Größter Börsengang seit Jahrzehnten Japans Post geht aufs Parkett

Tokio. Japan steht vor dem größten Börsengang seit rund drei Jahrzehnten. Die Japan Post Holdings sowie ihre beiden Bank- und Versicherungstöchter werden an diesem Mittwoch an der Tokioter Börse notiert.
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Von Lars Nicolaysen

Japan steht vor dem größten Börsengang seit rund drei Jahrzehnten. Die Japan Post Holdings sowie ihre beiden Bank- und Versicherungstöchter werden an diesem Mittwoch an der Tokioter Börse notiert. Die Regierung wird rund 1,4 Billionen Yen (10,5 Milliarden Euro) einnehmen. Damit ist es die größte Notierung in Japan seit den beiden Börsengängen des Telekomriesen Nippon Telegraph and Telephone (NTT) 1987 und des Mobilfunkkonzerns NTT Docomo 1998.

Einen Teil der Einnahmen will der Staat in den Wiederaufbau der 2011 von einem Tsunami verwüsteten Gebiete stecken. Zum anderen sollen mehr Bürger an die Börse gelockt werden, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. Doch nach Ansicht von Kritikern hat die Regierung noch etwas anderes im Sinn: Angesichts einer Staatsverschuldung von etwa 240 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes sei die Regierung auf frisches Geld angewiesen. Mit anderen Worten: Die Nummer Drei der Weltwirtschaft stoße ihr Tafelsilber ab.

Der gleichzeitige Börsengang der Japan Post Holdings und ihrer Töchter Japan Post Bank und Japan Post Insurance Co ist die letzte Stufe in der vor zehn Jahren vom damaligen Regierungschef Junichiro Koizumi initiierten Privatisierung der Post. Für Koizumi war die japanische Post das Symbol für eine Klientelwirtschaft, die über Jahrzehnte von seiner – auch heute wieder – regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) aufgebaut worden war. Der Unternehmensriese ist mit mehr als 200 000 Beschäftigten in 24 000 Ämtern einer der größten Arbeitgeber im Land. Der Bankenarm der Post verfügt zudem über rund 178 Billionen Yen Einlagen, mehr als jedes andere Finanzinstitut.

Im Unterschied zu einer normalen Bank oder Lebensversicherung legte die Japan Post die ihr anvertrauten Anlagegelder jedoch überwiegend in Staatsschuldbriefen und Anleihen für öffentliche Unternehmen an. In Japan hatte man sich daher lange Zeit daran gewöhnt, die Postfinanzen als den „zweiten Staatshaushalt“ der Regierung zu betrachten. Mit der Privatisierung wollte Koizumi die Post denn auch der Kontrolle der Politiker entziehen und den Wettbewerb intensivieren. Doch gab es große Widerstände. Gegner fürchteten die Schließung vieler Postämter. Schließlich stellte die Post eine bedeutende Stimmenmobilisierungsmaschine für die LDP auf dem Lande dar. Gegner der Reform schloss Koizumi sogar aus der Partei aus. Doch das ist lange her. Inzwischen ist Koizumis Parteikollege Shinzo Abe an der Macht und will Japan aus der Deflation und Stagnation holen. „Drei Pfeile“ sollen es richten: Aggressives Gelddrucken, schuldenfinanzierte Konjunkturspritzen und Reformen. Hierzu kauft die Bank von Japan in nie da gewesenem Umfang Staatsanleihen auf. Laut Kritikern ist dies nichts anderes als eine Finanzierung der schon jetzt höchsten Staatsverschuldung unter allen großen Industrieländern der Welt mit Hilfe der Notenpresse.

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