Übernahme von Eggers und Franke "Manchmal hat man einfach Glück"

Rotkäppchen-Mumm übernimmt den Bremer Wein- und Spirituosenhändler Eggers und Franke. Für Kunden und Mitarbeiter soll sich aber nichts ändern, erklären beide Geschäftsführer im Interview.
12.03.2018, 21:34
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Lakeband

Herr Queisser, Rotkäppchen-Mumm hat 2016 20 Millionen Flaschen Wein verkauft, Ihr Marktanteil bei Sekt beträgt 55 Prozent. Warum ist Eggers und Franke für Sie überhaupt interessant?

Wir haben unsere jetzige Position in den vergangenen Jahren aufgebaut. Wir wollen uns aber auch weiterentwickeln. Eggers und Franke hat alles, was uns dazu fehlt: hohe Kompetenz in der Gastronomie und im Premiumbereich sowie ein weltweites Markenportfolio. Das ergänzt unser deutsches Sekt- und Weingeschäft sehr gut.

Wollen Sie auch Ihre eigenen Produkte wie Rotkäppchen oder Blanchet über Eggers und Franke vertreiben?

Queisser: Beide Unternehmen sind erfolgreich in dem, wie sie es tun. Und es gibt sicherlich auch die ein oder andere Schnittstelle in den Portfolios. Momentan planen wir das aber nicht.

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Wie haben Sie zusammengefunden?

Christoph Meier: Für den Verkauf sind wir auf Rotkäppchen zugegangen und uns recht schnell einig geworden. Es gab auch andere Interessenten, Rotkäppchen war aber unser Favorit.
Queisser: Wir haben schon in den vergangenen drei Jahren an einer Strategie gearbeitet, um die fehlenden Kompetenzen im Wein und im internationalen Geschäft auszubauen. Als der Kontakt mit Herrn Meier kam, haben wir uns daher gefreut. Manchmal hat man einfach Glück. Eggers und Franke wollte sich verändern und wir wollten unser Angebot erweitern.

Wie wichtig ist es, dass Eggers und Franke ein Familienunternehmen ist?

Queisser: Wir haben selbst eine tiefe Tradition als Familienunternehmen und leben das sehr intensiv. Im Verkauf ist es natürlich schön, wenn man mit dem Inhaber selbst verhandeln kann, aber auch die Kulturen müssen am Ende passen. Eggers und Franke ist uns in vielen Punkten ähnlich.

Auf was müssen sich die Mitarbeiter von Eggers und Franke einstellen?

Queisser: Wenn man in die Historie von Rotkäppchen schaut, sieht man, dass wir bei all unseren Übernahmen, die Standorte gestärkt haben. Die Mitarbeiter von Eggers und Franke erwartet daher eine Kontinuität in dem Geschäft, in dem sie heute schon tätig sind. Wir haben 680 Mitarbeiter, bei Eggers und Franke sind es knapp 200. Allein schon deswegen wird der Bremer Standort eine starke Stellung bei uns haben.
Meier: Es ist immer ein Unterschied, ob man ein Unternehmen kauft, das saniert werden muss, oder ob man ein gesundes Unternehmen kauft. Letzteres ist bei uns der Fall. Rotkäppchen ist ein großes, starkes Unternehmen, das uns weiterbringen kann.

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Viele Bremer haben die Sorge, dass der Verkauf nach Hachez, Coca-Cola und Kellogg die nächste schlechte Nachricht für den Wirtschaftsstandort Bremen ist.

Meier: Die Kompetenz von Eggers und Franke ist über einen sehr langen Zeitraum hier in Bremen gewachsen und liegt in den Köpfen der Mitarbeiter. Wir haben keine Produktion, die wegen irgendwelcher Kostenvorteile zu verlagern wäre. Rotkäppchen-Mumm ist ein langfristig orientiertes, erfolgreiches Familienunternehmen, kein anonymer multinationaler Konzern. Ich sehe es positiv, wenn so ein Unternehmen am Standort Bremen investiert.

Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft schauen, wie ergänzen sich dann beide Unternehmen?

