Medizinstudiengang in Oldenburg

Modellprojekt auf dem Prüfstand

Der Medizinstudiengang in Oldenburg läuft Ende 2019 aus- wie es weitergeht, ist noch unklar.
23.10.2018, 22:50
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Modellprojekt auf dem Prüfstand
Von Peter Mlodoch
Modellprojekt auf dem Prüfstand

140 neue Medizinstudienplätze will die Landesregierung in Oldenburg schaffen – ob die Voraussetzungen dafür gegeben sind, prüfen Rechnungshof und Wissenschaftsrat.

Anspach/dpa

Der deutsch-niederländische Medizinstudiengang an den Universitäten Oldenburg und Groningen gilt als wichtiger Mosaikstein für eine bessere Ärzteversorgung auf dem Land. Doch nun steht die vor sechs Jahren gegründete European Medical School (EMS) möglicherweise auf der Kippe.

Das Modellprojekt mit derzeit 40 Studienplätzen läuft Ende 2019 aus. Der Wissenschaftsrat von Bund und Ländern muss über eine endgültige Zulassung befinden. Und der Landesrechnungshof prüft, ob sich Niedersachsen neben der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) überhaupt einen dritten Standort für die teure Ärzte-Ausbildung leisten kann und soll.

Davon ist zumindest der zuständige Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) überzeugt. „Die EMS ist ein grenzüberschreitendes Leuchtturmprojekt, das in dieser Form deutschland- und europaweit einmalig ist.“

EMS muss massiv ausgebaut werden

Mit ihrer praxisnahen Ausbildung leiste sie wichtige Pionierarbeit zur Abhilfe beim Hausärztemangel. Für den Ressortchef steht daher fest, dass man die EMS massiv ausbauen müsse. „Ziel ist es jetzt, sie auf die nächste Stufe zu heben und Oldenburg dauerhaft als einen bundesweit konkurrenzfähigen Studienstandort der Medizin zu etablieren.“

140 zusätzliche Studienplätze stellt sich Thümler, der aus Oldenburgs Nachbarkreis Wesermarsch stammt, im Nordwesten vor. Mit deren schrittweisen Schaffung will er einen Großteil der im SPD/CDU-Koalitionsvertrag in der laufenden Wahlperiode versprochenen 200 neuen Medizinplätze abdecken.

50 Millionen Euro seien am Ende dafür jährlich bereitzustellen, rechnet der Ressortchef vor. Derzeit erhält die EMS gut 17 Millionen Euro aus der Landeskasse. Diesen Betrag will das Ministerium zunächst um neun Millionen Euro aufstocken – allerdings erst im übernächsten Haushaltsjahr.

Lesen Sie auch

Problem: Neue Studienplätze lassen sich nicht so einfach aus dem Hut zaubern. Der Ausbau erfordert eine enge Abstimmung mit den vier Krankenhäusern, in denen die angehenden Ärzte ihre Praktika absolvieren können. Darunter befindet sich auch das Klinikum Oldenburg-Kreyenbrück, in dem die Mordserie des Krankenpflegers Niels Högel ihren Anfang nahm und das derzeit von ganz anderen Sorgen wie einem drohenden Millionen-Defizit geplagt ist.

Aber vor allem muss der niederländische Kooperationspartner, die Rijksuniversiteit Groningen, mitspielen. Bislang können sich die dortigen Verantwortlichen jedoch lediglich eine Verdopplung der gemeinsam betriebenen Studienplätze auf 80 vorstellen. Zum Vergleich: An der MHH starten jährlich 270 Nachwuchsmediziner ihr Studium, in Göttingen sind es sogar 390.

Angesichts der Schwierigkeiten hat das Ministerium den Wissenschaftsrat eingeschaltet. Das angesehene Gremium solle „einen Blick von außen auf die Medizinerausbildung in Oldenburg“ werfen und dann „Empfehlungen für die Weiterentwicklung“ geben, erklärt Thümler. „Selbstverständlich werden dabei auch kritische Aspekte angesprochen werden. Die Ergebnisse dieser Evaluation gilt es abzuwarten.“

Empfehlungen sollen erst Mitte 2019 folgen

Am Donnerstag und Freitag will eine Expertendelegation des Rats vor Ort untersuchen, ob die EMS bei Forschung und Lehre, aber auch bei Finanzierung und Ausstattung langfristig den Qualitätsanforderungen genügen kann. Empfehlungen sollen aber erst Mitte 2019 folgen. Dann dürfte auch der Prüfbericht des Rechnungshofes vorliegen.

Einen deutlichen Schritt weiter ist Thümler mit seinem Plan, 40 bis 60 zusätzliche Medizinstudienplätze durch die Umwandlung von Teil- in Vollplätze an der UMG zu schaffen. Nach dem Vorklinikum in Göttingen sollen die Studierenden den praktischen Ausbildungsabschnitt künftig am Klinikum Braunschweig absolvieren.

Bislang wechseln von den Göttinger Nachwuchsmedizinern knapp 100 nach dem Physikum in andere Bundesländer. „Ihr Studium kostet uns also eine Menge Geld; aber am Ende haben wir nichts von ihnen als fertig ausgebildete Ärzte“, beklagt Thümler. „Das ändern wir jetzt.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+