Experte: In diesem Jahr kann sich ein Wechsel der Krankenkasse lohnen Höhere Beitragssätze

Bremen. Zu Beginn dieses Jahres sind die Krankenkassenbeiträge der gesetzlich Versicherten deutlich gestiegen. Viele große Anbieter haben ihren Zusatzbeitrag angehoben.
18.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl

Zu Beginn dieses Jahres sind die Krankenkassenbeiträge der gesetzlich Versicherten deutlich gestiegen. Viele große Anbieter haben ihren Zusatzbeitrag angehoben. Denn der Grundbeitrag zur gesetzlichen Krankenkasse beträgt 14,6 Prozent, der je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen wird. Seit 1. Januar 2015 ist es den Kassen möglich, einen Zusatzbeitrag zu erheben, falls die 14,6 Prozent nicht ausreichen, und diesen Aufschlag muss der Arbeitnehmer allein tragen. Noch im vergangenen Jahr lag der Zusatzbeitrag bei 0,9 Prozent, wobei es kaum Ausreißer nach oben gab. Mit Jahresbeginn hat sich das Bild deutlich gewandelt.

Bei der Techniker Krankenkasse (TK) ist der Zusatzbeitrag um 0,2 Punkte gestiegen. Der neue Beitragssatz beträgt 15,6 Prozent. Auch die Barmer erhöhte um 0,2 Prozentpunkte und ist mit 15,7 Prozent geringfügig teurer als die TK, liegt aber gleichauf mit der AOK Bremen – Bremerhaven, die ebenfalls um 0,2 Prozentpunkte ihren Zusatzbeitrag erhöhte. 15,7 Prozent ist auch der Durchschnittssatz, an dem sich Verbraucher orientieren können, ob ihre Kasse darunter oder darüber liegt. Die Kassen begründen den Anstieg mit höheren Kosten. „Seit der vergangenen Legislaturperiode hat es nur Gesetze gegeben, die mehr Geld kosten“, sagt der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub. Die gesetzliche Krankenversicherung werde in diesem Jahr mit 1,4 und 2017 mit drei Milliarden Euro zusätzlich belastet. Die günstigste Krankenkasse in Bremen ist die HKK mit einem Beitragssatz von 15,19 Prozent. Die teuerste Kasse ist für Bremen die Viactiv mit 16,3 Prozent Beitragssatz, wie eine Auswertung des Vergleichsportals gesetzlichekrankenkassen.de ergab.

„In diesem Jahr kann sich ein Wechsel der Kasse lohnen“, sagt Thomas Adolph, der das Vergleichsportal betreibt. Bei einer Beitragserhöhung haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Das ist aber nur für Mitglieder wichtig, die noch nicht 18 Monate in ihrer Krankenversicherung sind. Sie können bis zum 31. Januar von diesem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Die übrigen Mitglieder können jederzeit, die Kasse wechseln. Der Wechsel zu einer neuen Kasse dauert zwei Monate. Die Übergangsfrist beginnt zum Monatsende des Zeitpunktes der Kündigung. Wer also noch im Januar seiner alten Kasse kündigt, ist zum 1. April Mitglied in der neu gewählten Krankenversicherung. Bis dahin muss aber der Zusatzbeitrag der alten Kasse gezahlt werden.

Wer mit einem Einkommen ab der Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung in Höhe von 4237,50 Euro zur HKK wechselt, hat einen monatlichen Beitragsvorteil von rund 22 Euro gegenüber einer Kasse, die den Durchschnittsbeitragssatz von 15,7 Prozent verlangt. Ist die eigene Kasse noch teurer, erhöht sich der eingesparte Beitrag, aber wer unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt, hat natürlich auch eine geringere Einsparung. Auf den Vergleichsportalen wie krankenkasseninfo.de gibt es Vergleichsrechner, mit denen die individuelle Einsparung berechnet werden kann. Wer mit einem Monatsverdienst von 3500 Euro von der AOK Bremen – Bremerhaven zur HKK wechselt, hat eine monatliche Ersparnis von rund 18 Euro. Aber auch das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Denn einen Teil kassiert das Finanzamt, weil weniger Krankenkassenbeitrag mehr Bruttoverdienst heißt, auf den natürlich Steuern fällig werden. So hat die Stiftung Warentest errechnet, dass einem kinderlosen Single von 600 Euro Beitragsersparnis im Jahr 319 Euro netto übrig bleiben, wenn Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag berücksichtigt werden.

Aber bei der Krankenkasse wie auch bei anderen Versicherungen geht es nicht nur um die Beitragshöhe. So rät Experte Adolph, neben dem Beitrag auch immer die Leistungen zu berücksichtigen. Laut Stiftung Warentest sind zwar 95 Prozent der Leistungen bei allen Kassen gleich, dennoch gibt es Unterschiede, und ob die wichtig sind, hängt viel von persönlichen Erwartungen ab. Wem eine Geschäftsstelle vor Ort wichtig ist, weil er viel mit der Kasse zu tun hat, für den kommen längst nicht alle Kassen infrage. Solche Kunden sind in der Regel bei AOK oder Barmer gut aufgehoben, aber auch die HKK hat vier Geschäftsstellen in Bremen. Nicht nur beim Service, auch bei den Leistungen gibt es Unterschiede. Einige Kassen übernehmen die Kosten für alternative Heilmethoden wie Homöopathie oder Osteopathie. Unterschiede kann es auch beim Impfschutz geben, sofern er über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Das ist für Leute wichtig, die häufig ins nichteuropäische Ausland reisen. Auch bei der professionellen Zahnreinigung und zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen gibt es Leistungsunterschiede zwischen den Kassen, die von Vergleichsportalen auch aufgelistet werden. So können auch Vorgaben gemacht werden, was einem wichtig ist und auf welche Leistungen verzichtet werden kann. Der Beitragssatz allein sagt jedenfalls noch nichts über das Leistungsniveau aus.

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