Queisser: Eggers und Franke ist der Spezialist für die Premiummarken mit dem weltweiten Portfolio bei Sekt, Wein und Spirituosen. Von der Struktur ist das Unternehmen schon jetzt perfekt aufgestellt. Es liegt an uns, es weiterzuentwickeln. Mehr wollen wir aber nicht verändern.

Der Konsum von Wein- und Sekt ist in den vergangenen Jahren relativ stabil geblieben, allerdings auch nicht gewachsen. Wie schwierig ist das Geschäft?

Meier: Der Weinkonsum hat sich zuletzt verschoben: Da, wo traditionell Wein getrunken wird, wie etwa in Portugal, Spanien oder Frankreich, ist der Verbrauch gesunken. In Ländern, wo Wein ein Genussprodukt ist, steigt der Absatz aber. Dazu zählen etwa Großbritannien und Skandinavien. Deutschland liegt dazwischen.

Queisser: Seit einigen Jahren wird wesentlich bewusster konsumiert. Wenn Sie Wein oder Sekt trinken, hängt es meist mit einem Anlass zusammen. Das kann etwa die Familienfeier sein oder das Abendessen mit Freunden. Wir müssen uns aber immer fragen: Wo entwickelt sich das Geschäft hin? Beide Unternehmen haben gezeigt, dass sie gut darin sind, Trends zu erkennen.

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Craft Beer wird immer populärer und soll auch den bewussten Konsumenten ansprechen. Ist das Konkurrenz für Wein?

Meier: Ich gönne den Kollegen vom Bier diesen Trend. Bis Craft Beer aber kommerziell relevant wird, dauert es noch lange.

Wie schwer fällt Ihnen der Abschied?

Meier: Ich habe lange überlegt und bin mit der Entscheidung völlig im Reinen. Trotzdem hänge ich natürlich am Unternehmen. Ich bin mir aber sicher, eine gute Lösung für alle Beteiligten gefunden zu haben.

Sie haben erst vor einigen Jahren die Anteile von Eggers und Franke von einem anderen Unternehmen zurückgekauft und später gesagt, es sei schön, wieder Herr im eigenen Haus zu sein.

Meier: Das war tatsächlich schön. Und ich bleibe auch weiterhin Herr in meinem eigenen Haus, nur eben nicht bei Eggers und Franke.

Was planen Sie als Nächstes?

Meier: Ich werde weiter in Bremen sein, französischer Honorarkonsul bleiben und Eggers und Franke beratend zur Seite stehen. Über alles Weitere muss ich noch nachdenken.

Sowohl Eggers und Franke als auch Rotkäppchen und Mumm können auf eine lange Tradition zurückschauen. Ist das manchmal belastend?

Queisser: Die Tradition, zu wissen, wo man her kommt, was die Wurzeln sind, ist wichtig. Man muss aber etwas daraus machen und darf sich nicht auf der Vergangenheit ausruhen.

Meier: Tradition ist kein Wert an sich. Man muss sie weiterführen. Wenn man in einem Unternehmen ist, das ganz starr ist, und man das Gefühl hat, man darf nichts verändern, ist es bestimmt belastend. Für mich war es aber nie so. Man muss sich aber immer wieder neu erfinden. Selbst im Weingeschäft, das eigentlich ein langsames ist.

Das Gespräch führte Stefan Lakeband.

Zu den Personen:

Christoph Meier ist geschäftsführender Gesellschafter von Eggers und Franke. Das Unternehmen wurde 1804 in der Hansestadt gegründet und ist ein Importhandelshaus für Wein und Spirituosen. Die Firmengruppe hat etwa 200 Mitarbeiter und hat zuletzt 175 Millionen Euro Umsatz gemacht. Zum Mai soll sie verkauft werden.

Christof Queisser ist seit 2013 Vorsitzender der Geschäftsführung der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien. Der Diplom-Betriebswirt arbeitet seit 1991 in der nationalen und internationalen Konsumgüterindustrie. Der 48-Jährige ist zudem Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Spirituosen-Industrie und –Importeure.

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