Weltwirtschaftsforum Lagarde: Keine gefährliche Lohn-Preis-Spirale im Euroraum

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, geht weiter davon aus, dass die Teuerungsrate 2022 wieder sinken wird. Ihr Ausblick sei allerdings „mit großer Unsicherheit“ behaftet.
21.01.2022, 15:41
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Europas Währungshüter gehen weiterhin von sinkenden Teuerungsraten im laufenden Jahr aus. Allerdings sei der Ausblick „mit großer Unsicherheit behaftet“.

Das sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, am Freitag bei einer Online-Veranstaltung des Weltwirtschaftsforums Davos.

In den vergangenen Monaten haben die Inflationsraten kräftig angezogen. In Deutschland lagen die Verbraucherpreise im Dezember um 5,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit kletterte die Teuerungsrate in Europas größter Volkswirtschaft auf den höchsten Stand seit Juni 1992. Im Euroraum lag die Inflation im Dezember bei 5,0 Prozent und damit so hoch wie noch nie seit der Euro-Einführung. Vor allem der starke Anstieg der Energiepreise sowie Lieferengpässe heizten die Teuerung an.

Inflationsentwicklung

Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro weniger kaufen können als zuvor. Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer ultralockeren Geldpolitik inklusive milliardenschwerer Anleihenkäufe die Teuerung noch anzuheizen. Die Notenbank strebt im gemeinsamen Währungsraum ein stabiles Preisniveau bei einer jährlichen Teuerungsrate von 2 Prozent an und ist zumindest zeitweise bereit zu akzeptieren, dass diese Marke moderat über- oder unterschritten wird.

Eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale, die die Inflation dauerhaft nach oben treiben könnte, sieht die EZB bislang nicht, wie Lagarde bekräftigte. Zumindest im Moment gebe es keine Anzeichen, dass die Inflationsentwicklung dadurch außer Kontrolle geraten könnte. „Im Gegenteil: Wir gehen davon aus, dass sich die Energiepreise im Laufe des Jahres 2022 stabilisieren werden (...) und dann werden die Inflationsraten allmählich zurückgehen“, sagte Lagarde.

Einer baldigen Zinserhöhung im Euroraum hatte die EZB-Präsidentin wiederholt eine Absage erteilt. „Wir werden in ein paar Monaten neue Projektionen haben. Diese könnten anders aussehen, und zu diesem Zeitpunkt werden wir uns unseren Fahrplan ansehen müssen“, sagte Lagarde nun mit Blick auf die für März erwarteten neuen Prognosen der Notenbank zur Entwicklung von Inflation und Konjunktur im Euroraum. Lagarde betonte mit Blick auf das Inflationsziel der Notenbank: „Wir werden handeln, sobald die Kriterien erfüllt sind, aber im Moment sind sie nicht erfüllt.“

© dpa-infocom, dpa:220121-99-800399/3

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+