Großbritannien Kraft am Ziel: Schokofirma Cadbury gibt Widerstand auf

London/New York. Der britische Süßwarenhersteller Cadbury hat den Kampf um seine Unabhängigkeit aufgegeben. Der US-Lebensmittelriese Kraft erhöhte sein Angebot um rund eine Milliarde auf 11,5 Milliarden Pfund (13,1 Mrd Euro).
19.01.2010, 15:11
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London/New York. Der britische Süßwarenhersteller Cadbury hat den Kampf um seine Unabhängigkeit aufgegeben. Der US-Lebensmittelriese Kraft erhöhte sein Angebot um rund eine Milliarde auf 11,5 Milliarden Pfund (13,1 Mrd Euro).

Daraufhin stimmte das Cadbury-Management nach monatelangem erbitterten Widerstand am Dienstag doch noch zu. Gemeinsam rückt die amerikanisch-britische Allianz näher an den Weltmarktführer bei Lebensmitteln, Nestlé, heran. Bei Süßwaren können sie sogar aufschließen. Kraft und Cadbury vereinen so bekannte Marken wie Milka, Toblerone oder Dairy unter einem Dach. Zu Nestlé gehören unter anderem Kit Kat und Smarties.

Nimmt nun mehr als die Hälfte der Cadbury-Aktionäre das Angebot an, ist das Ende der fast 200-jährigen unabhängigen Geschichte des britischen Schokoproduzenten besiegelt. Britische Gewerkschaften befürchten, dass weltweit rund 7000 der etwa 45 000 Jobs bei Cadbury wegfallen.

Cadburys Geschichte geht bis 1824 zurück. Die Firma ist der bekannteste Süßwarenproduzent Großbritanniens. Sie stellt Dairy- Schokolade, Cadbury-Creme-Eier und Trident-Kaugummi her. Trotz der Wirtschaftskrise war das Unternehmen zuletzt noch gewachsen und hatte auch besser verdient. Kraft dagegen musste leicht zurückstecken. Von den Amerikanern kommen unter anderem Milka- und Toblerone-Schokolade, Philadelphia-Käse, Jacobs-Kaffee und Miracoli-Nudeln.

Gemeinsam würden Kraft und Cadbury auf einen Umsatz von umgerechnet etwa 50 Milliarden Dollar kommen. Nestlé ist mehr als doppelt so groß. Um die Übernahme stemmen zu können, verkauft Kraft sein Geschäft mit Tiefkühlpizzen ausgerechnet an den Schweizer Rivalen. Der hatte schon früh klargemacht, kein Interesse an Cadbury zu haben.

Die Gewerkschaften sehen eine große Schuldenbürde auf dem Konzern, die zum Sparen zwinge. «Wir glauben, sie werden als Teil von Kraft Foods gedeihen», sagte hingegen Kraft-Chefin Irene Rosenfeld. Sie betonte, «großen Respekt vor Cadburys Marken, Erbe und Mitarbeitern» zu haben. Der britische Premierminister Gordon Brown sagte, die Regierung sei entschlossen, Jobs zu sichern.

Am Dienstag endete für Kraft die Frist, ein neues Angebot für Cadbury zu präsentieren. Cadbury-Verwaltungsrats-Chef Roger Carr nannte die nachgebesserte Offerte eine «unwiderstehliche Gelegenheit» für die Aktionäre. Kraft bietet insgesamt 840 Pence je Cadbury-Aktie und einen Nachschlag von 10 Cent, wenn das Geschäft durch ist. Bevor die Amerikaner im Herbst vergangenen Jahres erstmal Interesse zeigten, war die Aktie nicht einmal 600 Pence wert.

Cadbury hatte das bisherige feindliche Angebot von rund 10,4 Milliarden Pfund oder 769 Pence je Aktie als «lächerlich» zurückgewiesen und sich vehement gegen eine Übernahme gestemmt. Die Briten riefen sogar die direkten Konkurrenten Hershey aus den USA und Ferrero aus Italien um Hilfe. Die Finanzierung stellte sich jedoch bei beiden als Problem heraus.

Sollte der Zusammenschluss wie erwartet gelingen, muss Cadbury auf Druck der EU-Wettbewerbshüter aber einen Teil des Schokoladegeschäfts in Osteuropa verkaufen, um nicht übermächtig zu werden.

Widerstand könnte noch vom Kraft-Hauptaktionär Berkshire Hathaway mit Investorenlegende Warren Buffett an der Spitze kommen. Dieser hatte Anfang des Jahres die Befürchtung geäußert, dass Kraft zu viel Geld für die Briten auf den Tisch legt. Laut «Wall Street Journal» ist aber auch er mittlerweile überzeugt von der Offerte. (dpa)

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