zeitzeichen Manager fallen meist weich

Während den Mitarbeitern Arbeitslosigkeit droht, kassieren ihre Chefs Millionen an Abfindungen. Höchste Zeit also für einen Kurswechsel, meint Dietrich Eickmeier.
11.05.2019, 18:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Dietrich Eickmeier

Es ist das Ende einer großen Pleite: Nun ergeht es Meike und Lars Schlecker wie dem Steuerhinterzieher Ulli Hoeneß oder Thomas Middelhoff, der beim Handelskonzern Arcandor Millionen veruntreute: Sie müssen wegen Untreue und Insolvenzverschleppung ins Gefängnis. Das könnte auch Ex-VW-Chef Martin Winterkorn drohen, gegen den im Dieselskandal Anklage wegen Betrugs erhoben worden ist. Oder auch die Bankmanager, die beim größten Steuerbetrug der Republik kräftig halfen, dass Unternehmen und Anleger Kapitalertragssteuer mehrfach zurückerstattet bekamen, selbst wenn sie diese gar nicht gezahlt hatten. Mit ihren sogenannten Cum-Ex-Geschäften sollen sie die deutschen Steuerzahler um bis zu 32 Milliarden Euro geprellt haben.

Meist aber fallen scheiternde Manager weich. Ganz weich. Während den Mitarbeitern Arbeitslosigkeit droht, kassieren ihre Chefs Millionen an Abfindungen. Wie erst einmal Winterkorn. Nach seinem Rücktritt im Herbst 2015 stand er bis Ende 2016 weiter auf der Gehaltsliste des Konzerns, Bonuszahlung inklusive. Seitdem erhält er eine Betriebsrente von rund 3 000 Euro pro Tag, 1,1 Millionen im Jahr. Sein Nachfolger Matthias Müller brachte es auf etwa 20 Millionen Abfindung und eine Betriebsrente von 3 400 Euro täglich.

Oder Thomas Winkelmann. Der letzte Chef der seit Herbst 2017 insolventen Air Berlin bekommt bis 2021 weiter sein Gehalt: Die 4,5 Millionen Euro sind per Bankgarantie abgesichert und nicht pfändbar. Sein Vorgänger Hartmut Mehdorn, der 2009 bei der Bahn gehen musste, erhielt noch für seinen bis Ende 2011 laufenden Vertrag 4,99 Millionen. Das ist wenig im Vergleich zu Wendelin Wiedeking. Der Ex-Porsche-Chef erhielt nach der gescheiterten VW-Übernahme 50 Millionen Euro. Und mit 20 Millionen wurde dem wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilten früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel das Ausscheiden versüßt.

Das aber gab es noch nie: Einer aus der Generation Gier darf sogar im Amt bleiben: Werner Baumann, Chef des Chemie-Riesen Bayer. Der Aufsichtsrat hält an ihm fest, obwohl die Aktionäre ihm wegen „Wertvernichtung historischen Ausmaßes“ die Entlastung versagten. Baumann hatte den US-Konzern Monsanto für 63 Milliarden Dollar gekauft. Nun hat die Bayer-Aktie wegen verlorener Prozesse – der Monsanto-Unkrautvernichter Glyphosat steht unter Verdacht, Krebs zu erzeugen – 40 Prozent seines Wertes verloren, tausende Jobs fallen weg.

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die zu einer ungezügelten Macht des Marktes geführt, das Vertrauen vieler Menschen in die soziale Marktwirtschaft erschüttert und so zur Schwächung des Zusammenhalts der Gesellschaft beigetragen hat. Höchste Zeit also für einen Kurswechsel.

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