Hamburger Traditionswerft

Mindestens 60 Corona-Infizierte bei Blohm+Voss

Bei der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss sind inzwischen mindestens 60 Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert. Das Virus könnte sich in den Unterkünften von Werkarbeitern ausgebreitet haben.
06.08.2020, 16:19
Lesedauer: 2 Min
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Mindestens 60 Corona-Infizierte bei Blohm+Voss

Nach einem größeren Corona-Ausbruch bei der Werft Blohm+Voss warten das Unternehmen und die Gesundheitsbehörden auf die Auswertung weiterer Tests.

Bodo Marks/dpa

Auf der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss haben sich mindestens 60 Beschäftigte mit dem Coronavirus infiziert. Dem infektionsepidemiologischen Landeszentrum seien vergangenen Freitag zunächst 7 Infizierte und nach einem Massentest mit etwa 1000 Teilnehmern am Montag weitere 53 Fälle gemeldet worden, teilte das Institut für Hygiene und Umwelt am Donnerstag in Hamburg mit. Zunächst war von 55 Fällen die Rede.

Seit Dienstag seien weitere Massentestungen im Gange. „Mit den weiteren Ergebnissen ist in den nächsten Tagen zu rechnen“, erklärte das Institut. Die Infizierten stammen den Angaben zufolge aus Hamburg, den umliegenden Bundesländern und möglicherweise aus weiteren Regionen. Für sie zuständig seien die Gesundheitsämter an den Wohnorten der Betroffenen. Die zur Bremer Lürssen-Gruppe gehörende Werft äußerte sich zunächst nicht.

Nach Einschätzung der IG Metall könnte der Corona-Ausbruch möglicherweise mit unzureichenden Wohnbedingungen von osteuropäischen Arbeitern zusammenhängen. Nach Informationen der Gewerkschaft sind unter den positiv Getesteten auf der Werft kaum Mitglieder der Stammbelegschaft zu finden, sagte Emanuel Glass, Geschäftsführer IG Metall Region Hamburg, der Deutschen Presse-Agentur. Infiziert seien dagegen zahlreiche Arbeiter von Subunternehmen, die mit Werkverträgen auf dem Gelände arbeiten.

„Sollten sich diese Hinweise bestätigen, so ist Blohm+Voss in der Pflicht, sich um die Hygienebedingungen der Arbeiter bei Subunternehmen zu kümmern“, sagte Glass. Die IG Metall kritisiere seit langem den Einsatz von Leiharbeitern und Werkverträgen auf den deutschen Werften. Die Unternehmen vergeben je nach Arbeitsanfall Werkverträge an Subunternehmen für einfachere Arbeiten, zum Beispiel bestimmte Schweißarbeiten oder an Maler und Lackierer. Ähnlich wie in der Fleischwirtschaft kommen die Arbeiter oft aus Rumänien, Bulgarien oder anderen osteuropäischen Ländern.

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Bei den Corona-Tests auf der Werft wurde nicht nur die eigene Belegschaft überprüft. Getestet wurden auch die Mitarbeiter von Fremdfirmen, die auf dem Werksgelände im Hamburger Hafen tätig sind. Alle getesteten Personen wurden nach Hause geschickt, bis ein Testergebnis vorliegt. Die Arbeit auf dem Werftgelände ist vorübergehend zum Erliegen gekommen. Bei negativ Getesteten soll in der kommenden Woche ein zweiter Kontrolltest vorgenommen werden.

„Die uns vorliegenden Testergebnisse zeigen nicht den Ursprung der Infektion“, sagte eine Sprecherin. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise habe Blohm+Voss schon vor einigen Monaten zahlreiche Präventionsmaßnahmen umgesetzt. „Neben diversen Hygienemaßnahmen haben wir beispielsweise auch zeitversetztes Arbeiten in der Fertigung sowie rollierendes, mobiles Arbeiten für diverse Bürofunktionen eingeführt.“ Die Maßnahmen folgten sowohl den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts als auch den Vorgaben der Gesundheitsämter und gingen teilweise über diese hinaus. (dpa)

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