Sprungbrett für die Mars-Mission

Mond-Basis made in Bremen

Wohnen im Weltraum – damit werden sich die Mitarbeiter von Airbus in Bremen künftig beschäftigen. In einer Studie geht es um Module für eine Raumstation, die auch Startpunkt für Mars-Reisen sein soll.
21.09.2018, 20:55
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Mond-Basis made in Bremen
Von Peter Hanuschke
Mond-Basis made in Bremen

Künftig soll eine bemannte Basis im Mondorbit schweben. Airbus ist an ihrer Entwicklung beteiligt.

Romolo Tavani

Ein neues Weltraum-Projekt für die Hansestadt: Airbus Defence and Space (DS) hat den Auftrag für zwei Studien für die künftige bemannte Basis im Mondorbit Gateway gewonnen, und das kommt nicht von ungefähr. In der ersten Studie soll ein Konzept für ein Wohn- und Forschungsmodul entwickelt werden, in der zweiten ein Infrastrukturelement zum Auftanken, Docken und zur Telekommunikation, das auch als Schleuse für wissenschaftliche Geräte dienen soll. Bei beiden Projekten kann das Unternehmen auf Erfahrungen früherer Missionen „Made by Airbus Bremen“ zurückgreifen.

Auftraggeber der beiden Studien ist die Europäische Weltraumorganisation Esa. Hintergrund ist die mögliche Beteiligung an der geplanten bemannten Basis im Mondorbit Gateway. Das Projekt Gateway, das zunächst als Deep Space Gateway oder Lunar Orbital Platform-Gateway bezeichnet wurde, ist ein internationales Vorhaben: Beteiligt sind die amerikanischen, russischen, kanadischen, japanischen und europäischen Raumfahrtagenturen – Nasa, Roscosmos, CSA, Jaxa und Esa.

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Die Gateway-Station soll später einmal auf einer Umlaufbahn um den Mond kreisen und ähnlich wie die um die Erde kreisende Internationale Raumstation ISS bemannt sein - allerdings nicht ständig. Außerdem sollen von dort aus Landungen auf dem Erdtrabanten und Flüge tiefer ins Weltall vorbereitet werden können. Es soll eine Zwischenstation oder ein Sprungbrett auch für spätere Mars-Missionen sein. Vor allem sollen auf dieser Basis die für eine solche Reise erforderlichen Technologien und Verfahren erprobt werden.

Die Konzepte, die Airbus DS in Bremen in den nächsten 15 Monaten entwickeln soll, haben viel mit früheren Projekten zu tun – etwa mit dem Bau des Weltraumlabors Columbus, das 2008 an die ISS ankoppelte. Die Erfahrungen und das Know-how von Esa und Airbus bei diesem Leuchtturmprojekt, beim Raumtransporter ATV und dem Europäischen Servicemodul für die US-Raumkapsel Orion seien Grundlage für die Studien, so Oliver Juckenhöfel, Leiter von On-Orbit Services and Exploration bei Airbus DS in Bremen. „Bei den nun zu entwickelnden lunaren Plattformen gehen robotische und astronautische Weltraumerforschung Hand in Hand.“ Europa verfüge in beiden Bereichen über eine „fantastische Erfolgsbilanz, die durch diese beiden Studien eine starke europäische Rolle in der zukünftigen Erkundung des Weltraums sichern kann.“

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Das Wohn- und Forschungsmodul soll etwa neun Tonnen wiegen, das Infrastrukturelement vier Tonnen. Beide Studien werden laut Juckenhöfel mit europäischen Partnern erarbeitet. Unter der Leitung der Nasa für das Gesamtdesign werden weitere Elemente – wie ein zweites Habitat, eine Luftschleuse für wissenschaftliche Nutzlasten und ein Logistikmodul – durch internationale und kommerzielle Partner definiert. Die Nasa plant das erste Modul, das zentrale sogenannte Power Propulsion Element, Anfang der 2020-Jahre in eine Mondumlaufbahn zu starten.

So soll die Mond-Basis aussehen.

So soll die Mond-Basis aussehen.

Foto: Grafik Weser Kurier

„Mit diesen Studien und weiteren Vorbereitungen möchte die Esa auch künftig im Zentrum der bemannten Weltraumerkundung stehen“, sagt David Parker, Direktor Human and Robotic Exploration bei der Esa. Das Gateway werde der am weitesten entfernte Forschungs-Außenposten der Menschheit sein, „und wir hoffen, dass Europa von den vor uns liegenden Innovationen, Entdeckungen und spannenden Erfahrungen profitieren wird.“

Laut Juckenhöfel gibt es zwei große Herausforderungen: Die Studie sei ein erster Schritt, aber damit sich Deutschland und Europa tatsächlich am Projekt beteiligen können, „muss auch der politische Wille klar formuliert werden. Die Amerikaner und die anderen Partner haben einen ambitionierten Zeitplan, wenn wir dabei sein wollen, muss zeitnah über die Studie hinaus eine Entscheidung getroffen werden."

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Der Entscheidungsprozess laufe bereits „und wir hoffen, dass unter maßgeblicher Beteiligung Deutschlands eine positive Entscheidung auf der nächsten Esa-Ministerratskonferenz im kommenden Jahr getroffen wird.“ Sollte sich Europa an diesem Jahrhundert-Projekt nicht beteiligen, wäre das bedauerlich, so Juckenhöfel.

Technisch sei die Herausforderung das Umfeld des Mondes. Im Vergleich zum Columbus-Modul werde etwa eine andere Statik benötigt, da es sich eher um eine Art Raumschiff als um eine Station handeln werde, das elipsenartig um den Mond kreist. Zudem sei die Strahlungsbelastung wesentlich höher. „Es muss noch mehr der Mensch im Mittelpunkt stehen, insbesondere seine Gesundheit."

Auch würden ausgefeiltere Notsysteme benötigt. „Wenn dort etwa 400 000 Kilometer entfernt etwas passiert, was nicht repariert werden kann, dauert der Rückweg mindestens eine Woche im Gegensatz zur ISS, die in 400 Kilometer Höhe um die Erde kreist.“ Airbus will erste Entwürfe des Gateways Anfang Oktober auf dem International Astronautical Congress (IAC) in Bremen vorstellen.

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