Columbuskaje Bremerhaven

Kreuzfahrtsaison 2019 in Bremerhaven kurz vor Beginn

Das Team des Columbus Cruise Center Bremerhaven (CCCB) sorgt für einen reibungslosen Ablauf am Kreuzfahrtterminal. Nun finden letzte Vorbereitungen für den Beginn der Kreuzfahrtsaison 2019 statt.
27.04.2019, 18:58
Lesedauer: 5 Min
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Von Ilias Subjanto
Kreuzfahrtsaison 2019 in Bremerhaven kurz vor Beginn

Die neue "Mein Schiff 2" lag am 29. Januar 2019 in Bremerhaven

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Die Columbuskaje in Bremerhaven an einem warmen Aprilnachmittag: Keine Menschenseele befindet sich auf dem 1000 Meter langen Schiffsanlegeplatz. Eine leichte Brise weht aus dem Norden, Möwen kreisen dort, wo normalerweise Kreuzfahrtschiffe vor Anker gehen. Drei Gangways führen aus dem fast 50 Jahre alten grauen Terminalgebäude zur Kaje – über diese Brücken besteigen und verlassen die Passagiere die Schiffe.

Noch vor wenigen Wochen war dieses Kai gesäumt mit Kränen, Gabelstaplern und Menschen. „Da hat die Meyer Werft die 'Spectrum of the Seas' an die US-Reederei Royal Caribbean übergeben“, sagt Andrea Kamjunke-Weber. Die Prokuristin des Columbus Cruise Center Bremerhaven (CCCB) sorgt mit ihrem zwölfköpfigen Team für einen reibungslosen Ablauf am Kreuzfahrtterminal. Nun finden letzte Vorbereitungen für den Beginn der Kreuzfahrtsaison 2019 statt; am 4. Mai legt frühmorgens die „Costa Mediterranea“ aus dem britischen Newcastle kommend an, um am späten Nachmittag nach Amsterdam weiterzuschippern.

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Immer wenn ein Schiff abzufertigen ist, verstärken bis zu 25 Fachkräfte das CCCB-Team. Die Stauerei ist dann besetzt, Facharbeiter bedienen Kräne und Gabelstapler, Sicherheitsdienst und Reinigungsfirma sind ebenfalls vor Ort.

"Nicht ganz ungefährlich"

Kreuzfahrtschiffe jeglicher Länge können an der Columbuskaje abfertigt werden. „Da wir einen Kilometer Kaje haben, können hier auch die größten Schiffe mit 350 Metern Länge anlegen“, so Kamjunke-Weber. Lediglich beim Tiefgang gebe es eine Einschränkung, die „Queen Mary 2“ könne zum Beispiel nicht am CCCB vor Anker gehen. Bis zu vier Kreuzfahrtschiffe können gleichzeitig an der Columbuskaje anlegen. Drei werden über die mobilen Hochstege bedient, das letzte Schiff nimmt dann eine Außenposition ein. Die Gäste werden in diesem Fall per Shuttlebus zum Terminalgebäude und zurück befördert. Die Kaje ist heute ein Sicherheitsbereich – die Zeiten, als die Passagiere die Kaje entlangspazieren konnten, sind lange vorbei. „Wenn sich hier die Kräne drehen und Stapler unterwegs sind, ist das nicht ganz ungefährlich“, sagt Kamjunke-Weber.

Dies gilt auch für den Bereich bei Meter 700, wo eine Bronzeplakette an ein königliches Ereignis von vor 60 Jahren erinnert: Elvis Presley, der „King of Rock 'n' Roll“, kam damals als Wehrpflichtiger auf dem Truppentransporter „General Randall“ in Bremerhaven an. „Ich bekomme immer wieder Anfragen von Interessierten, die die Gedenktafel besuchen möchten“, so die Prokuristin.

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Die 1924 erbaute Kaje soll nun ab Herbst 2020 erneuert werden, drei Jahre werden für die Sanierung veranschlagt. Geplant ist ebenfalls ein Neubau des sogenannten Mittelbaus des Kreuzfahrtterminals. Dieser wurde 1960 für Transatlantik-Kreuzfahrten errichtet und zwischen 2000 und 2003 umfassend saniert. Kamjunke-Weber sieht diesem Vorhaben erwartungsvoll entgegen: „Die Schiffe werden immer größer, also macht es Sinn, auch das Kreuzfahrtterminal zu vergrößern.“

Der für die Öffentlichkeit zugängliche Bereich des Terminalgebäudes erstreckt sich über drei Etagen: Unten die Check-in-Schalter und die Gepäckabfertigung, in der Mitte die Pass- und Sicherheitskontrollen, oben eine Zuschauergalerie. Ein bisschen sieht es im Kreuzfahrtterminal aus wie in einem Flughafen, bis auf die Tatsache, dass das Gebäude in der Saisonvorbeitungszeit fast menschenleer ist. Im Erdgeschoss gibt es Schalter von zwei Autovermietungen und einem Haus-zu-Haus-Gepäckservice für Passagiere, die ihre Koffer zu Hause abholen lassen möchten. Drei Mitarbeiter eines Bremerhavener Reinigungsunternehmen kommen auf Andrea Kamjunke-Weber zu, um sich abzumelden – sie seien mit ihrem Bereich komplett fertig geworden und möchten nun Feierabend machen. Die Prokuristin nickt zufrieden.

