Millionen-Investitionen in Schienennetz

Mehr Geld für die Straßenbahn

Die Bremer Straßenbahn AG beschafft in den nächsten Jahren zahlreiche neue Schienenfahrzeuge. Zuvor muss das Verkehrsunternehmen allerdings einen großen Teil seiner Infrastruktur modernisieren.
19.04.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Geld für die Straßenbahn
Von Jürgen Theiner
Mehr Geld für die Straßenbahn

Die BSAG will 67 neue Straßenbahnen zum Preis von rund 210 Millionen Euro kaufen.

Christina Kuhaupt

Die Bremer Straßenbahn AG beschafft in den nächsten Jahren zahlreiche neue Schienenfahrzeuge. Zuvor muss das Verkehrsunternehmen allerdings einen großen Teil seiner Infrastruktur modernisieren.

Mit welchen Fahrzeugen fährt die Bremer Straßenbahn AG in die Zukunft? In diesen Tagen soll die Entscheidung darüber fallen, von welchem Hersteller sich das Verkehrsunternehmen 67 neue Straßenbahnen zum Preis von rund 210 Millionen Euro liefern lässt. Die Erneuerung des Fuhrparks ist allerdings nur ein Teil eines gewaltigen Investitionspakets, das die BSAG geschnürt hat. Die gesamte Infrastruktur wird runderneuert, und auch das kostet einen hohen Millionenbetrag.

Dass die BSAG in den nächsten 22 Jahren alleiniger Nahverkehrspartner der Stadt sein wird, ist seit Kurzem klar. Der sogenannte öffentliche Dienstleistungsauftrag wird entsprechend verlängert. „Da haben diese Investitionen schon eine gewisse Rolle gespielt“, sagt Unternehmensvorstand Hajo Müller.

Ersatzbeschaffung der Schienenfahrzeuge

Ein Teil des Aufwandes, den die BSAG bei der Modernisierung ihrer Infrastruktur treiben muss, hängt mit der Ersatzbeschaffung der Schienenfahrzeuge zusammen. Der Fuhrparks besteht derzeit teilweise noch aus älteren Niederflurbahnen, deren Waggons lediglich 2,30 Meter breit sind. Sie verkehren ausschließlich auf den Linien 2 und 10.

Die neuen Fahrzeuge jedoch sind – genau wie der zwischen 2005 und 2012 angeschaffte Typ GT8N-1 – exakt 35 Zentimeter breiter. Das sorgt für Probleme an Engstellen: Damit künftig überall im 110 Kilometer langen Netz ein Begegnungsverkehr zwischen 2,65 Meter breiten Fahrzeugen möglich ist, müssen etwa sieben Kilometer Schienenstrang „aufgeweitet“ werden, wie Co-Vorstand Michael Hünig das nennt.

Am BSAG-Zentrum in der Neustadt wurde 2016 bereits ein Anfang gemacht. Die Verbreiterung der Gleise auf dem Betriebshof hat sechs Millionen Euro gekostet. Weitere elf Millionen Euro steckt das Unternehmen in neue Werkstattanlagen auf dem Gelände und zusätzliche 4,5 Millionen in ein zeitgemäßes Fahrdienst- und Leitstellengebäude.

Neubau des Standortes Gröpelingen

Aber diese Beträge nehmen sich bescheiden aus im Vergleich zum Komplett-Neubau des Standortes Gröpelingen, dem heutigen nördlichen Ende des Bremer Straßenbahnnetzes. Dort wird der gesamte Gebäudebestand mit Werkstätten, Verwaltung und Personalunterkünften abgeräumt, die Schienenstränge der Bahn-Aufstellflächen lässt man herausreißen.

Auch die Haltestellenanlage soll neu gebaut werden. Kostenpunkt: rund 50 Millionen Euro. „Es wird eine riesige Herausforderung, das alles über zwei bis drei Jahre unter laufendem Betrieb hinzukriegen“, ist sich Michael Hünig bewusst.

Am Standort Sebaldsbrück haben die Umbauarbeiten bereits begonnen. Auf zwei modernisierten Werkstattsträngen sollen dort in Zukunft schwerpunktmäßig Unfallfahrzeuge repariert werden. In der Vergangenheit hatte die BSAG die Instandsetzung lädierter Bahnen meist fremdvergeben. Bis sie auf Tiefladern vom Hersteller zurückkamen, verging oft viel kostbare Zeit. Die Bremer Straßenbahn AG will deshalb verstärkt auf das Know-how der eigenen Mannschaft setzen und ihre Züge in Sebaldsbrück wieder fit machen.

Moderne Fahrkartenautomaten

Zu modernen Bahnen gehören moderne Fahrkartenautomaten, und auch auf diesem Feld stehen umfangreiche Investitionen an. Rund zehn Millionen Euro steckt das kommunale Nahverkehrsunternehmen in neue Ticket-Ausgaben in den Fahrzeugen und BSAG-Verkaufsstellen. Im öffentlichen Raum sollen zusätzlich bis zu 25 Automaten installiert werden, an denen man mit Bargeld und elektronischen Zahlungssystemen an Fahrkarten kommt.

Teil des Investitionspakets ist außerdem der Aufbau eines digitalen Netzes für den Bord- und Datenfunk der Straßenbahnen. Denn die nagelneuen Fahrzeuge, die in den nächsten Jahren kommen, melden Störungen der Hardware schon von unterwegs ohne Zutun des Fahrers an die Werkstatt.

Für die Kosten der neuen Bahnen und der modernisierten Infrastruktur ist mit der Stadt ein fester Schlüssel vereinbart. Die Kommune übernimmt ein Drittel, je ein weiteres muss die BSAG aus ihrem laufenden Haushalt sowie einer Verbesserung der Produktivität erwirtschaften.

Mal eben den Ticketpreis erhöhen – das läuft nicht. Erstens weil man damit auch Fahrgäste verprellen würde, zweitens weil die BSAG in den VBN-Tarifverbund eingebunden ist. Vorstand Hajo Müller ist gleichwohl optimistisch, die Erlöse seines Unternehmens weiter steigern zu können. Im Visier hat er dabei sowohl die „nicht so autoaffine“ jüngere Bevölkerung als auch ältere Menschen, für die Barrierefreiheit eine Rolle spielt. „Die wollen wir verstärkt aus dem Individualverkehr herausholen“, kündigt Müller an.

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