Passagiere können kostenlos umbuchen Massive Beeinträchtigung des Flugverkehrs durch Streiks

Am Mittwoch müssen sich Passagiere auf erhebliche, streikbedingte Beeinträchtigungen einstellen, auch bei der Lufthansa. Die Gewerkschaft Verdi hat an sechs deutschen Flughäfen zum Streik aufgerufen.
25.04.2016, 21:13
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste

Am Mittwoch müssen sich Passagiere auf erhebliche, streikbedingte Beeinträchtigungen einstellen, auch bei der Lufthansa. Die Gewerkschaft Verdi hat an sechs deutschen Flughäfen zum Streik aufgerufen.

Der Warnstreik wird im innerdeutschen und internationalen Flugverkehr zu hunderten von Flugausfällen führen. Hierzu erklärt Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV: "Der erneute Streik ist eine bittere Nachricht für alle Flugreisenden, für Airlines und die deutschen Flughäfen. Zehntausende Passagiere werden zum Spielball der Verdi-Streiktaktik. Flughäfen werden als öffentlichkeitswirksame Schaubühne missbraucht.Verdi schadet mit seinem Aufruf dem wirtschaftlichen Ansehen Deutschlands. Es ist unverantwortlich, weite Teile des innerdeutschen und interkontinentalen Luftverkehrs während der weltgrößten Industriemesse in Hannover zum Erliegen zu bringen."

Verdi hat im Rahmen der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst zu den Streiks aufgerufen, um den Verhandlungsdruck zu erhöhen. Scharfe Kritik äußert auch Walter Schoefer, Geschäftsführer des Stuttgarter Flughafens, der die deutschen Flughäfen in den Tarifverhandlungen vertritt: "Arbeitskampfmaßnahmen, die darauf abzielen, gleich sechs Flughäfen ganztägig lahmzulegen und damit den innerdeutschen Luftverkehr großflächig und eine Vielzahl an internationalen Verbindungen zu treffen, gehen weit über das Maß eines Warnstreiks hinaus und sind völlig unangemessen. Dass unter diesem Konflikt wieder einmal tausende Flugreisende zu leiden haben, ist nicht zumutbar. Lösungen müssen am Verhandlungstisch gefunden werden und nicht auf dem Rücken der Passagiere." Der Flughafenverband ADV ruft alle Reisenden auf, sich bei ihrer Fluggesellschaft frühzeitig über den Flugstatus zu informieren.

Die Lufthansa kündigte ebenfalls massive Flugausfälle für den Tag an. So würden alle Interkontinentalflüge von und nach München gestrichen, teilte die Airline am Montagabend mit. Aber auch innerdeutsche und europäische Strecken seien betroffen, sodass es am Mittwoch nur rund 90 Flüge von und nach München geben werde. Auch Air Berlin wies darauf hin, dass es durch den Streik zu Verzögerungen und Flugausfällen kommen könne.

Verdi hat zu Warnstreiks an den Flughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Hannover aufgerufen. Mit den Ausständen will die Gewerkschaft den Druck im Tarifstreit über den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen erhöhen. Sie verlangt sechs Prozent mehr Geld. Auch in vielen anderen Bereichen wie Kitas, Krankenhäusern, Rathäusern und dem Nahverkehr sind die Beschäftigten derzeit immer wieder im Ausstand.

Wie die Airline weiter mitteilte, ist der größte Teil der internationalen Flüge von und nach Frankfurt nicht betroffen. Am wichtigsten Drehkreuz des Landes müssten allerdings die meisten innerdeutschen Verbindungen und zahlreiche Europaflüge annulliert werden. Nach dem Ende des Streiks in Frankfurt sollen ab 15 Uhr dieLufthansa-Flüge wieder normal verkehren. Auch an den anderen betroffenen Flughäfen wird es nach Unternehmensangaben Annullierungen geben.

Lesen Sie auch

Bestreikt werden sollen etwa Werkstätten, Luftsicherheitskontrollen sowie Bodenverkehrsdienste wie Vorfeld, Fracht, Gepäck und Verwaltung. Noch einschneidender sind Arbeitsniederlegungen bei den Flughafenfeuerwehren, die für Frankfurt, München und Köln/Bonn angekündigt sind. Ohne Feuerwehr ist ein Flugbetrieb aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Der Flughafenverband ADV hatte die Warnstreiks als "völlig unangemessen" kritisiert. Die Lufthansa veröffentlichte am Montagabend einen Sonderflugplan.

Verdi-Chef Frank Bsirske verteidigte die Maßnahmen: "Wir haben die Aktionen bereits am Freitag angekündigt, um betroffenen Passagieren entgegenzukommen", sagte Bsirske gegenüber Medien. "Die Arbeitgeber sollten ihre Haltung und ihr Angebot überprüfen, damit in der dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag und Freitag eine Lösung gefunden werden kann."

Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens sagte laut Mitteilung, der Streik zeige erneut, "dass wir dringend Regeln für Arbeitskämpfe im Luftverkehr benötigen". Ihr Unternehmen fordere verbindliche Mediations- oder Schlichtungsverfahren vor Arbeitskämpfen.

Für innerdeutsche Flüge, die streikbedingt ausfallen, können Passagiere der Lufthansazufolge Züge der Deutschen Bahn nutzen. Reisende, die für den 27. April einen Flug mit einer Airline der Lufthansa Group von und nach oder über Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Hannover gebucht haben, können ihr Ticket kostenfrei umbuchen - unabhängig davon, ob ihr Flug von dem Verdi-Streik betroffen ist.

Fluggäste von Air Berlin, die aufgrund des Streiks von einer Flugstreichung betroffen sind, können kostenfrei auf einen Flug mit der gleichen Strecke im Reisezeitraum vom 28. April bis einschließlich 4. Mai 2016 umbuchen. Bei Flügen, die als Teil einer Pauschalreise gebucht wurden, sollten Kunden ihren jeweiligen Reiseveranstalter kontaktieren.

Im November hatten die Flugbegleiter der Muttergesellschaft Lufthansa den bislang heftigsten und mit sieben Tagen längsten Streik in der Geschichte des 60 Jahre alten Unternehmens organisiert. Die Kosten allein dafür schätzte Lufthansa auf rund 140 Millionen Euro, die sich zu den bereits aufgelaufenen 130 Millionen Euro aus drei Streikrunden der Piloten addierten. Deren Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst, während für die Flugbegleiter der Schlichter Matthias Platzeck bis zum Sommer ohne Streikdruck nach einer Lösung sucht. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+