Lebensmittel Kakao-Krise: Schoko-Branche hofft auf Preissturz

Berlin. Die Preise für den Schokoladen-Rohstoff Kakao könnten nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) schon bald rasant sinken. «Alle fundamentalen Daten deuten darauf hin, dass die Kakaorohstoff-Blase bald platzen sollte».
04.03.2010, 17:30
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Berlin. Die Preise für den Schokoladen-Rohstoff Kakao könnten nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) schon bald rasant sinken. «Alle fundamentalen Daten deuten darauf hin, dass die Kakaorohstoff-Blase bald platzen sollte».

Das sagte der Kakaoexperte Hermann Hauertmann am Donnerstag in Berlin. Erst dann müssen Schokoladen-Liebhaber keine Preiserhöhungen mehr fürchten.

Hauertmann erwartet, dass sich Spekulanten zurückziehen, die Schokolade als lukratives Investitionsobjekt entdeckt und den Handelspreis für Kakao zuletzt auf den höchsten Stand seit 1977 getrieben hatten. Nach Schätzungen halten sie über ein Drittel der an den Börsen gehandelten Kakao-Menge.

An den internationalen Rohstoffmärkten kostet derzeit eine Tonne des Rohstoffs fast 2600 Euro und damit fast doppelt so viel wie 2007. Doch gerechtfertigt wären nur knapp 1550 Euro, meinte Hauertmann. Die Nachfrage nach den Kakao-Endprodukten sei weltweit rückläufig. In Deutschland wurden 2009 etwa drei Prozent weniger Schokoladenwaren hergestellt. Die Erntemengen von Kakaobohnen blieb hingegen konstant hoch. Der Verband rechnet daher damit, dass 2010 rund 1,6 Millionen Tonnen des Rohstoffes in Lagern auf ihre Verarbeitung warten müssen - das entspricht etwa der Hälfte der Erntemenge des Jahres 2009. «Alle Zeichen stehen demnach auf Entwertung der Preise», sagte Hauertmann.

Das wäre ein Segen für die Schokoladen-Hersteller, sagte Chocolatier Jürgen Rausch in Berlin. Denn diese seien zumeist an langfristige Verträge mit dem Lebensmittelhandel gebunden. In den aktuellen Absprachen sei der hohe Rohstoff-Preisanstieg nicht einkalkuliert. In Ländern, die weniger strenge Lebensmittelgesetze haben wie Deutschland, reduzierten Chocolatiers daher bereits den Kakaoanteil an Schokoladenprodukten. Alle anderen Hersteller würden hohe Verluste einfahren. «Platzt die Blase nicht bald, muss die Schokolade für den Verbraucher teurer werden», sagte Rausch. (dpa)

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