Starke Konkurrenz und ausbleibender Gewinn zwingen größte deutsche Airline zum Rückzug aus der Wüste Lufthansa streicht Abu-Dhabi-Flüge

Schon lange setzen asiatische und arabische Fluglinien Lufthansa und Co. unter Druck. Jetzt verliert die Kranichlinie die Geduld mit der unwirtschaftlichen Strecke nach Abu Dhabi – und streicht zum kommenden Sommer alle Flüge in die Wüstenmetropole.
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Von STEFFEN WEYER

Schon lange setzen asiatische und arabische Fluglinien Lufthansa und Co. unter Druck. Jetzt verliert die Kranichlinie die Geduld mit der unwirtschaftlichen Strecke nach Abu Dhabi – und streicht zum kommenden Sommer alle Flüge in die Wüstenmetropole.

. Seit Jahren versucht die Lufthansa in der Golfregion einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Sieben Mal pro Woche fliegt die Airline bislang aus Deutschland nach Abu Dhabi, 13 Mal wöchentlich in die Nachbarmetropole Dubai. Auch Kuwait und Riad stehen derzeit auf dem Flugplan.

Insidern zufolge waren die Flüge nach Abu Dhabi schon immer ein schwieriges Geschäft – nicht erst seit der Expansion von Etihad Airways und deren Einstieg bei Air Berlin. Der Konkurrenzkampf mit den staatlich geförderten Fluglinien vom Persischen Golf werde immer härter, heißt es bei der Lufthansa. Seit Jahren setzen asiatische und arabische Fluglinien mit neuen Maschinen und üppigem Service die einstigen Staatsfluglinien Europas unter Druck. Am Persischen Golf punktet neben Etihad und Qatar Airways vor allem die in Dubai ansässige Emirates seit einiger Zeit gegen den Kranich.

Lufthansa wiederum kämpft nicht nur mit hohen Kosten, sondern auch mit stärkeren Hürden in der Heimat: Ein Nachtflugverbot wie in Frankfurt oder gar eine Ticketsteuer wäre an den Flughäfen in der Wüste kaum denkbar. Und Vorstandschef Carsten Spohr hat keine Lust mehr, bei den Flügen Geld draufzulegen. Zu niedrig sind die Preise, die die Lufthansa für den sechs oder sieben Stunden dauernden Flug bei ihren Kunden durchsetzen kann.

„Infolge massiver Überkapazitäten wurde die Strecke Frankfurt-Abu Dhabi für Lufthansa immer unwirtschaftlicher“, sagt Konzernsprecher Boris Ogursky.

Die drei durchweg staatlichen arabischen Fluglinien haben zwar keinen großen Heimatmarkt, doch an ihren Drehkreuzen treffen ihre Flüge aus Asien und Europa zusammen – und das praktisch rund um die Uhr. Während Emirates mit rund 230 eigenen Flugzeugen weitgehend eigenständig arbeitet, hat sich Qatar Airways dem Luftfahrtbündnis Oneworld um British Airways angeschlossen. Etihad hat sich bei schwächelnden anderen Airlines eingekauft – und hält mit dreistelligen Millionensummen die defizitäre Air Berlin am Leben. Noch ist die Etihad-Flotte mit gut 70 Maschinen etwa halb so groß wie die ihres deutschen Partners. Doch neue Flugzeuge sind bestellt, in wenigen Jahren will sie Air Berlin überholt haben.

Wichtiger als das fliegende Gerät ist aber der strategische Vorteil des Investments. Denn die zweitgrößte deutsche Fluglinie verschafft ihrem arabischen Partner den Zugang zu deutschen Flughäfen, den diese wegen der staatlichen Regulierungspraxis nicht alle selbst anfliegen dürfte. Der Lufthansa ist das seit Langem ein Dorn im Auge, in Berlin dringt sie auf eine stärkere Beschränkung der arabischen Konkurrenz. Vergangene Woche untersagte das Luftfahrt-Bundesamt nun gleich reihenweise Kooperationsflüge von Etihad und Air Berlin – darunter 14 der 49 wöchentlichen Verbindungen nach Abu Dhabi.

Statt die Sektgläser auszupacken, zieht sich die Lufthansa nun aus der Stadt am Golf zurück. Mit jeder aus Deutschland gestrichenen Strecke schwänden hierzulande Arbeitsplätze in der Branche, lässt Sprecher Ogursky wissen. Doch als Lufthansa-Flugziel ohne Anschlussverbindung war Abu Dhabi ohnehin nur beschränkt interessant. Für Etihad ist es dagegen das Tor zur Welt. Von ihrem eigenen Drehkreuz aus starten die Flieger zu über 100 Destinationen in mehr als 60 Staaten in Asien, Afrika, Amerika und Australien. Ab Dezember soll auch aus Stuttgart täglich eine Air-Berlin-Maschine nach Abu Dhabi abheben. Ob die Gesellschaft damit Geld verdient, bleibt offen. Das Ziel schwarzer Zahlen hat Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer längst auf das Jahr 2016 verschoben.

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