Kommentar zum Welthandel

Mehr China wagen

Das Reich der Mitte ist gut damit gefahren, die eigenen Märkte vor einem allzu aggressiven Zugriff zu schützen, schreibt Cina-Korrespondent Felix Lee.
11.12.2017, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Mehr China wagen
Von Felix Lee
Mehr China wagen

Das größte automatische Containerschiffterminal der Welt in Yangshan (China).

dpa

Mehr als 50 Jahre lang haben die USA beim Welthandel den Takt vorgegeben. Sie setzten sich für mehr Markt und weniger Staat ein. Das hat die Welt zwar reicher gemacht, aber auch ungleicher. Seit Donald Trump Präsident ist, hat die größte Volkswirtschaft diese Führungsrolle aufgegeben.

Ob Internationaler Währungsfonds (IWF), Weltbank oder Welthandelsorganisationen (WTO) – überall ziehen sich die Amerikaner derzeit zurück. Die Europäer sind kaum imstande, die Lücken zu füllen – zu sehr sind sie mit sich selbst beschäftigt.

Umso mehr ruhen bei der WTO-Ministerkonferenz im argentinischen Buenos Aires die Hoffnungen auf China. Das Problem dabei: Obwohl die Volksrepublik die zweitgrößte Handelsnation der Welt ist, erfüllt sie nicht annähernd die Kriterien, die eine freie Marktwirtschaft ausmacht. Das macht eine Vorreiterrolle bei der WTO schwierig.

Sollte der Rest der Welt nicht von Chinal lernen?

Seit einiger Zeit häufen sich auch in Deutschland die Klagen, dass chinesische Unternehmen die Welt mit Stahl oder Solarpaneelen zu Dumpingpreisen überfluten. Zugleich schottet China weiter einen Teil seiner Märkte vor ausländischer Konkurrenz ab. Geht es um die Einhaltung der Marktwirtschaftskriterien, wettern die EU-Länder daher zu Recht gegen Peking.

In diesem Zusammenhang stellt sich jedoch die viel grundsätzlichere Frage, ob ungehemmter Freihandel überhaupt wünschenswert ist? Sollte der Rest der Welt nicht von China lernen? Tatsächlich ist das Reich der Mitte gut damit gefahren, die eigenen Märkte vor einem allzu aggressiven Zugriff zu schützen.

Eine Mischung aus Protektionismus zum Aufbau einer eigenen Industrie auf der einen Seite und die kontrollierte Öffnung zum Welthandel auf der anderen – diese Kombination hat Chinas Wirtschaft stark gemacht.

Anstatt mit China über den Status als Marktwirtschaft zu streiten, sollten die Teilnehmer die Konferenz nutzen, um über ein neues Reglement zu diskutieren. Keine Frage: Für alle Länder sollten die gleichen Regeln gelten – auch für China. Es muss nicht der ungebändigte Marktliberalismus sein.

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