

Die 121 Meter lange Fregatte vom Typ Meko 200 ist zum Teil schon mit militärischen Anlagen und Waffen ausgerüstet. Die Fregatte trägt den Namen "Al Qahhar“, führt den arabischen Namen „Al Qahhar“, was übersetzt so viel bedeutet wie „zu unterwerfen“, „zu besiegen“ oder „zu gewinnen“. Über den nach der Probefahrt noch anstehenden Umfang der weiteren Ausrüstungsarbeiten gibt es vonseiten der Bauwerft keine Auskünfte. Stahlbau Nord musste seinerzeit eine Verschwiegenheitserklärung gegenüber dem Auftraggeber abgeben. Somit ist nicht bekannt, wann genau das Schiff an TKMS übergeben und wann und wo das Schiff noch getauft wird.

Die mit vier Diesel-Hauptmaschinen ausgestattete Fregatte mit Zuschaltung der beiden General-Electric-Gasturbinen hat eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 30 Knoten. Bei einem reinen Betrieb mit Dieselmotor wird eine Geschwindigkeit von 18 Knoten erreicht.

Die Bewaffnung der ägyptischen Fregatten wird sich später aus einem umfangreichen Arsenal aus Flugkörpern, Torpedos und Geschützen zusammensetzen. Hinzu kommen zwei Bordhubschrauber, Einsatzboote und Ausrüstung für die Aufklärung. Die Bundesregierung hatte vor vier Jahren den Rüstungsexport für die bei Stahlbau-Nord gefertigten Fregatten genehmigt. Sie gibt auch die Exportkredit-Garantien für den Milliarden-Auftrag. Pro Schiff soll der Preis bei etwa 500 Millionen Euro liegen.

Bereits am 14. Oktober wurde der erste Fregattenneubau „Al Aziz“ im Fischereihafen  gerade einmal 38 Monaten nach Vertragsabschluss an die ägyptische Marine übergeben. Drei Tage später nahm der Fregattenneubau Kurs auf das Mittelmeer. Anfang November traf das Kriegsschiff in seinem Heimathafen am Marinestützpunkt in Alexandria ein.

Im Rahmen der Übergabefeierlichkeiten am 14. Oktober gehörte auch die Taufe der dritten Meko-200-Fregatte für die ägyptische Marine, die vom Stabschef der ägyptischen Marine, Vizeadmiral Ashraf Ibrahim Atwa, auf den Namen „Al Qadeer“ getauft wurde. Atwa erklärte hierbei: „Ich bin der befreundeten Republik Deutschland dankbar für die konstruktive und beispielhafte Beziehung." Deutschland unterstütze Ägypten immer mit der aktuellen Technologie, die zur Verbesserung der Marinefähigkeiten erforderlich sei. "Wir blicken auf eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit zurück, die sich in den hocheffizienten U-Booten 209 widerspiegelt." Die Zusammenarbeit beschränke sich nicht nur auf den Bau neuer Schiffe, sondern sei auch auf die Weiterbildung der Besatzungen für die neuen fortschrittlichen Technologie ausgedehnt worden.

Im September 2018 wurde der Vertrag für die vier Fregatten mit TKMS unterzeichnet. Ein viertes Schiff aus dieser Serie wird die ägyptische Marine eigenverantwortlich mit von TKMS zugelieferten Baugruppen selbst herstellen. Aus Kapazitätsgründen haben die Arbeiten für die drei Fregatten dann aber nicht am TKMS-Standort in Kiel, sondern an die Rönner-Gruppe in Bremerhaven übertragen, wo die Projektarbeiten offiziell im August 2019 begannen. Der erste Stahlschnitt bei Stahlbau-Nord in Bremerhaven war bereits im September 2019, und der Stapellauf der ersten Klasse fand im April 2021 statt. Im Juli 2021 wurde „Al-Aziz“ bereits getauft.

Im Rahmen der Übergabe der „AL Aziz“ in Bremerhaven sagte Oliver Burkhard, geschäftsführender Vorstand von TKMS: „Dieser Rekordzeitplan war nur möglich, weil die ägyptische Marine und Thyssenkrupp Marine Systems eine so lange und vertrauensvolle Partnerschaft verbindet." Das strategische Programm basiere auf einem offenen und kooperativen Dialog mit dem Kunden.

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