New York/London Manipulierte Kurse: Milliarden-Strafen für fünf Großbanken

London·New York. Bereits seit Monaten bestehen gegen mehrere Großbanken vielfältige Manipulationsvorwürfe. Es geht um Fremdwährungen, Zinsen und Goldpreise.
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Von Erik Nebel und BERND ZEBERL,TERESA DAPP

Bereits seit Monaten bestehen gegen mehrere Großbanken vielfältige Manipulationsvorwürfe. Es geht um Fremdwährungen, Zinsen und Goldpreise.

Im Skandal um manipulierte Devisenkurse sind nun erste Strafen gegen Großbanken verhängt worden. In Großbritannien, der Schweiz und den Vereinigten Staaten brummten die Aufsichtsbehörden sechs Banken Strafen in Höhe von insgesamt knapp 4,3 Milliarden Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) auf. Dies geht aus am Mittwoch in London, New York und Zürich veröffentlichten Mitteilungen der jeweiligen Aufsichtsbehörden hervor.

Betroffen sind Citigroup, HSBC, JPMorgan, die Royal Bank of Scotland (RBS), die UBS und die Bank of America. Die Strafe für die sechs Institute in dem Devisen-Skandal hatte sich angedeutet, da sie zuletzt bereits Vorkehrungen dafür getroffen hatten und sich zum Beispiel mit Rückstellungen dafür gerüstet hatten.

Die höchsten Zahlungen müssen die US-Banken Citigroup und JPMorgan mit jeweils rund einer Milliarde Dollar leisten. Dahinter folgt die Schweizer UBS mit 799 Millionen Dollar. RBS (634 Millionen), HSBC (618 Millionen) und Bank of America (250 Millionen) kamen zunächst günstiger davon.

Mit 1,77 Milliarden Dollar verhängte die britische FCA den größten Teil der Strafen. 1,475 Milliarden Dollar gehen auf das Konto der US-Aufsichtsbehörde CFTC und 950 Millionen auf das des US-amerikanischen Office of the Comptroller of the Currency (OCC). Von der Schweizer Finma kommen 138 Millionen Dollar dazu.

Bei Privatbanken wurden wegen des Devisenskandals weltweit inzwischen mehr als 30 Mitarbeiter entlassen oder suspendiert. Die Deutsche Bank, gegen die ebenfalls ermittelt wird, zog bei mindestens vier Beschäftigten Konsequenzen.

Die teilverstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) hat die Strafe bereits akzeptiert und will weiter mit den Behörden zusammenarbeiten. Zudem laufe eine interne Untersuchung gegen die beteiligten Mitarbeiter, deren Zwischenstand noch in diesem Jahr veröffentlicht werde, erklärte Verwaltungsratschef Philip Hampton gestern. Die britische Großbank hatte das Geld im dritten Quartal bereits zurückgelegt.

Auch bei der Bank of England zog man in dieser Woche Konsequenzen aus dem Skandal: Die britische Notenbank feuerte ihren Chef-Währungshändler Martin Mallett. Die Notenbank wirft ihm nach internen Untersuchungen vor, nicht ausreichend gegen die verbotenen Absprachen von Banken auf dem Währungsmarkt vorgegangen zu sein. Mallett arbeitete mehr als 30 Jahre für die Bank of England.

Der Notenbanker soll spätestens im November 2012 Verdacht geschöpft haben, dass Händler Devisenkurse für eigene Geschäfte manipulierten. Seine Bedenken habe Mallett aber nicht weitergereicht. Zugleich betonte die Bank of England, sie habe keine Erkenntnisse, dass sich Mallett selbst bereichert habe.

Gegen die Deutsche Bank wird ebenfalls wegen der Manipulation von Devisenkursen ermittelt. Sie konnte sich allerdings noch nicht mit den Behörden einigen, hat aber bereits ihre Rückstellungen für offene Rechtsstreitigkeiten auf rund drei Milliarden Euro erhöht. Bei der Bank steht auch noch eine Einigung mit einigen Behörden zum Thema Manipulation von Referenzzinsen wie Libor aus – zum Teil hat die Deutsche Bank dafür bereits bezahlt.

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