Grundlage ist ein Corona-Hygienekonzept

Neuanfang mit Kurz-Kreuzfahrten ohne Landgang

Die Kreuzfahrtbranche wagt einen vorsichtigen Neuanfang: Von Ende Juli werden die ersten Kreuzfahrten ab Hamburg angeboten, ohne Landgang. Von Bremerhaven aus soll es Anfang September nach Großbritannien gehen.
10.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Caroline Schröder und Silke Hellwig
Neuanfang mit Kurz-Kreuzfahrten ohne Landgang

Die "Mein Schiff 2" von Tui Cruises startet Ende Juli wieder zu ihrer ersten Seefahrt von Hamburg aus. Landgänge sind vorerst nicht vorgesehen.

Jan Sieg / Tui Cruises GmbH

Die Kreuzfahrtbranche nimmt wieder Fahrt auf und sticht in den kommenden Wochen mit den ersten Schiffen in See. Grundlage dafür ist ein Corona-Hygienekonzept, das die Kreuzfahrtindustrie gemeinsam mit den deutschen Behörden und Hafenverwaltungen erarbeitet hat. Die Wiederaufnahme der Kreuzfahrten soll demzufolge in drei Phasen eingeteilt werden, wie die Cruise Lines International Association (Clia), der größte Verband der Kreuzfahrtindustrie, am Donnerstag mitteilte. Für die Fahrgäste bedeutet das: nur Seetage und mehr Platz und Service an Bord.

In der ersten Phase sollen die ersten Schiffe von Hamburg, Rostock, Kiel aus mit Gästen aus dem deutschsprachigen Raum an Bord starten können. Ohne einen anderen Hafen anzulaufen, sollen die Schiffe bereits nach maximal sieben Tagen wieder im Starthafen ankommen. Zudem werden deutlich weniger Passagiere mitfahren dürfen als üblich. Verbunden sind diese ersten Reisen mit umfangreichen Abstands- und Hygieneregeln an Bord. Außerdem sollen die Schiffe unter anderem Covid-19-Schnelltests anbieten. Wie Tui Cruises am Donnerstag mitteilte, starten vom 24. Juli an die sogenannten Blauen Reisen auf der Mein Schiff 2. Die drei- bis viertägigen Kurzreisen beginnen und enden in Hamburg und bestehen ausschließlich aus Seetagen. Vermarktet werden die Reisen als „Auszeit auf dem Meer“.

Lesen Sie auch

Auch Bremerhaven wird von der Clia als einer der Abfahrtshafen genannt. Die erste bislang geplante Reise fällt in die zweite Phase des Corona-Konzepts, in der ausländische Häfen wieder angefahren werden dürfen. Geplant ist eine zehntägige Tour mit Landgängen von Bremerhaven nach Großbritannien und zurück. Termin: 4. September. „Wir freuen uns alle sehr, dass es wieder losgeht“, sagt Veit Hürdler, Geschäftsführer des Columbus-Cruise-Center Bremerhaven (CCCB). Auch das Columbus-Cruise-Center Wismar (CCCW), Tochter des CCCB, soll im September wieder Passagiere abfertigen.

Es könne von Vorteil sein, dass die ersten Fahrten bis dahin bereits absolviert worden sind, sagt Hürdler. „Es sind Versuchsballons, die gestartet werden.“ Das bestätigt auch Ralf Meyer, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven, Gesellschaft für Touristik, Marketing und Veranstaltungen mbH und Leiter des Wirtschaftsreferats Bremerhaven. Die Kreuzfahrten, die im Juli und August ab Hamburg, Kiel und Rostock starten, seien auch dazu da, die entsprechenden Hygienekonzepte zu testen und gegebenenfalls nachzubessern.

Lesen Sie auch

Vor allem für die Hotellerie und Gastronomie seien die Kreuzfahrtpassagiere eine wichtige Klientel: „Rund 26 000 Übernachtungen pro Jahr sind den Kreuzfahrtgästen zuzurechnen.“ Insofern wertet Meyer als bedeutsames Signal für den Markt, dass Kreuzfahrtschiffe wieder in See stechen, wenngleich bis auf Weiteres in deutlich abgespeckter Form. „Die Branche muss zeigen, dass sie sich Gedanken gemacht hat und den Passagieren durch ihre Konzepte Sicherheit bieten kann.“ Auch Hürdler spricht von einem „wichtigen Zeichen nach außen, vor allem für potenzielle Fahrgäste“. In der dritten Phase des Konzepts sollen die Reedereien zu ihrer gewohnten Routengestaltung zurückkehren können.

Einen konkreten Zeitplan gab Clia dazu nicht bekannt. Von den Reedereien gibt es Pläne für einige Häfen: Tui Cruises wird am 24. Juli von Hamburg aus zur ersten Kurzkreuzfahrt in Richtung Norwegen starten. Hapag-Lloyd Cruises legt am 31. Juli in Hamburg in Richtung Dänische Südsee ab, und das Kreuzfahrtunternehmen Aida wird am 5. August von Hamburg aus in der Nordsee unterwegs sein. Den Reisen ist gemein, dass die Gäste vor ihrer Reise digitale Gesundheitsfragebögen ausfüllen müssen. Zudem wird es Temperaturmessungen, beschränkte Kapazitäten für Restaurants, Bars und Theater auf dem Schiff, Maskenpflicht in Fahrstühlen, Treppenhäusern und Kabinenfluren sowie eine Maximalauslastung von 60 Prozent geben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+