Luftverkehr Lufthansa will sich in Gewinnzone zurücksparen

Frankfurt/Main. Nach dem ersten Verlustjahr seit 2003 will sich die Lufthansa in die Gewinnzone zurücksparen. Der Vorstand des Dax-Unternehmens kündigte am Donnerstag in Frankfurt Einsparungen in allen Bereichen an.
11.03.2010, 14:41
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Frankfurt/Main. Nach dem ersten Verlustjahr seit 2003 will sich die Lufthansa in die Gewinnzone zurücksparen. Der Vorstand des Dax-Unternehmens kündigte am Donnerstag in Frankfurt Einsparungen in allen Bereichen an.

«Bei den Kosten ist noch Luft», erklärte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. So sollen Beschäftigte flexibler arbeiten, die verschiedenen Konzerntöchter enger verzahnt werden und bestellte Flugzeuge später in Dienst kommen. Unwägbarkeiten auf dem Konsolidierungskurs sind unter anderem die höheren Treibstoffpreise, steigende Gebühren, wachsende Zinslasten und der ungewisse Ausgang der Tarifkonflikte im Unternehmen.

2010 sei nur mit einer langsamen Aufwärtsentwicklung im Luftfahrtgeschäft zu rechnen, erklärte der Chef der größten europäische Fluggesellschaft. Umsatz und operativer Gewinn sollen zulegen, ohne dass Mayrhuber konkrete Ziele nannte. Ein deutlich besseres Ergebnis erwartet der Vorstand erst für 2011. Daran ändere auch die leicht positivere Prognose der Internationalen Luftfahrtorganisation (IATA) nichts.

Vor einer Woche hatte der Dax-Konzern berichtet, dass er im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009 erstmals seit 2003 in die roten Zahlen gerutscht ist. Unter dem Strich stand ein Verlust von 112 Millionen Euro bei einem um mehr als 10 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz. Ein Jahr zuvor hatte die Airline noch einen Konzerngewinn von 542 Millionen Euro ausgewiesen. Den selbst definierten operativen Gewinn bezifferte Lufthansa für 2009 auf 130 Millionen Euro - gerade noch 10 Prozent vom Vorjahreswert. Eine Dividende für die Aktionäre soll es nicht geben. Weitere Zukäufe seien nicht geplant.

In den laufenden Tarifverhandlungen mit den Piloten hoffe er auf eine vernünftige Lösung, sagte Mayrhuber. Lufthansa könne sichere Arbeitsplätze und Perspektiven durch unternehmerischen Erfolg bieten. Die Kosten des eintägigen Pilotenstreiks im Februar bezifferte der Vorstandschef auf rund 50 Millionen Euro. Er verteidigte die Anhebung der fixen Vorstandsbezüge zum Krisenjahr 2009. Sie lägen ohnehin am unteren Ende der Dax-Konzerne und seien bereits im September 2008 beschlossen worden. Unter dem Strich hätten die Lufthansa-Vorstände wegen der flexiblen Anteile weniger verdient als im Rekordjahr 2008. Bei der Lufthansa verhandeln auch Boden- und Kabinenpersonal um neue Tarife.

In seinem Kerngeschäft hat der Konzern im vergangenen Jahr nur Verluste eingeflogen. Sowohl bei der Fracht (-171 Millionen Euro) als auch im Passagiergeschäft (-8 Mio) machte die Kranich-Linie Verluste. Lediglich die Konzerntöchter Swiss und der Billigflieger Germanwings brachten positive Beiträge. Geld verdiente die Lufthansa mit ihren Serviceleistungen wie Technik, Catering und IT-Dienstleistungen. Man sei im Vergleich zu den Wettbewerbern Air France und British Airways gut durch die Krise gekommen, erklärte Finanzvorstand Stephan Gemkow und verwies auf die immer noch positive operative Marge.

Neben krisenbedingten Passagier- und Frachtrückgängen sieht sich das Unternehmen in Europa zunehmend der Konkurrenz von Billigfliegern ausgesetzt. Die Auslastung der Maschinen sei nahezu unverändert geblieben, dafür sei aber der Erlös um zwölf Prozent eingebrochen. Zudem müssen die verschiedenen Zukäufe wie Austrian Airlines (AUA), Brussels Airlines und British Midland (BMI) saniert und in den Konzern integriert werden. Allein bei der AUA soll der Personalstand um rund 1500 auf 6000 Leute sinken. Bei der BMI wird die Flotte um zehn Flugzeuge und 800 Stellen gestrichen.

Lufthansa erwartet dann bei ihren Neuerwerbungen jährliche Kostenvorteile von 180 Millionen Euro. Vorläufig haben die aufgenommenen Kredite die Nettoverschuldung auf 2,2 Milliarden Euro hochgetrieben, nachdem im vergangenen Jahr noch ein Liquiditätsüberschuss von 125 Millionen Euro vorhanden war. (dpa)

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