Philipp Jaklin über Reeder-Subventionen Kommentar: Skepsis ist angebracht

Ein Anfall von Seefahrer-Romantik – ist es das, was unsere Politiker gerade antreibt? Bundestag und Bundesrat haben in dieser Woche beschlossen, den deutschen Reedern eine üppige Subvention zu gönnen.
30.01.2016, 00:00
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Kommentar: Skepsis ist angebracht
Von Philipp Jaklin

Ein Anfall von Seefahrer-Romantik – ist es das, was unsere Politiker gerade antreibt? Bundestag und Bundesrat haben in dieser Woche beschlossen, den deutschen Reedern eine recht üppige Subvention zu gönnen.

Haben sie Schiffe unter deutscher Flagge im Einsatz, können sie in Zukunft die gesamte Lohnsteuer für ihre Seeleute an Bord behalten. Was den Trend zum „Ausflaggen“ stoppen soll. Zunehmend sind deutsche Seeschiffe etwa unter der Flagge Liberias unterwegs. Nun sind sich fast alle einig: Es möge wieder mehr Schwarz-Rot-Gold wehen an Bord unserer stolzen Handelsflotte.

Das könnte man für Deutschtümelei auf See halten. Dem Reeder ist es zunächst egal, ob sein Offizier einen deutschen oder einen philippinischen Pass hat. Er muss hart kalkulieren und im Zweifelsfall mit Konkurrenten mithalten können, deren Besatzung komplett aus Billiglohnländern kommt. Ist der Kapitän mit dem deutschen Patent auf der Brücke also ein Anachronismus?

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Subventionen können gerechtfertigt sein, wenn damit kritische Infrastruktur aufgebaut wird oder strategisch wichtige Branchen geschützt werden. Tatsächlich profitiert eine gesamte maritime Branche davon, wenn es in Deutschland qualifizierte Arbeitskräfte gibt, die nach einer gewissen Zeit auf See in der Hafenwirtschaft tätig sind, in der Forschung oder Verwaltung.

Dieses Know-how soll das Steuerprivileg für Reeder bewahren helfen. Im besten Fall tut es das. Doch Skepsis ist angebracht. Knallhart ist das Geschäft der Reeder, knallhart ihre Kostenrechnung. Womöglich wird der Beschenkte dieses Präsent am Ende gar nicht annehmen. philipp.jaklin@weser-kurier.de

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