China will Hochgeschwindigkeitsstrecke bis nach Alaska bauen / Tunnel unter der Beringstraße

Mit dem Schnellzug von Asien nach Amerika

Peking. Der Plan klingt so verrückt, dass er wohl kaum umgesetzt werden dürfte – zumindest nicht in absehbarer Zeit. Und doch haben die chinesischen Staatsmedien am Freitag darüber ausführlich berichtet.
11.05.2014, 00:00
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Mit dem Schnellzug von Asien nach Amerika
Von Felix Lee

Der Plan klingt so verrückt, dass er wohl kaum umgesetzt werden dürfte – zumindest nicht in absehbarer Zeit. Und doch haben die chinesischen Staatsmedien am Freitag darüber ausführlich berichtet. Und worüber die Staatsmedien in der Volksrepublik unisono schreiben, kommt einer offiziellen Erklärung gleich: China erwäge „ernsthaft“, Asien und Nordamerika mit einem Hochgeschwindigkeitszug zu verbinden, heißt es.

Die rund 13 000 Kilometer lange geplante Strecke soll von Nordostchina an den äußersten Zipfel von Sibirien führen, die Beringstraße nach Alaska überqueren und einen Bogen nach Süden in Richtung Kanada und den USA schlagen. Sie wäre damit rund 3000 Kilometer länger als die Transsibirische Eisenbahn, die Moskau bereits seit Jahrzehnten mit Peking verbindet.

Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 350 Kilometer die Stunde soll die Fahrt von China in die USA zwei Tage dauern. Die chinesischen Zeitungen berufen sich auf Wang Mengshu, einem Experten an der Chinesischen Akademie für Ingenieurwesen. Er ist Chefplaner der bisherigen chinesischen Hochgeschwindigkeitsstrecke.

China hat innerhalb von nur einem Jahrzehnt die weltweit längste Hochgeschwindigkeitsstrecke gebaut. Im Jahr 2003 nahmen die Chinesen zum ersten Mal eine Schnellfahrstrecke in Betrieb, auf der Züge mit Geschwindigkeiten von 200 km/h und mehr fahren können. Inzwischen ist das Streckennetz 13 000 Kilometer lang und soll bis 2020 noch einmal verdoppelt werden. Bei den ersten Zügen handelte es sich noch um Modelle unter anderem von Bombardier, Siemens oder dem Shinkansen aus Japan. Inzwischen haben die Chinesen ihre eigenen Hochgeschwindigkeitszüge entwickelt. Bombardier und Siemens liefern aber auch weiterhin wichtige Komponenten.

„Größte Herausforderung wird die Überquerung der Beringstraße zwischen Russland und Alaska werden“, wird Wang im Fall der Strecke von China nach Nordamerika in der englischsprachigen China Daily zitiert. Ein rund 200 Kilometer langer Unterwassertunnel müsse gebaut werden, der die beiden Kontinente verbindet. Er wäre vier Mal so lang wie der Kanaltunnel zwischen Großbritannien und Frankreich. Zum Vergleich: Der Lötschberg-Basistunnel in der Schweiz ist 34 Kilometer lang.

Technisch ist der Bau nach Einschätzung des Bahningenieurs inzwischen möglich. Bislang sei die Tunneltechnologie noch nicht gut genug gewesen, um diese Idee umzusetzen, so Wang. „Doch mit den rapiden Entwicklungen in den Ingenieurwissenschaften ist es jetzt möglich, einen Tunnel unter der Beringstraße zu bauen.“

Schwierig dürften aber die politischen Verhandlungen werden. Schon jetzt stocken die Verhandlungen mit Russland beim geplanten Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke von China nach Europa über russisches Territorium. Mit Moskau würden bereits intensive Gespräche geführt, beteuert Wang. „Russland denkt schon seit vielen Jahren über eine Strecke nach Alaska nach.“ Doch auch die USA und Kanada haben sich noch nicht zu Chinas Plänen geäußert. Über die zu erwartenden Kosten machte Wang keine Angaben.

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