Bremen Hiobsbotschaften für Daimler in den USA

Kein guter Tag für Daimler: In den USA ist der Autobauer nach Sammelklagen von der US-Regierung aufgefordert worden, eine interne Untersuchung über das Zustandekommen der Abgaswerte durchzuführen. „Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich mit den Behörden“, sagte Finanzchef Bodo Uebber am Freitag in einer Telefonkonferenz.
23.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Kein guter Tag für Daimler: In den USA ist der Autobauer nach Sammelklagen von der US-Regierung aufgefordert worden, eine interne Untersuchung über das Zustandekommen der Abgaswerte durchzuführen. „Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich mit den Behörden“, sagte Finanzchef Bodo Uebber am Freitag in einer Telefonkonferenz.

Anders als bei Volkswagen, wo man nach dem Bekanntwerden der „Dieselgate“ genannten Affäre um manipulierte Abgaswerte rasch ein Geständnis abgab, weist Daimler Anschuldigungen zurück. Bislang fordert das US-Justizministerium auch nur Aufklärung und wirft dem Konzern kein Fehlverhalten vor. Allerdings haben Autobesitzer aus 13 US-Bundesstaaten Daimler wegen angeblichen Abgas-Betrugs verklagt. Auch das US-Umweltamt EPA hatte in diesem Zusammenhang bereits Informationen aus Stuttgart verlangt. Uebber betonte erneut, dass Daimler die US-Zivilklagen für unbegründet halte und sich dagegen mit sämtlichen juristischen Mitteln zur Wehr setzen werde.

Konkret geht es dabei um den Zertifizierungsprozess zu Schadstoff-Emissionen in den USA. Hersteller müssen den Behörden jegliche Instrumente zur Abgaskon-
trolle offenlegen und genehmigen lassen, bevor sie dort Autos auf den Markt bringen können. Nachdem VW die Installation von „defeat devices“ genannten Manipulations-Programmen zum Austricksen von Emissionstests verschwiegen hatte, prüft die EPA schon länger auch andere Autobauer.

Noch ist es zu früh, um einschätzen zu können, ob Daimler auch annähernd mit dem VW-Debakel vergleichbare Probleme drohen. Das Justizministerium in Washington hält sich bedeckt. Es habe den Anschein, als ob es den Fall nicht so hoch aufhängen wolle wie bei Volkswagen, sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Anleger reagierten dennoch geschockt. Die Daimler-Aktien sackten im Handelsverlauf an der Börse um etwa sechs Prozent ab. Beim Unternehmen geht man auf Nummer sicher: Finanzchef Uebber gab sich schmallippig, bat um Verständnis und wiederholte die Formulierungen aus der Pflichtmitteilung. Die Erfahrung mit den US-Behörden habe gezeigt, dass eine „konservative Kommunikation“ den konstruktiven Dialog mit den Behörden unterstütze.

Unterdessen fiel Daimlers Quartalsbilanz auch noch durchwachsen aus. Hohe Anlaufkosten für die neue E-Klasse drückten auf den Gewinn im ersten Jahresviertel. Außerdem entwickelte sich das Lkw-Geschäft unter anderem wegen der schwierigen Lage in Brasilien schwächer als erwartet. Unterm Strich verdiente der Konzern trotz eines deutlichen Absatzzuwachses mit 1,4 Milliarden Euro fast ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 35 Milliarden Euro.

Die Abgas-Affäre zieht aber auch noch weitere Kreise in Deutschland: Die von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt angeordneten Nachmessungen durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zwingen jetzt alle deutschen Autobauer bis auf BMW zu einem Rückruf. Nach Angaben des CSU-Politikers sollen insgesamt rund 630 000 Wagen vorübergehend zurück zum Hersteller. Die Konzerne hätten eine „Optimierung“ ihrer Maßnahmen zur Reduzierung von Schadstoffen zugesagt.

Bei den betroffenen Wagen von Audi, Mercedes, Opel, Porsche und den leichten VW-Nutzfahrzeugen müsse die Technik zur Abgasreinigung bei bestimmten Temperaturen geändert werden, erklärte der Minister. Die „Optimierung“ werde noch in diesem Jahr erfolgen. Das KBA werde die Wirksamkeit der Veränderungen an den Fahrzeugen überprüfen. Die Autohersteller sprachen am Freitag von einem „freiwilligen“ Update. Sie betonten, es gebe keine Hinweise auf unzulässige Software. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte: „Nach einer ersten, vorläufigen Analyse der Ergebnisse können wir sehen, dass die Automobilbranche die Abgasreinigungen auch dann ausgesetzt hat, wenn es sich nach allgemeinem Verständnis um normale Betriebssituationen handelt.“ Dies habe weit verbreitet stattgefunden – entgegen den EU-Abgasvorschriften.

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