Deutsche Annington könnte in den Leitindex aufsteigen – die Folgen für Bremer Mieter sind noch nicht klar

Kurz vor Dax

„Von Mietwucher kann man da nicht sprechen.“ Kornelia Ahlring, Mieterverein Bremen Bremen·Bochum.
28.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Lakeband
Kurz vor Dax

Gut 150 Mieter der Deutschen Annington leben in der Sankt-Gotthard-Straße in Osterholz-Tenever.

Christina Kuhaupt

Der Deutschen Annington steht ein ganz großer Schritt bevor: Kommende Woche könnte die Wohnungsbaugesellschaft als erster Immobilienkonzern überhaupt Teil des Dax werden. Damit wird das Bochumer Unternehmen für seinen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg belohnt. Seitdem der Konzern 2013 an die Börse gegangen ist, ist der Wert der Aktie von 16 Euro auf zuletzt fast 29 Euro gestiegen.

Die Deutsche Annington ist seit Kurzem auch in Bremen vertreten. Die bisherige Bremische Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung & Wohnungsbau gehört seit 2014 zur Deutschen Annington Immobilien Gruppe. Der Konzern aus dem Ruhrgebiet hatte die Firmenmutter der Bremischen Gesellschaft übernommen, die Vitus-Gruppe. Durch den Zukauf gingen so allein in Bremen und Bremerhaven mehr als 10 000 Wohnungen in den Besitz der Deutschen Annington über.

Ob sich für die Bewohner dieser Wohnungen durch den möglichen Übergang in den deutschen Leitindex etwas ändern wird, ist noch unklar. „Über eine mögliche Aufnahme in den Dax werden wird uns erst in der kommenden Woche äußern“, sagt Bettina Benner, Sprecherin der Deutschen Annington. Klar ist aber, dass der Konzern durch die gestiegene Aufmerksamkeit im Dax in den Fokus weiterer Investoren rücken könnte, die sich an der Firma beteiligen.

Kornelia Ahlring, Geschäftsführerin beim Deutschen Mieterbund Mieterverein Bremen, ist – was die Deutsche Annington angeht – generell skeptisch. Dem Konzern haftet ein schlechtes Image an. Immer wieder hatte es Beschwerden der Mieter aus den bundesweit fast 350 000 Wohnungen gegeben. Dringende Sanierungen sollen beispielsweise immer wieder aufgeschoben worden sein, lautet einer der Vorwürfe. „In Bremen hat die Deutsche Annington erst zum 1. Januar wirklich angefangen“, sagt Ahlring. „Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, was da kommt.“ Erste Modernisierungen hätten aber bereits begonnen, etwa in der Poelzigstraße in Peterswerder. Auch Bewohner von Annington-Wohnungen in der Sankt-Gotthard-Straße seien bereits über verschiedene Baumaßnahmen informiert worden – zusammen mit dem Hinweis, dass sich die Miete erhöhen wird. „Für viele Bewohner war das ein Schock“, sagt Ahlring. Doch die Mieterhöhungen hätten alle im gesetzlichen Rahmen gelegen. „Von Mietwucher kann man da nicht sprechen.“ Nach eigenen Angaben saniert der Konzern etwa

300 Wohnungen mit einer Wohnfläche von 19 000 Quadratmetern. Insgesamt will die Deutsche Annington acht Millionen Euro in seine Bremer Immobilien stecken.

Dass viele Mieter einen Schock bekommen, das könnte in Zukunft öfter passieren. Sollte die Deutsche Annington in den Dax aufgenommen werden, müsste der Konzern weiterhin gut Zahlen vorlegen, um auch nachhaltig Teil des Leitindex zu bleiben. Das geht aber nur durch Wachstum. In den vergangenen Jahren ist das vor allem durch Zukauf von Wohnungen passiert, wie etwa durch die Übernahme der Vitus-Gruppe oder der Gagfah im März dieses Jahres. Experten schätzen den Markt aber als begrenzt ein; Möglichkeiten fürs Wachstum sehen sie entweder in der Übernahme von Konkurrenten oder durch weitere Investitionen in den Bestand – um so eine Möglichkeit zu haben, die Mieten zu erhöhen.

Problematisch könnte für den Bochumer Konzern zudem die geplante Heuschreckensteuer in Bremen werden. Sie sieht vor, dass Immobilienkonzerne mit 100 oder 150 zusammenhängenden Wohneinheiten mehr Grunderwerbssteuer zahlen sollen. Von 5,5 Prozent könnte der Satz auf 19 Prozent steigen. Anlass für die Pläne ist der Ankauf von etwa 600 Wohnungen im sozialen Brennpunkt „Grohner Düne“ in Bremen-Nord durch den Konzern Grand City Property. Solche Geschäfte sollen durch die Heuschreckensteuer unattraktiver werden. „Wir reden hier über einen massiven Eingriff ins Eigentumsrecht“, sagte Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Annington, am Mittwoch im „Handelsblatt“. Man müsse zudem gucken, ob so ein Gesetz verfassungsrechtlich überhaupt passe.

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