Hamburg Mehr Jobs für Flüchtlinge in norddeutschen Firmen

Hamburg. Norddeutschlands Firmen würden ja gern – doch die Hürden bei der Einstellung von Flüchtlingen sind den Unternehmern noch zu hoch: Drei Viertel der Betriebe in Hamburg und Schleswig-Holstein sind bereit, Asylsuchende als Arbeitskräfte, Auszubildende und Praktikanten zu sich zu holen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Unternehmensverbandes Nord (UV-Nord) unter seinen 41 000 Mitgliedsfirmen mit zusammen 1,5 Millionen Beschäftigten.
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Mehr Jobs für Flüchtlinge in norddeutschen Firmen
Von Markus Lorenz

Norddeutschlands Firmen würden ja gern – doch die Hürden bei der Einstellung von Flüchtlingen sind den Unternehmern noch zu hoch: Drei Viertel der Betriebe in Hamburg und Schleswig-Holstein sind bereit, Asylsuchende als Arbeitskräfte, Auszubildende und Praktikanten zu sich zu holen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Unternehmensverbandes Nord (UV-Nord) unter seinen 41 000 Mitgliedsfirmen mit zusammen 1,5 Millionen Beschäftigten. Fünf Prozent der Betriebe hätten bereits Asylsuchende und Einwanderer eingestellt und dabei „bislang gute Erfahrungen“ gemacht, berichtete UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz. „Das ist ein sagenhaft hoher Wert, darauf können die Unternehmen stolz sein.“

Gerade in Schleswig-Holstein signalisieren demnach kleine und mittelständische Betriebe eine hohe Bereitschaft zur Integration. Arbeit ist laut Wachholtz – neben dem Sport – das zweite entscheidende gesellschaftliche Feld für die Eingliederung von Zuwanderern. Von „fantastischen Werten“ sprach auch UV-Nord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich. „Zumal jede zehnte Firma auch bereit ist, die Kosten für Deutschkurse mitzufinanzieren.“

Allerdings stoßen die guten Absichten häufig an Grenzen. Jedes fünfte Unternehmen gab an, sich eine Beschäftigung von Flüchtlingen „noch nicht vorstellen“ zu können. Wachholtz: „Gründe sind rechtliche Unsicherheiten, insbesondere was den Status der Betroffenen angeht.“ Hauptforderung der Unternehmer ist es daher, die sogenannte Vorrangprüfung auszusetzen; diese schreibt vor, freie Stellen bevorzugt mit deutschen und EU-Arbeitslosen zu besetzen. Fröhlich kündigte an, dass sich die Arbeitgeberverbände bei der Bundesregierung dafür einsetzen werden, die Regelung vorübergehend außer Kraft zu setzen.

An der Diskussion um eine Aufhebung des Mindestlohnes will UV-Nord-Chef Wachholtz gleichwohl nicht teilnehmen. „Ich gebe der Politik keine Ratschläge“, sagte der Verbandspräsident – der aber daran erinnerte, „dass wir uns aus grundsätzlichen Erwägungen immer gegen den Mindestlohn ausgesprochen haben“. Auch wenn der extreme Anstieg der Flüchtlingszahlen über den Sommer nicht absehbar gewesen sei, angesichts der aktuellen Entwicklung sei klar: „Der Mindestlohn kam zur Unzeit.“ Auch wenn der UV-Nord die Diskussion nicht durch die Hintertür neu beginnen wolle, mahnte der Verbandsboss: „Die Politik muss sich etwas einfallen lassen.“ Der Präses der Hamburger Handelskammer, Fritz Horst Melsheimer, war kürzlich ein Stück weiter gegangen. In einem Interview hatte er ausdrücklich dafür plädiert, die Pflicht zur Einhaltung der Lohnuntergrenze bei Asylbewerbern abzuschaffen.

Die erwartete steigende Nachfrage nach Arbeitsplätzen trifft in Hamburg und Schleswig-Holstein auf eine solide aufgestellte Wirtschaft. Bei der UV-Nord-Herbstbefragung zur Konjunkturstimmung berichteten 80 Prozent der Firmen von steigenden oder gleichbleibenden Umsätzen für das laufende Geschäftsjahr. Im Ländervergleich liegt Hamburg dabei vor Schleswig-Holstein. An Elbe und Alster erwartet jedes zweite Unternehmen für 2015 wachsende Geschäfte.

Hier wie dort nimmt der Optimismus allerdings leicht ab. Für das erste Quartal 2016 erwarten gleich viele Firmen wachsende wie sinkende Umsätze. Sorgen macht der UV-Nord-Spitze vor allem die „unzureichende Investitionsbereitschaft“. Dies deute auf eine „zunehmende Verunsicherung über die Zukunft des Wirtschaftsstandortes“ hin. Wachholtz kritisierte erneut ausgabenträchtige Beschlüsse der Großen Koalition im Bund wie Mütterrente, Rente mit 63 und eben den Mindestlohn. Deutschland brauche ein „Belastungsmoratorium“ sowie Investitionen in die Zukunft. Nötig seien vor allem die Verbesserung von Schulen und Hochschulen sowie die Ertüchtigung der vielen maroden Verkehrswege.

Weiterhin ungewöhnlich gute Noten geben die Nord-Arbeitgeber dem Hamburger Senat. Mit der Arbeit der Rathausregierung zeigten sich 85 Prozent der UV-Nord-Mitglieder zufrieden

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