Halbleiter Machtkampf um Infineon-Aufsichtsratsspitze

München. Beim Halbleiterhersteller Infineon zeichnet sich ein Machtkampf um die Spitze des Aufsichtsrates ab. Als Gegenkandidat zum Favoriten des Infineon-Managements, Klaus Wucherer, will der britische Investor Hermes den Finanzvorstand des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen, Willi Berchtold, durchsetzen. Infineon bestätigte am Dienstag den Eingang von zwei gleichlautenden entsprechenden Gegenanträgen. Auch ein Sprecher von ZF Friedrichshafen sagte, Berchtold stehe als Aufsichtsratskandidat zur Verfügung.
19.01.2010, 17:20
Lesedauer: 2 Min
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München. Beim Halbleiterhersteller Infineon zeichnet sich ein Machtkampf um die Spitze des Aufsichtsrates ab. Als Gegenkandidat zum Favoriten des Infineon-Managements, Klaus Wucherer, will der britische Investor Hermes den Finanzvorstand des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen, Willi Berchtold, durchsetzen. Infineon bestätigte am Dienstag den Eingang von zwei gleichlautenden entsprechenden Gegenanträgen. Auch ein Sprecher von ZF Friedrichshafen sagte, Berchtold stehe als Aufsichtsratskandidat zur Verfügung.

Eine Gegenkandidatur Berchtolds, der unter anderem jahrelang Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom war, gilt als Novum in der deutschen Unternehmenslandschaft, weil solche Personalien üblicherweise im Vorfeld von Aktionärstreffen geklärt werden. Hintergrund ist die Kritik des Investors an Strategie und Führungsstil bei dem Chipkonzern. So wurden in den Gegenanträgen häufige Führungswechsel bei Infineon, Verzögerungen bei strategischen Entscheidungen oder deren Umsetzung und eine «verfehlte Personalpolitik» bemängelt. Seit dem Infineon-Börsengang im Jahr 2000 seien «hohe Werte zerstört worden», hieß es.

In Branchenkreisen hieß es am Dienstag, der hinter den beiden gleichlautenden Gegenanträgen stehende Investor halte lediglich einen Anteil von deutlich unter einem Prozent an Infineon. In den Zeitungsberichten war dagegen von rund drei Prozent die Rede gewesen.

Die Nominierung des ehemaligen Siemens-Managers Wucherer für die Nachfolge des noch amtierenden Infineon-Aufsichtsratschefs Max Dietrich Kley hatte auch für Aufsehen gesorgt, weil Wucherer bei dem Elektrokonzern tätig war, als dieser von Korruptionsfällen erschüttert wurde.

Zwar wurde Wucherer selbst keine Verwicklung in den Schmiergeld- Skandal nachgewiesen, er hatte sich aber im Rahmen von Vergleichsvereinbarungen mit der früheren Siemens-Spitze zur Zahlung von 500 000 Euro Schadenersatz bereiterklärt. Dieser Umstand spiele aber bei der Gegenkandidatur Berchtolds keine Rolle, hieß es in dem Gegenantrag. Es gehe vielmehr darum, dass Wucherer dem Aufsichtsrat von Infineon bereits seit 1999 angehöre und somit für dessen Arbeit und Entscheidungen erhebliche Mitverantwortung trage. «Für einen wirklichen Neuanfang bei Infineon ist insbesondere auch eine Erneuerung an der Spitze des Aufsichtsrats nötig.»

Berchtold ist unter anderem Aufsichtsratschef der Bundesdruckerei und hat auch Aufsichtsratsmandate bei der Lufthansa Systems Group und bei der Software AG inne. Von Oktober 1998 an hatte er den Banknoten- und Chipkartenhersteller Giesecke & Devrient als Chef geleitet, bevor er im April 2005 in den ZF-Vorstand wechselte. (dpa)

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