Wie ein Flughafenterminal

Etwa zweihundert Meter lang ist das Terminalgebäude, die Reinigungskräfte haben also einiges zu tun. „Derzeit gibt es sehr viel freie Fläche, aber wenn später die Schiffe kommen, steht hier alles voll mit Gepäck“, sagt Kamjunke-Weber. „Erstmal wird alles Gepäck vom Schiff runtergeladen. Wir haben das Ziel von neunzig Minuten, dann muss das Schiff morgens leer sein.“ Schiffe der TUI-Flotte kämen immer sehr früh am morgen, dann habe man bis 7.30 Uhr Zeit auszuladen, anschließend seien die Gäste mit dem Auschecken dran. Damit es keinen zu großen Andrang gibt, wird das Gepäck mit unterschiedlichen Labels versehen: Grün, rot und gelb. So werden schließlich Passagiere mit einer bestimmten Label-Farbe zuerst von Bord gelassen, dann kommen die nächsten Farben dran.

In der ersten Etage teilt das Café das Gebäude in zwei gleich große Hälften; es ist allerdings nur geöffnet, wenn Kreuzfahrtschiffe da sind. Auch diese Gebäudeebene gleicht einem Flughafenterminal. Es gibt einen Schalter der Touristeninformation, einen Parkautomaten und eine Röntgenstrecke. Auf Letzterer wird das zu verschiffende Gepäck untersucht und nach Vorschiff, Mittschiff, Achterschiff und nach Decks sortiert. Hinter dem Schalter zur Passkontrolle steht ein Scannergerät, mit dem das Handgepäck geröntgt wird.

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Die Zuschauergalerie befindet sich in der obersten Etage und kann jederzeit betreten werden. Dort bietet sich ein ausgezeichneter Blick auf die Wesermündung und die Wattinseln Langlütjen I und II. Am Horizont ist schemenhaft das Ufer der Halbinsel Butjadingen zu erkennen. Wenn Kreuzfahrtschiffe ablegen, ist dies der Ort, um den Reisenden zum Abschied hinterherzuwinken. Der „Panorama View“ erfreut sich immer größerer Beliebtheit, ist die Zahl der Schiffsanläufe am CCCB in den vergangenen Jahren doch stark gestiegen.

Allein in den vergangenen drei Jahren konnte das Kreuzfahrtterminal jeweils ein Plus von 50 Prozent verzeichnen. Hat es 2018 noch 108 Schiffsanläufe gegeben, sind es dieses Jahr bereits 115. Auch die Passagierzahlen werden sich von 238 000 im letzten Jahr auf voraussichtlich 260 000 im Jahr 2019 entwickeln. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahrzehnt bewegten sich die Passagierzahlen noch um die 70 000 im Jahr.

"Mir war noch nie langweilig"

Das Hauptgeschäft finde zwischen Mai und September statt, sagt Kamjunke-Weber, im Winter gebe es hier kaum Kreuzfahrt. Das liege an den Fahrtgebieten ab Bremerhaven: Skandinavien, Großbritannien und Island. Da wolle der kalten Jahreszeit natürlich niemand von Bremerhaven aus hinfahren. In die Zukunft blickt Kamjunke-Weber optimistisch. Zwar verfüge sie durch die geplante Kajensanierung über eingeschränkte Liegeplätze. Allerdings gebe es durchaus noch genügend Tage ohne Belegung, an denen Schiffe abgefertigt werden können.

Außerdem könne man eventuell Liegeplätze der Kajennachbarn zeitweise benutzen. Ziel sei es, während der Sanierung alles am Laufen zu halten und keine Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Grundsätzlich rechnet die Prokuristin mit einem weiterhin steigenden Trend in der Kreuzfahrt, auch weil weltweit über 125 neue Schiffe in den nächsten Jahren auf den Markt kommen. „Von denen werden auch einige hierher kommen“, ist sie sich sicher. Langweilig wird es ihr jedenfalls nicht werden: „Ich bin jetzt schon fast 20 Jahre hier, mir war noch nie langweilig.“

Einen Tipp für Schiffsinteressierte hat Kamjunke-Weber noch: Wer ein Kreuzfahrzschiff am CCCB besichtigen möchte, sollte sich bei der entsprechenden Reederei anmelden. Führungen finden immer um die Mittagszeit statt, wenn Gäste abgereist und bevor die neuen Passagiere an Bord gegangen sind.

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