Arbeitsmarkt IG Metall: Aufschwung geht an junger Leute vorbei

Frankfurt/Main. Der Konjunkturaufschwung in Deutschland geht einer Studie der IG Metall zufolge an der jungen Generation vorbei. Rund 54 Prozent der Erwerbstätigen unter 25 Jahren seien prekär beschäftigt, das heißt in Leiharbeit, befristeten Jobs oder in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.
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Frankfurt/Main. Der Konjunkturaufschwung in Deutschland geht einer Studie der IG Metall zufolge an der jungen Generation vorbei. Rund 54 Prozent der Erwerbstätigen unter 25 Jahren seien prekär beschäftigt, das heißt in Leiharbeit, befristeten Jobs oder in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Das sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel am Montag in Frankfurt. Dies seien sogar noch neun Prozentpunkte mehr als im Krisenjahr 2009. Bei den Erwerbstätigen unter 35 Jahren liege der Anteil immer noch bei 30 Prozent.

«Die Prekarisierung der jungen Generation steigt auf hohem Niveau auch im Aufschwung weiter an und wird zu einer entscheidenden strukturellen Erfahrung von jungen Erwerbstätigen», sagte Wetzel. «Der Berufsstart ist geprägt von Frust, Verzicht und Unsicherheit.»

Die Ausgrenzung eines erheblichen Teils der jungen Menschen werde den Fachkräftemangel verstärken und gefährde auch den Industriestandort Deutschland. Die Debatte über Einwanderung werde von betroffenen jungen Leuten als «zynisch» angesehen.

Von der Politik forderte die IG Metall einen Kurswechsel, der die Wünsche der jungen Generation aufnehme. So fordere 89 Prozent der jungen Generation eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, 82 Prozent seien für Mindestlöhne und 71 Prozent für die Begrenzung von Leiharbeit. Das Sparpaket der Bundesregierung werde von 72 Prozent abgelehnt und die Rente mit 67 von 71 Prozent. Starker Unmut herrsche unter den Befragten auch über den Einfluss wirtschaftlicher Interessen auf politische Entscheidungen.

Den Unternehmern warf Wetzel vor, gezielt einen Billiglohn-Bereich einführen zu wollen. Die Zunahme der Leiharbeit habe nichts mit einer Verunsicherung über die künftigen Konjunkturaussichten zu tun, sondern sei Teil einer Billig-Strategie.

Für die repräsentative Umfrage hatte TNS Infratest von Ende August bis Mitte September im Auftrag der Gewerkschaft 1134 Menschen im Alter von 14 bis 34 Jahren befragt. (dpa)

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