Vielfältige Nutzungsarten

Mehr als ein Messenger: Wie Firmen Whatsapp nutzen

Ob als Plattform für Informationen oder zur Unterhaltung: Firmen nutzen Whatsapp auf vielfältige Weise. In den Niederlanden ist in dieser Woche der erste Whatsapp-Thriller gestartet.
30.01.2019, 18:49
Lesedauer: 4 Min
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Mehr als ein Messenger: Wie Firmen Whatsapp nutzen
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Mehr als ein Messenger: Wie Firmen Whatsapp nutzen

Whatsapp dient mittlerweile nicht mehr nur als Chat-Plattform, sondern wird von Unternehmen auch für andere Zwecke genutzt.

123rf

„Beende deine Flucht und komm her, Sarah. Es gibt keinen einzigen Grund, um so zu reagieren.“ Diese Szene stammt weder aus einem Buch noch aus einem Film, sondern aus dem ersten niederländischen Whatsapp-Thriller, der in dieser Woche über den Messenger verbreitet wird. Versendet wird die in Nachrichten, Videos und Audios verpackte Geschichte von den „Nederlandse Spoorwegen“ (NS), der niederländischen Bahn. „Wir möchten die Reise für unsere Fahrgäste noch schöner machen und haben uns deshalb dieses kleine Geschenk einfallen lassen“, sagt Gerjan Vasse, Social Media Manager der NS.

Es sei auch denkbar gewesen, den Thriller per Facebook-Messenger, Instagram oder Snapchat zu erzählen. „Wir haben uns aber bewusst für Whatsapp entschieden, den bekanntesten und funktionalsten Kanal“, sagt Vasse. Die Zahl der Empfänger ist allerdings begrenzt. An mehr als 2000 Handy-Nummern könnten die Nachrichten nicht gleichzeitig verschickt werden. Nach Unternehmensangaben war das Interesse an dem Thriller so groß, dass die verfügbaren Plätze binnen zwei Stunden vergeben waren.

Zahl der Abonnenten wächst

„Entgleist“ handelt von der Treibjagd nach Hauptfigur Sarah, die in 210 Nachrichten zwischen Montag und Freitag dieser Woche erzählt wird. Die Geschichte wurde von Drehbuchautor Melle Runderkampf eigens für den Whatsapp-Thriller geschrieben und anschließend angepasst, damit sie über den Messenger ausgespielt werden kann. Dafür hat jede Figur eine eigene Telefonnummer bekommen, die die registrierten Nutzer in ihr Smartphone einspeichern müssen. „Vier Mitarbeiter sind damit betraut, die Nachrichten der einzelnen Charaktere per Computer auf die Handys der Menschen zu schicken“, sagt Vasse.

Nicht nur in den Niederlanden ist Whatsapp längst mehr als nur ein Messenger zum Versenden von privaten Nachrichten an Familie und Freunde. Auch in Deutschland wird der Dienst mittlerweile für andere Interaktionen genutzt. Der WDR nutzt den Kanal, um morgens und abends über die aktuelle Nachrichtenlage zu informieren. „Whatsapp ist der mit am meisten genutzte Messenger und viele Nutzer haben uns deshalb nach einem solchen Service gefragt“, sagt WDR-Sprecher Sven Gantzkow. Den Informationsdienst bietet die Rundfunkanstalt seit Juni 2017 an. Die Zahl der Abonnenten wachse seitdem und liege derzeit im fünfstelligen Bereich.

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„Jeder Kanal, auf dem wir Menschen mit unseren Nachrichten erreichen, ist ein guter Kanal. Wir prüfen aber laufend, ob wir unser Angebot noch auf andere Messenger, E-Mail oder andere Plattformen ausweiten“, sagt Gantzkow. Doch weitere Angebote per Whats­app seien auch denkbar. Derzeit testen zwei Ausgaben der WDR-Sendung „Lokalzeit“ den Messenger für den Versand von Nachrichten, Geschichten und Informationen aus der Region. „Nach Auswertung dieses Tests prüfen wir, ob, wie und mit welchen Diensten wir die Messenger-Kommunikation weiter nutzen“, sagt Gantzkow.

Auch der NDR nutzt Whatsapp als Plattform. Allerdings versendet die Rundfunkanstalt keine Text- sondern Sprachnachrichten. Werktags bekommen angemeldete Nutzer die Nachrichten von NDR Info einmal am Morgen zugesandt. „Den ersten Informationsblock des Sendetages auf NDR Info haben wir jetzt so gestaltet, dass er auch für die Nutzung per Messenger auf dem Smartphone optimiert ist und ganz einfach, mit nur einem Klick, gestartet werden kann“, sagt NDR-Sprecherin Bettina Brinker.

E-Mail hat an Beliebtheit verloren

Für den Versand der Nachrichten ist eine spezielle Software nötig, die unter anderem von dem Münchner Unternehmen Messenger People angeboten wird. Um das Programm nutzen zu können, ist lediglich eine Telefonnummer notwendig. Das System funktioniert sowohl mit einer Mobilfunk- als auch mit einer Festnetznummer. „Ein Unternehmen benötigt in der Praxis weder ein Smartphone noch eine Sim-Karte, um über Whatsapp professionelle Kundenkommunikation zu bieten“, sagt Matthias Mehner, Marketingleiter bei Messenger People. Stattdessen werden die Nachrichten von einem Desktop-Computer verschickt.

Grundsätzlich ließen sich die Informationen auch über andere Kanäle verbreiten, wie etwa Facebook oder E-Mail. „Fakt ist, dass E-Mail als Kommunikationskanal – nicht zuletzt durch die massenweise Verbreitung von Spam-Nachrichten – deutlich an Beliebtheit verloren hat“, sagt Mehner. Zudem sei die Kommunikation über einen Messenger deutlich schneller und direkter.

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Entsprechend verzeichnet das Unternehmen eine stetig wachsende Nachfrage nach Messenger-Lösungen. „Meiner Meinung nach stehen wir dabei immer noch am Anfang einer Entwicklung, die mittelfristig die gesamte Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden revolutionieren wird“, sagt Mehner. Aktuell habe das Unternehmen etwa 1600 Kunden unterschiedlichster Branchen. „Zu den bislang erfolgreichsten Branchen in der Messenger-Kommunikation zählen Medien und E-Commerce, gefolgt vom Finanz- und Bankensektor“, sagt Mehner.

Zu den Kunden von Messenger People zählt unter anderem auch die Hamburger Hochbahn, die ihre Fahrgäste über Störungsmeldungen im U-Bahn-Betrieb per Whatsapp informiert. „Für unsere Kunden hat es einen besonders hohen Mehrwert, wenn sie aktiv über Störungen auf ihrer täglich genutzten Linie informiert werden – und zwar möglichst automatisch und per Push-Benachrichtigung direkt aufs Smartphone“, sagt Unternehmenssprecherin Constanze Dinse. Wer Whatsapp nicht nutzen möchte, könne die Informationen auch über den Messenger Telegram bekommen.

Bei der Hochbahn ist der Whatsapp-Dienst mit dem Twitter-Account des Unternehmens gekoppelt. „Hier geben wir in Abstimmung mit unserer U-Bahn-Leitstelle relevante Betriebsstörungen und Unterbrechungen heraus. Ein Bot zieht sich die Meldungen der jeweilig abonnierten U-Bahn-Linie und schickt diese automatisch an alle für diese registrierten Nutzer“, sagt Dinse. Mit dem Whatsapp-Ticker erreicht die Hochbahn aktuell rund 40 000 Fahrgäste.

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