Beck’s wirbt in den USA mit „Ursprung in Bremen“ – das halten US-Kläger für Täuschung und werden entschädigt

Made in Missouri

„Wir müssen den Abfüllort nun größer drucken.“ Sprecher AB Inbev Bremen.
26.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Made in Missouri
Von Kristina Läsker

Wenn Ausländer nach Dingen aus Deutschland gefragt werden, fällt ihnen vielleicht Bratwurst ein. Oder ein Nussknacker. Wahrscheinlich werden sie Mercedes nennen und VW, und sie werden die Qualität deutscher Autos preisen. Und natürlich werden sie irgendwann über das gute Bier reden. Manch einer wird mit hübschem Akzent das Wort „Reinheitsgebot“

radebrechen und bedeutsam schauen. Nach dem Motto: Die Deutschen wissen eben, was in so ein Bier gehört, und was nicht.

Das Label „Made in Germany“ wirkt weltweit. Noch immer. Das wissen auch die Marketing-Experten der Bremer Firma Beck’s. Wer in den USA eine Bierflasche des norddeutschen Konzerns erwirbt, liest vorne auf dem Etikett: „Originated in Bremen, Germany“ – „Ursprung in Bremen, Deutschland“. Außerdem enthält das Label den weißen Bremer Schlüssel auf rotem Grund samt Hinweis auf „deutsche Qualität“. Wir an der Weser können Bier, soll das heißen.

Genau diese markigen Werbesprüche kommen den Mutterkonzern Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev) jetzt ziemlich teuer. Denn das Beck’s für den US-Markt wird seit gut zwei Jahren eben nicht mehr an der Weser gebraut, sondern am Mississippi. Das Bier wird in St. Louis im Bundesstaat Missouri hergestellt.

Dadurch fühlten sich einige US-Biertrinker getäuscht. Sie haben eine Sammelklage gegen AB Inbev wegen Verbrauchertäuschung angestrengt – und sie kommen damit wahrscheinlich durch. Bis zu 50 Dollar Entschädigung soll der weltweit größte Brauereikonzern nun an jeden einzelnen Beck‘s-Trinker in den USA zahlen, umgerechnet knapp 45 Euro. Das hat der deutsche Unternehmenssprecher bestätigt. Zu dieser Summe hat sich der Getränke-Konzern in einem Vergleich mit den Beteiligten der Klage verpflichtet.

Das Verrückte daran: Auf der Rückseite der Flasche sei durchaus schriftlich vermerkt, dass das Bier in St. Louis gebraut worden ist und eben nicht in Bremen, sagt der Sprecher. Doch das reichte dem Gericht in den USA nicht aus: „Wir müssen den Abfüllort nun größer drucken.“ Außerdem muss der Ort der Herstellung künftig auch außen auf Six-Packs stehen: In den USA wird das Bier seltener in Kästen, aber dafür häufiger in Pappkartons verkauft.

So oder so bekommen US-Beck’s-Trinker bald Geld zurück. Pro einzeln gekaufter Flasche sollen sie zehn US-Cent erhalten, für ein Sixpack gibt es 50 Cent; maximal 50 Dollar pro Käufer. Darauf haben sich AB Inbev und die Kläger geeinigt. Ein Richter in Miami hat das in einer ersten Anhörung gebilligt, die endgültige Entscheidung soll aber erst im Oktober fallen.

Wie teuer der Vergleich letztlich wird, kann der Sprecher nicht sagen. Dass sich AB Inbev auf den Vergleich eingelassen hat, zeigt aber, wie wichtig der US-Markt ist. Von den etwa sechs Millionen Hektolitern Beck’s, die weltweit jährlich getrunken werden, gehen gut zehn Prozent in die USA. Beck’s gehört längst zu den beliebtesten deutschen Bieren in Amerika.

Diese starke Nachfrage war auch der Grund dafür, die Produktion zu verlagern. Beck‘s wird seit dem Jahr 2012 in St. Louis gebraut. „Die Umstellung hatte Logistik- und Kostengründe“, sagt der Sprecher. Denn die Braukessel im mittleren Westen zu nutzen, ist nicht nur billiger, das Ganze ist auch weniger umständlich: Zuvor wurde die Flaschen per Containerfrachter aus Bremen in die USA verschifft. Was daran ärgerlich war: Das Bier war oft schon bis zu drei Wochen alt, bevor es im Laden landete. Die Frische ist also ein weiterer Grund, warum Beck’s inzwischen an 15 Orten weltweit produziert, etwa in Russland, Vietnam und Australien.

Doch wie unterschiedlich ist das Beck’s diesseits und jenseits des Atlantiks überhaupt? „Es schmeckt nicht eins zu eins gleich, aber unsere Braumeister arbeiten daran, dass der Geschmack sehr ähnlich ist“, sagt der Sprecher. Überall auf der Welt werde nach Deutschem Reinheitsgebot gebraut, in Bremen und St. Louis würden die gleichen Hefestämme und Hopfen aus der Hallertau genutzt. Verschieden sind dafür die Gerste und das Brauwasser. So kommt das Wasser für das Bremer Werk aus der Rotenburger Rinne, St. Louis wird aus örtlichen Brunnen beliefert.

AB Inbev ist übrigens nicht der einzige Konzern, der verklagt wurde: Betroffen ist auch die australische Biermarke Foster‘s. Die produziert wie Beck’s in den USA, schreibt das auch auf die Flaschen, wirbt aber mit einem Känguru. Das hat die US-Biertrinker wohl sehr verwirrt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+