19. EU-Mitglied tritt dem Euro bei und rechnet mit wirtschaftlicher Stabilität Litauen hofft auf den Wohlstand

Die Eurozone ist ein Stück größer geworden. Zum Jahreswechsel hat Litauen seine Währung Litas gegen den Euro getauscht – aus Sicht der Regierung ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche und politische Sicherheit des Landes.
02.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von MIRJAM MOLLUND ALEXANDER WELSCHER

Die Eurozone ist ein Stück größer geworden. Zum Jahreswechsel hat Litauen seine Währung Litas gegen den Euro getauscht – aus Sicht der Regierung ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche und politische Sicherheit des Landes.

Mit dem neuen Jahr hat auch Litauen den Euro begrüßt. Um Mitternacht wurde der kleine Baltenstaat zum Euroland – als 19. Mitglied der Währungsunion und drittes baltisches Land. Der Euro-Start in der Ostseerepublik verlief nach Angaben der Zentralbank in Vilnius reibungslos. Zusammen mit den knapp drei Millionen Litauern zahlen nun 337 Millionen Europäer mit derselben Währung.

„Der Euro wird die Garantie für unsere wirtschaftliche und politische Sicherheit sein“, sagte Ministerpräsident Algirdas Butkevicius, bevor er wenige Minuten nach Mitternacht in der Hauptstadt Vilnius den ersten Euro-Schein aus einem Bankautomaten zog. Staatschefin Dalia Grybauskaite betonte in ihrer Neujahrsansprache, mit dem Euro habe Litauen nun die Möglichkeit, sich „zu entwickeln und zu wachsen als moderner europäischer Staat.“

Schon 2007 hatte die Regierung in Vilnius einen ersten Versuch gestartet, den Litas durch die Gemeinschaftswährung zu ersetzen. Doch eine überhöhte Inflationsrate im Zuge der Finanzkrise verhinderte die frühere Aufnahme. Das Warten hat sich nun aber gelohnt: Heute beträgt Litauens Inflationsrate nur noch 1,2 Prozent, mit einem Defizit von 2,6 Prozent und einer Staatsverschuldung von nur 39 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gilt das Land als Musterschüler der EU. Nicht einmal Deutschland, das sich derzeit mit einer schwarzen Null rühmt, kommt auf eine so niedrige Staatsverschuldung. Im Sommer hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) grünes Licht für die Aufnahme Litauens gegeben.

Angesichts der Ukrainekrise und des russischen Importverbots für westliche Lebensmittel bekommt der Euro für Litauen eine neue Bedeutung. Für Präsidentin Grybauskaite zeigt er „symbolisch die letzte Etappe unserer Integration in die EU und auch Sicherheit“ an. Die Bevölkerung scheint ihre anfängliche Euroskepsis mehrheitlich überwunden zu haben. In der letzten Eurobarometer-Umfrage waren 63 Prozent für einen Beitritt zur europäischen Währungsunion – 13 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. „Der Euro ist gut für uns. Er hilft der Wirtschaft und erhöht das Sicherheitsgefühl“, meinte Sigitas Narusevicius, der bei kühlem Wetter die Euro-Zeremonie mitverfolgte. Mehrere weitere Schaulustige äußerten sich ähnlich.

Andere Litauer wiederum verspüren Wehmut und die Sorge, mit dem Litas ein wichtiges Symbol der staatlichen Eigenständigkeit zu verlieren. Zum Abschied errichteten zwei Studenten im Geldmuseum in Vilnius aus einer Million Ein-Centas-Geldstücken – der kleinsten Münze der bisherigen Währung – eine 113 Zentimeter hohe und 831 Kilogramm schwere Pyramide. „Das Museum hat regen Zulauf erhalten in den letzten Wochen – viele wollen einen Blick darauf werfen“, berichtete Vita Berziunaite. Die Museumsmitarbeiterin selbst blickt der neuen Währung positiv entgegen. Der Euro sei wirtschaftlich vorteilhaft für ihr Heimatland, allerdings befürchtet sie Preissteigerungen.

Damit ist sie nicht allein: Im Herbst erwarteten einer Umfrage zufolge 84 Prozent der Litauer, dass mit dem Wechsel die Preise nach oben gehen werden. Um der Bevölkerung die Angst vor einem „Teuro“ zu nehmen, müssen deshalb in den Geschäften die Preise bis Ende Juni in Litas und Euro ausgewiesen werden. Zudem gibt es Preiskontrollen. Auch das Motiv der Euro-Münzen soll es den Litauern erleichtern, die neue Währung anzunehmen. Es zeigt „Vytis“, einen Ritter mit Schwert und Schild, der auch das Staatswappen ziert und seit Jahrhunderten als nationale Symbolfigur gilt. Für Robertas Lukauskis hat dies keine große Bedeutung. „Es wird alles gleich bleiben, wir bekommen nur ein anderes Geld“, sagte der Forstarbeiter. Auch die Kellnerin Paulina Juknyte betonte: „Wir haben der Euro-Einführung doch schon vor Längerem zugestimmt. Um ein Teil von Europa zu sein, müssen wir dem nun gerecht werden.“

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