Derzeitige Situation erfordert Kreativität Bremer Spediteure melden Vollbeschäftigung

Der Verein Bremer Spediteure klagt über hohe Frachtraten und unzuverlässige Reeder. Doch auch wenn die Situation derzeit viele Nerven kostet: Bremens Spediteure melden Vollbeschäftigung.
26.04.2021, 14:34
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Spediteure melden Vollbeschäftigung
Von Florian Schwiegershausen

Bei Bremens Spediteuren herrscht derzeit Vollbeschäftigung. Das ist ein Fazit der Jahresbilanz des Vereins Bremer Spediteure (VBS). Der Vorstandsvorsitzende Oliver Oestreich, gleichzeitig Mitglied der Geschäftsführung von Leschaco, sagte: „Wir haben bei Bremens Spediteuren derzeit Vollbeschäftigung. Und gute Mitarbeiter werden immer gesucht.“ Carsten Hellmers, Geschäftsführer von Alexander Global Logistics und VBS-Vorstandsmitglied, ergänzte: „Allerdings ist der Preis sehr hoch, der derzeit von den Beschäftigten aufgebracht werden muss: Es bedarf hoher Kreativität und vieler Nerven bei der Frage, wie man denn momentan seine Fracht wegbekommt.“

Denn gleichzeitig kritisieren die Spediteure die Unzuverlässigkeit bei den Reedereien. Nach Angaben des Vereinsvorstands werden zugesagte Termine nicht eingehalten. Auf den Fahrplan sei derzeit kein Verlass. Gleichzeitig seien die Häfen so vollgestellt, dass es nicht nur in Hamburg sehr enge Zeitfenster gebe, um die Container anliefern zu können. Brelog-Geschäftsführer Thorsten Dornia beschrieb es so: „Die Terminals in den Häfen befinden sich an ihrer maximalen Kapazität. Die fehlende Fahrplantreue der Reedereien macht es den Terminals auch nicht leichter.“

Die Blockade des Suezkanals habe diese Situation nicht einfacher gemacht. Die Frachtraten haben sich um das Fünffache erhöht. Bei diesem Punkt geht Sven E. Schoon, Geschäftsführender Gesellschafter von ETS Transport & Logistics, davon aus, dass das langfristig zu steigenden Verbraucherpreisen führen wird: "Vielleicht spüren wir das bereits schon in einigen Bereichen. Nehmen wir als Beispiel Sofas, die beim Discounter verkauft werden: Wenn die per Container transportiert werden, müssten diese im Preis steigen. Wenn der Preis dann zu hoch ist, sagt der Importeur vielleicht, dass dieser Preis zu hoch ist und sich die Einfuhr nicht mehr lohnt."

Was die Wettbewerbsfähigkeit der bremischen Häfen angeht, hat sich der Verein Bremer Spediteure mit einem Brief an Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), an Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD), an Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) gewandt. In ihrem Schreiben haben die Spediteure ihre Sorge geäußert, dass Bremerhaven weiterhin gegenüber den Westhäfen an Bedeutung verlieren wird. Aufgrund des Briefs soll es den Sommer über dazu branchenübergreifend Gespräche geben.

Die vollen Terminals führen übrigens nicht zu einer höheren Auslastung in Wilhelmshaven für den Jade-Weser-Port. Robert Völkl, Geschäftsführer des Vereins Bremer Spediteure, hält die großen Allianzen der Containerreedereien für den Grund: „Wenn jede Reederei allein für sich agieren würde, würde die eine oder andere da vielleicht auf Wilhelmshaven ausweichen. Für die großen Reederei-Allianzen, wie wir sie heutzutage haben, wäre das als Konsortium aber zu komplex.“

Erst neulich sagte der Vorstandsvorsitzende von Hapag Lloyd, Rolf Habben Jansen, dass man nicht kurzfristig auf Häfen ausweiche, weil da gerade Platz sei. VBS-Mitglied Schoon sagte dazu: „Eine solche Entscheidung würde man nur mittel- oder langfristig fällen. Wenn aber Schiffe in größerer Menge nach Wilhelmshaven fahren, ist das wiederum nicht im Interesse Bremerhavens und schon gar nicht im Interesse Hamburgs, die ja im Gegensatz zu Bremen nicht am Jade-Weser-Port beteiligt sind.“

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