Luftverkehr Lufthansa rutscht im Krisenjahr in rote Zahlen

Frankfurt/Main. Die Deutsche Lufthansa kann sich der weltweiten Krise der Airlines nicht entziehen. Erstmals seit sechs Jahren rutschte Europas größte Fluggesellschaft vergangenes Jahr wieder in die roten Zahlen.
02.03.2010, 17:10
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Frankfurt/Main. Die Deutsche Lufthansa kann sich der weltweiten Krise der Airlines nicht entziehen. Erstmals seit sechs Jahren rutschte Europas größte Fluggesellschaft vergangenes Jahr wieder in die roten Zahlen.

Unter dem Strich stand einen Verlust von 112 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Im Vorjahr war trotz der Wirtschaftskrise noch ein Gewinn in Höhe von 542 Millionen Euro erzielt worden. Zuletzt hatte die Lufthansa in Folge der Passagierrückgänge nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 im Jahr 2003 Verluste geschrieben.

Der Umsatz sank 2009 um rund zehn Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Damit wurde der rasante Umsatzanstieg der vergangenen Jahre, der auch durch Zukäufe im Ausland getrieben war, vorerst gestoppt. Operativ - einer von Lufthansa selbst definierten Größe zur Leistungsmessung - erzielte das Unternehmen noch einen Gewinn von 130 Millionen Euro. Damit wurde das von Konzernchef Wolfgang Mayrhuber ausgegebene Ziel erreicht. Der Wert betrug aber nur noch ein Zehntel des operativen Vorjahresergebnisses von 1,3 Milliarden Euro.

Nach Einschätzung der internationalen Luftfahrtvereinigung IATA war der Nachfrageeinbruch in der Luftfahrtbranche 2009 der stärkste seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Unternehmen müssten sich auch im laufenden Jahr auf Verluste von zusammen knapp vier Milliarden Euro einstellen.

Analysten hatten mit einem schlechteren operativen Ergebnis bei Lufthansa gerechnet. Daher zog das Unternehmen die Veröffentlichung der Daten um gut eine Woche vor. Die Lufthansa-Aktie legte bis zum Nachmittag um 3,5 Prozent auf rund 11,50 Euro zu und stand damit an der Spitze aller Werte im Börsenbarometer Dax. Die Einzelheiten des Jahresabschlusses will Lufthansa bei der Jahres-Bilanz am 11. März veröffentlichen. Der Vorstand schlug aber bereits vor, für das Jahr 2009 keine Dividende zu zahlen. Im Vorjahr waren noch 0,70 Euro pro Aktie ausgeschüttet worden.

Zurzeit stehen bei der Lufthansa eine Reihe von Tarifkonflikten an. Einer der Streitpunkte ist das aktuelle Sparprogramm «Climb 2011», mit dem die jährlichen Kosten im Passagierbereich bis Ende 2011 um jährlich eine Milliarde Euro sinken sollen.

Die Gewerkschaft Verdi erklärte nach einer ersten Gesprächsrunde, sie lehne das Ansinnen des Managements ab, die Personalkosten um rund zehn Prozent zu senken. Eine eigene Gehaltsforderung nannte Verdi nicht. Sie wolle Arbeitsplatzsicherung und Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt der Verhandlungen für rund 50 000 Mitarbeiter am Boden und in der Kabine stellen.

Ein eintägiger Streik der Piloten, die von der Vereinigung Cockpit vertreten werden, hatte in der vergangenen Woche zu massiven Flugausfällen geführt. Erst vor dem Arbeitsgericht einigten sich beide Parteien auf die Wiederaufnahme von Gesprächen. Parallel gibt es auch Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft UFO, die bereits mit Warnstreiks der 16 000 Flugbegleiter drohte.

Die Lufthansa erlebt derzeit den massiven Konkurrenzdruck von Billigfliegern und steht im innereuropäischen Verkehr unter großem Kostendruck. Zudem halten sich auch nach dem Abflauen der Wirtschaftskrise Geschäftsreisende bei der Buchung der besonders ertragreichen Business- und First-Class-Tickets zurück und setzen sich stattdessen in die Economy-Class. Probleme bereiten auch die Zukäufe der Austrian Airlines (AUA) und der britische BMI, die nach früheren Prognosen auch im vierten Quartal Verluste eingeflogen haben dürften.

Die Personalkosten zählen neben Gebühren etwa für Flughäfen und Flugsicherung sowie dem Treibstoff zu den größten Kostenblöcken der Lufthansa. Mit zuletzt rund 80 Dollar pro Barrel drückt der Ölpreis auf die Gewinne. Sorgen bereitet dem Unternehmen auch der Bereich Luftfracht, wo in diesem Jahr rund zehn Prozent der 4500 Stellen gestrichen werden sollen.

Auch zum Jahresauftakt zeichnete sich noch keine Trendwende ab. So gingen die Passagierzahlen im Januar im Bereich Lufthansa Passage im Jahresvergleich um ein Prozent auf 3,7 Millionen zurück. Rechnet man die Zukäufe mit, stieg die Zahl der konzernweit geflogenen Passagiere allerdings kräftig um 23,6 Prozent auf 5,9 Millionen. (dpa)

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