Digitalisierung

Bremen investiert in Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz wird der Motor der Wirtschaft, glaubt Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt. Mit einer eigenen Strategie will das Land daher die KI in der Hansestadt fördern.
15.04.2021, 21:04
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremen investiert in Künstliche Intelligenz
Von Stefan Lakeband
Bremen investiert in Künstliche Intelligenz

Das Bremer Projekt Knowledge4Retail zeigt, wie Wissenschaft und Wirtschaft zusammenarbeiten können.

Christina Kuhaupt

Christoph Ranze nennt sich selbst ein gutes Beispiel. Vor mehr als 20 Jahren habe er an der Uni Bremen Informatik studiert. Aus einem Projekt heraus sei Encoway entstanden. Damals war es das, was man heute Start-up nennen würde. Aus der kleinen Firma ist mittlerweile ein gestandener Akteur der IT-Branche geworden; mehr als 200 Mitarbeiter hat Encoway.

Wenn es nach Ranze und der Bremer Politik geht, könnten viele Absolventen diesem Beispiel folgen: studieren, gründen, Arbeitsplätze schaffen. Um dieses Prinzip zu unterstützen, soll in Bremen eine Strategie für Künstliche Intelligenz (KI) umgesetzt werden. Wie die aussehen soll, haben Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) und Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) an diesem Donnerstag vorgestellt.

Lesen Sie auch

Ein Hauptanliegen der Bremen.KI genannten Strategie ist es, den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern. Dafür sollen physische Orte geschaffen werden, die sogenannten KI-Transferzentren. Eines soll an der Hochschule in Bremerhaven entstehen, das andere im Digital Hub Industry im Technologiepark. Letzteres wurde bereits vergangenen Sommer als der Ort vorgestellt, an dem Forschung und Unternehmen zusammenkommen und gemeinsam an IT-Projekten arbeiten sollen. Das Hub soll zudem in dem gleichen Gebäude sein, in dem auch die Econway nach Fertigstellung des Baus seine Zentrale verlagert. Vogt ist froh, dass es mit den Transferzentren nun physische Orte für den Austausch geben wird, und „nicht nur Netzwerke“. Hier sollen zudem Showrooms entstehen und Veranstaltungen stattfinden, die sich auch an die breite Öffentlichkeit wenden. Eine digitale Plattform soll zudem Forschungsaktivitäten, Weiterbildungen und Fördermaßnahmen bündeln.

Die KI-Bestrebungen fangen laut Wirtschaftssenatorin in Bremen nicht bei null an. Im Gegenteil: „Bremen ist bundesweit ein KI-Hotspot.“ Das werde aber nicht immer so wahrgenommen. Doch alleine das DFKI, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, beschäftige in Bremen rund 200 KI-Experten. Eine Zahl, die langfristig auf 350 steigen soll. Hinzu kommen die anderen Bereiche, in denen KI erforscht und genutzt wird. Der IT-Sektor sei die drittwichtigste Branche für Bremen. „In Bremen findet schon jetzt international anerkannte KI-Spitzenforschung statt“, ergänzt Wissenschaftssenatorin Schilling. Schon jetzt würden durch den Bremen-Fonds mehr als drei Millionen Euro für den Ausbau der KI-Forschung bereitgestellt werden. Die Bremen.KI-Strategie erhält bis Mitte nächsten Jahres 900.000 Euro aus dem Topf des Wirtschaftsressorts. Danach ist eine Finanzierung über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) geplant.

Lesen Sie auch

„KI ist der Motor der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts“, sagt Vogt. Daher sei es nun wichtig, dass Bremen in dieses Feld investiere und seine Stellung weiter ausbauen. Encoway-Gründer Ranze pflichtet ihr bei. Zu den Kunden des Unternehmens zählten vor allem Maschinenbauer. Die würde in ihrer Produktion viele Daten generieren und sammeln, etwa über smarte Maschinen und Bauteile. „Wir sehen aber auch, dass viele Firmen nicht wissen, wie sie diese Daten nutzen sollen.“ Technologie mithilfe von künstlicher Intelligenz könne dieses Problem lösen.

Ranze sieht die Förderung der Künstlichen Intelligenz auch als eine Investition in den gesamten IT-Standort Bremen. Denn wenn Bremens Ruf als KI-Hotspot ausgebaut werde, würde das auch Studierende anlocken. Und je mehr Absolventen es an der Universität und den Hochschule im Land Bremen gebe, desto besser sei das für die lokalen IT-Firmen. Wie auch im Rest Deutschlands gibt es in Bremen einen extremen Fachkräftemangel in den IT-Berufen. Aus einer Umfrage unter Bremer IT-Unternehmen im vergangenen Jahr ging hervor, dass mehr als 70 Prozent Probleme haben, offene Stellen zu besetzen; 40 Prozent haben nach eigenen Angaben auf Ausschreibungen auch schon mal keine einzige Bewerbung erhalten.

Ranze, Vogt und Schilling hoffen, dass künftige Umfragen erfreulichere Ergebnisse liefern – auch wegen der KI-Strategie. Im besten Fall blicken in 20 Jahren auch erfolgreiche Unternehmensgründer zurück und denken an ihr IT-Studium in Bremen.

Info

Zur Sache

Erfolgreiches Zusammenspiel

Wie Wissenschaft und Wirtschaft zusammenarbeiten können, zeigt das Projekt Knowledge4Retail, in dem unter anderem die Drogeriekette DM, das DFKI, die Uni Bremen und die Bremer IT-Firmen Ubimax und Team Neusta kooperieren. Ziel ist es, den stationären Einzelhandel mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Robotik zu stärken. Das Projektvolumen beträgt 13 Millionen Euro, ein Teil davon kommt durch eine Förderung des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. „Dies zeigt, wie die Forschung in die Unternehmen gebracht werden kann, und mit dem KI-Transfer-Zentrum werden wir diesen Transfer auf ein noch breiteres Fundament stellen“, sagt Michael Beetz, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz an der Universität Bremen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+