Osterholz-Scharmbeck

Luft- und Raumfahrtunternehmen suchen Spezialisten fürs All

Alexander Gerst war Kommandant der Internationalen Raumstation ISS. Am Donnerstag hat er einen Vortrag beim Luft- und Raumfahrttag in Osterholz-Scharmbeck gehalten. Unternehmen der Branche haben dabei nach neuen Mitarbeitern gesucht.
13.06.2019, 20:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Jean-Pierre Fellmer
Luft- und Raumfahrtunternehmen suchen Spezialisten fürs All

Der ESA-Astronaut Alexander Gerst blickt während seines Fluges mit der Internationalen Raumstation ISS durch ein Fenster in der Kuppel auf die Erde.

NASA/DPA

392 Tage war der Mann im Weltraum. Kein Platz in der Stadthalle ist noch frei, trotzdem sind die Zuhörer still: Sie hängen an den Lippen des Esa-Astronauten Alexander Gerst. Er erzählt von seinen Missionen auf der Internationalen Raumstation ISS, von den Experimenten im All und dem Blick auf die Erde. Aber damit Astronauten ihren Job machen können, braucht es auch Ingenieure und Wissenschaftler, die die Raketen und Satelliten bauen. Die haben die Unternehmen beim Tag der Luft- und Raumfahrt am Donnerstag in Osterholz-Scharmbeck gesucht.

„Für 2019 sind alle Ausbildungsplätze belegt“, sagt Maren Wellnitz, Ausbilderin bei Airbus. Ab dem ersten Juli könnten sich Interessierte wieder für technische oder kaufmännische Berufe für das Jahr 2020 bewerben. 25 bis 30 Plätze im dualen Studium und etwa 120 Ausbildungsplätze würden dann im technischen, aber auch kaufmännischen Bereich frei. Mehrere Besucher mit bereits abgeschlossener Ausbildung seien aber auch an einem Job interessiert gewesen. Wellnitz verwies sie auf das Online-Bewerbungsverfahren – sie sei nur für die Ausbildung zuständig.

Vor 30 Jahren hat sie selbst eine Ausbildung bei Airbus gemacht. „Es ist leicht, sich für die Luft- und Raumfahrt zu begeistern.“ Wer eine Ausbildung bei Airbus machen wolle, müsse nicht nur gute Noten mitbringen, sondern auch die Fähigkeit im Team zu arbeiten. Die MINT-Fächer seien wichtig, sagt Wellnitz. „Aber auch Englisch-Kenntnisse, Airbus ist ein internationales Unternehmen.“

MINT – das ist die Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Katja Cullmann ist Lehrerin und koordiniert diese Fächer am Ökumenischen Gymnasium zu Bremen. Der Satellitenbauer OHB und das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) haben sie und ihre Schüler zu der Messe eingeladen. „Bei uns gibt es die Gelegenheit, ab der zehnten Klasse zusätzlich zur Physik auch Luft-und-Raumfahrt-Unterricht zu wählen.“ Am Ausstellungstisch des Gymnasiums stellen Schüler ihre Projekte vor, etwa selbstgebaute Marsroboter. Aber die Schüler sind nicht nur da, um ihre Fähigkeiten zu zeigen: „Das Angebot hier ist super, um Kontakt zu den Unternehmen knüpfen.“

Eine wachsende Branche

„25 Aussteller sind heute hier, 15 davon suchen händeringend nach Auszubildenden und neuen Mitarbeitern“, sagt Andreas Mattfeldt, CDU-Bundestagsabgeordneter für die Landkreise Osterholz und Verden. Die Branche schaffe gut bezahlte Arbeitsplätze, sagt Mattfeldt. Laut Internetseite der Stadt Bremen arbeiten hier etwa 12.000 Menschen. Und die Branche wächst.

Nicht auf der Suche nach Azubis, sondern nach ausgelernten Mitarbeitern ist das Unternehmen Advanced Space Technologies (AST). Das junge Raumfahrtunternehmen ist an der Produktion von Satelliten beteiligt und hat die Zahl seiner Mitarbeiter im vergangenen Jahr auf 35 verdoppelt. Trotzdem sind noch acht, neun Stellen zu vergeben: „Wir suchen Fräser, Dreher, Mitarbeiter in der Produktion – also die ganz klassischen Ausbildungsberufe“, sagt Nils Hildebrand, Entwicklungs-Ingenieur bei AST. „Technische Mitarbeiter gibt es derzeit nicht, gefühlt studieren alle.“

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Das Unternehmen EIS-Electronics präsentiert sich am Stand nebenan, es stellt Kabelbündel und elektronische Komponenten her. „Unsere Kabel sind zum Beispiel in Satelliten oder in der Ariane 5 verbaut“, sagt Personalentwicklerin Dörte Etzrodt. Auch dieses Unternehmen sucht Mitarbeiter: Auszubildende als Fachkraft für Lagerlogistik oder Industriekaufmänner und -frauen, aber auch Projektleiter und Qualitätsprüfer. Aber auch Floristen, Friseure oder Zahntechniker können über das Unternehmen in die Branche quer einsteigen. „Wegen der hohen Qualitätsstandards produzieren wir die Kabelbündel noch von Hand“, sagt Etzrodt. „Daher suchen wir Frauen und Männer mit ruhigen Händen.“

Keine Probleme Auszubildende zu finden

„Wir haben keine Probleme, Auszubildende zu finden“, sagt Ulrich Uffelmann, Ausbildungsleiter bei OHB. Das liegt wohl daran, dass OHB bekannt ist – wofür der Satellitenbauer auch einiges tut: „Wir gehen an die Schulen und bieten Besichtigungen in unserem Unternehmen an.“ Das zahle sich aus: Manche Bewerber hätten schon zu Schulzeiten ein Praktikum gemacht.

OHB lege viel Wert auf die Ausbildung – auch wegen des Fachkräftemangels, sagt sein Kollege Hartmut H. Claus, stellvertretender Ausbildungsleiter: „Der Markt ist abgegrast.“ Nicht nur die Luft-und- Raumfahrtbranche suchen dringend Fachkräfte. Und der Bedarf sei hoch: In den ersten drei Monaten habe das Unternehmen alleine in Bremen 100 neue Mitarbeiter eingestellt. Laut OHB-Pressesprecher Günther Hörbst liegt die Knappheit nicht an Bremen: „Die Stadt ist ein attraktiver Standort. Bremen ist besser als sein Ruf.“

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