Das Jahr 2017 wird für Anleger durch einige Unsicherheiten geprägt

Ja, aber ...

Bremen. Mit dem Deutschen Aktienindex (Dax) konnte man im vergangenen Jahr viel oder wenig verdienen – je nachdem, wann man eingestiegen ist. Wer sein Geld gleich zu Beginn des Jahres in die 30 deutschen Aktien investiert hat, ist nach einer Berg- und Talfahrt der Dividendenpapiere froh, dass er einen Kursgewinn von knapp fünf Prozent eingefahren hat.
02.01.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Grahl

Bremen. Mit dem Deutschen Aktienindex (Dax) konnte man im vergangenen Jahr viel oder wenig verdienen – je nachdem, wann man eingestiegen ist. Wer sein Geld gleich zu Beginn des Jahres in die 30 deutschen Aktien investiert hat, ist nach einer Berg- und Talfahrt der Dividendenpapiere froh, dass er einen Kursgewinn von knapp fünf Prozent eingefahren hat. Wer sein Geld erst im Februar anlegte, als das Börsenbarometer knapp über 9000 Punkte stand, kann sich über einen Gewinn von rund 27 Prozent freuen.

Die Bankexperten ziehen daraus folgende Schlussfolgerung: „Für eine lohnende Aktienanlage ist ein langfristiger Anlagehorizont wichtiger als der Zeitpunkt des Aktienkaufs“, sagt Julia Topar vom Bundesverband Deutscher Banken. „Wer zum Jahresende in einen Querschnitt großer deutscher Standardaktien investierte (den Dax), der erzielte bei einer Anlagedauer von 15 Jahren im Schnitt eine jährliche Rendite von gut acht Prozent, im ungünstigsten Fall noch zwei Prozent jährlich.“ Bei einer Haltedauer ab 20 Jahren seien es im Schnitt wiederum gut acht Prozent, in ungünstigen Fällen immerhin fünf bis sechs Prozent Rendite im Jahresschnitt gewesen. Für die Berechnung der Rendite wurden die Kursentwicklung und die Dividendenausschüttungen herangezogen.

Doch jetzt in den Aktienmarkt einzusteigen, ist mit vielen Risiken verbunden. Zwar notiert das deutsche Kursbarometer noch knapp 1000 Punkte unter seinem bisherigen Höchststand von mehr als 12 300 Punkten im Frühjahr 2015. Doch die Weltwirtschaft und die Kapitalmärkte werden im Jahr 2017 maßgeblich durch politische Entscheidungen bestimmt. Kritisch sehen die Experten der Deutschen Bank vor allem Tendenzen hin zu einer restriktiveren Einwanderungs- sowie einer zunehmend protektionistischen Wirtschaftspolitik – Entwicklungen, die auch in anderen Ländern zu beobachten sind. „In Europa sind solche Positionen nicht erst seit dem Brexit-Votum auf dem Vormarsch“, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. „Sie finden insbesondere bei Menschen Zustimmung, die sich zu den Verlierern der Globalisierung zählen oder fürchten, bald zu ihnen zu gehören.“

Der Dax ist einer der besonders zyklischen Aktienindizes weltweit. „Von umfangreichen Fiskalprogrammen, wie wir sie in den USA, China und eventuell auch in Japan erwarten, würden deutsche Unternehmen daher profitieren“, sagt Stephan. Gleichzeitig dürften die politischen Unsicherheiten in Europa deutsche Aktien jedoch belasten. Dazu gehören die Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich sowie die Bankenkrise in Italien.

Wegen der hohen Abhängigkeit vieler deutscher Unternehmen vom Export könnten mögliche US-Handelsbeschränkungen und eine schwächere Konjunktur in China zu weiteren negativen Impulsen führen. Insgesamt erwarten die Strategen der Deutschen Bank für 2017 hohe Schwankungen am deutschen Aktienmarkt. Klängen die politischen Unsicherheiten im zweiten Halbjahr etwas ab, könnten sich interessante Anlagemöglichkeiten ergeben. Stephan sieht den Dax Ende 2017 bei 11 300 Punkten, also auf fast unverändertem Niveau gegenüber dem Jahresende 2016. Die Targo Bank geht davon aus, dass die Aktienmärkte bis Ende 2017 gut acht Prozent zulegen können. Besonders schwierig erscheint die Prognose für Europa. Das für die Euro-Zone wichtige Börsenbarometer EuroStoxx 50 hat im Jahresverlauf 2016 fast kaum zugelegt. Die Eurozone profitiert weiter von der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. „Eine niedrige Währung und die niedrigen Zinsen dürften den 2016 begonnenen Konjunkturaufschwung verstärken“, sagt Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG, einer unabhängigen Vermögensverwaltung, die auch Publikumsfonds auflegt. Doch wegen des politischen Einflusses sei die Entwicklung in Europa am schwierigsten vorauszusagen. „Ein Problem könnte sich ergeben, wenn in Frankreich und Italien bei den Wahlen euroskeptische Parteien einen weiteren Aufschwung erleben“, sagt Ehrhardt. Doch es gibt auch andere Stimmen: „Wir sind der Überzeugung, dass Francois Fillon, der neue Kandidat der französischen Konservativen, dem eurofeindlichen Front National das Wasser erfolgreich abgraben kann“, sagt Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. Auch die Vermögensverwaltung DJE Kapital zeigt einen gewissen Optimismus für die Eurozone. „Es ist denkbar, dass die Anlageregion Europa im Jahr 2017 von einem weltweiten Trend hin zur Aktie aufgrund ihrer besseren Rendite sowie höheren Substanz und der EuroStoxx 50 nach zehnjähriger unterdurchschnittlicher Entwicklung auch relativ Boden gut machen könnte“, sagt Ehrhardt.

Steuererleichterungen, Konjunkturprogramme, Deregulierung: „Sollte Donald Trump seine Wahlversprechen zumindest in Teilen in die Tat umsetzen, könnte der US-Aktienmarkt profitieren“, sagt Stephan. Aussichtsreich sind nach seiner Einschätzung zum Beispiel Finanztitel sowie der Gesundheitssektor. Für den US-Leitindex S&P 500 erwartet er zum Jahresende 2017 einen Stand von 2350 Punkten. Das wäre ein Plus von gut vier Prozent gegenüber dem Jahresende 2016. Auch die Aktienmärkte der Schwellenländer könnten wieder stärker in den Anlegerfokus rücken, so der Deutsche-Bank-Experte.

Gold hat die Anleger im vergangenen Jahr enttäuscht. Zwar erreichte das Edelmetall bis zum Sommer eine Wertsteigerung von bis zu 30 Prozent, gab aber danach einen großen Teil seiner Gewinne wieder ab. Für Euro-Anleger bleibt dennoch ein Plus von zwölf Prozent, während es auf Dollar-Basis nur acht Prozent beträgt. „2017 dürfte sich die Goldnachfrage voraussichtlich aber wieder beleben“, erwartet Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg. Das betrifft vor allem die traditionellen Abnehmerländer Indien und China. „Insgesamt rechnen wir deshalb für das kommende Jahr trotz des Gegenwindes durch weitere Leitzinserhöhungen in den USA mit einer Erholung des Goldpreises“, sagt Proettel.

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