Luftfahrtkonferenz

Lufthansa will Staatshilfen schnell zurückzahlen

Angela Merkel fordert von der Flugbranche einen baldigen Umstieg auf saubere Energien. Die Branche hofft auf eine langsame Erholung.
18.06.2021, 15:44
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Von Wolfgang Mulke
Lufthansa will Staatshilfen schnell zurückzahlen

Bei der Konferenz geht es um die Wiederbelebung der Luftverkehrsbranche nach der Pandemie sowie um Zukunftsthemen der Branche wie Klima- und Umweltschutz.

Soeren Stache/dpa

Die Lufthansa will die Staatshilfe während der Corona-Krise schnell wieder zurückzahlen. "Wir wollen eines der ersten Unternehmen sein, dass die Hilfe zurückzahlt", kündigt Vorstandschef Carsten Spohr auf einer Luftfahrtkonferenz an. Dies könne noch vor der Wahl der Fall sein. Das Unternehmen musste nach dem nahezu vollständigen Einbruch der Luftfahrt im vergangenen Jahr mit Hilfsmilliarden über Wasser gehalten werden. Zwei Milliarden Euro nahm die Airline in Anspruch, die Hälfte ist bereits getilgt. 

Mit einer Kapitalerhöhung will Spohr nun auch den Rest zurückzahlen. Dahinter steht auch der Wunsch nach mehr Freiheiten. Denn die Bundesbeteiligung sieht auch Beschränkungen bei den Bonuszahlungen, den Dividenden oder den Zinsen für Unternehmensanleihen vor. Um wieder auf die Beine zu kommen, will die Gesellschaft Tausende weiterer Stellen abbauen. Danach werden wohl noch 100.000 Beschäftigte auf der Gehaltsliste stehen.

Lufthansa will Staatshilfen schnell zurückzahlen

Die nächste schwierige Aufgabe schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Vorstand öffentlich ins Aufgabenbuch. "Die Dekarbonisierung aller Bereiche duldet keinen Aufschub mehr", stellte Merkel klar. So bald wie möglich müsse die Luftfahrt neue Antriebstechnologien nutzen, hybridelektrisch und später mit Wasserstoff fliegen. Auch nachhaltiges Kerosin müsse bald eingesetzt werden. 

Die Probleme damit sind der Kanzlerin allerdings bewusst. "Derzeit lassen Preise und Menge noch zu wünsche übrig", räumt sie ein. Spohr zufolge kosten klimaneutrale Treibstoffe derzeit zehnmal so viel wie herkömmliches Kerosin. "Das werden wir ohne den Staat nicht schaffen", sagt der Lufthansa-Chef. Darauf wollte sich die scheidende Kanzlerin nicht einlassen. Sie hofft vielmehr auf sinkende Preise für den klimaneutralen Sprit. 

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Immerhin hat die Luftfahrtindustrie das Tal durchschritten. Die großen Hersteller wie Airbus oder der Triebwerkshersteller MTU sind vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Mit 850.000 Beschäftigten in Deutschland ist die Sparte insgesamt auch ein wichtiger Arbeitgeber. Doch viele Jobs, etwa an den Flughäfen sind verloren gegangen, wie die Gewerkschaft Verdi beklagt. So hätten 44 Prozent der Beschäftigten beim Bodenpersonal aufgehört, erläutert Verdi-Luftfahrtexpertin Mira Neumaier. Branchenweit seien es 16 Prozent. Dass die Industrie darunter weniger leidet, liegt vor allem am internationalen Luftverkehr. In China und den USA hat der Flugverkehr inzwischen wieder das Niveau vor der Krise erreicht. Das bedeutet auch eine Nachfrage nach neuen Maschinen.

Hierzulande fehlen jedoch weiterhin die Passagiere. Aktuell liegt das Minus im Vergleich zu 2019 noch bei 80 Prozent. Nur im touristischen Geschäft kehren die Reisenden allmählich zurück. Geschäftsreisen finden dagegen weiterhin nicht statt. Nun hoffen die Unternehmen auf baldige Reiseerleichterungen, insbesondere auf den Fernstrecken über den Atlantik. 

Einschränkungen auf Kurzstrecken erteilt die Bundesregierung eine Absage. Auch müssen sich die Reisenden wohl nicht auf höhere Gebühren für die Nutzung der Flughäfen einstellen. Die ersten Billigtickets, etwa von Easyjet, sind längst wieder im Angebot. Auch macht die Lufthansa mit der neuen Tochter Eurowings Discover auf Langstrecken mit günstigen Angeboten dem Ferienflieger Condor bald Konkurrenz. Das ist Verkehrsminister Andreas Scheuer ganz recht. "Flugtickets sollen weiterhin für alle bezahlbar bleiben", fordert der CSU-Politiker. 

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