Bei Großbehältern schlägt die Erhöhung voll durch / Empörung bei Wohnungsverwaltern Müllgebühren steigen auf das Doppelte

Bremen hat die Müllgebühren erhöht. Das erste Mal seit 17 Jahren. In diesen Wochen sind die Gebührenbescheide verschickt worden. Bei den Verwaltern großer Wohnanlagen haben die Berechnungen Empörung ausgelöst. Sie beklagen Steigerungen von bis zu 100 Prozent. Die Mehrkosten werden nun auf die Mieter umgelegt.
07.02.2014, 00:00
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Müllgebühren steigen auf das Doppelte
Von Jürgen Hinrichs

Bremen hat die Müllgebühren erhöht. Das erste Mal seit 17 Jahren. In diesen Wochen sind die Gebührenbescheide verschickt worden. Bei den Verwaltern großer Wohnanlagen haben die Berechnungen Empörung ausgelöst. Sie beklagen Steigerungen von bis zu 100 Prozent. Die Mehrkosten werden nun auf die Mieter umgelegt.

Ein Schock, sagt Caspar Willich, „ich bin aus allen Wolken gefallen“. Der Abteilungsleiter beim Immobilienunternehmen Justus Grosse hat Post von der Stadt bekommen: Abfallgebührenbescheide für rund 100 Eigentümergemeinschaften, die Willich betreut. „Dass es Erhöhungen geben würde, war mir klar, aber doch nicht in dieser Dimension.“

Die Gebühr sei in einem Fall glatt verdoppelt worden, bei anderen Wohnanlagen seien es rund 60 oder 70 Prozent mehr. Willich: „Was glauben Sie, was los ist, wenn die Eigentümergemeinschaften davon erfahren.“ Ein Beispiel aus der Objekte-Liste von Justus Grosse: Das Haus in der H.-H.-Meier-Allee 51 mit insgesamt 120 Haushalten. Dort stehen zwei Müllcontainer mit einem Fassungsvermögen von jeweils 1100 Litern. Das Hochhaus verfügt über eine Müllabwurfanlage; die Möglichkeit auf Einzeltonnen umzustellen, besteht nicht. Bisher sind auf die Mieter nach Angaben von Willich 6739 Euro umgelegt worden. Mit dem neuen Bescheid sind es 13530 Euro, eine Steigerung von knapp über 100 Prozent.

Oder der Ostertorsteinweg 31-33. Acht Haushalte, die sich einen 770-Liter-Container teilen. Dort steigen die Kosten um 66 Prozent. „Würden die einzelnen Haushalte jeweils auf eine 60-Liter-Tonne umstellen, dann bekämen sie keine Gebührenerhöhung. Im Gegenteil, sie würden günstiger als bisher abschneiden“, hat Willich ausgerechnet. Dumm nur, fügt er an, dass rund um das Haus kein Platz ist, um die Einzeltonnen unterzubringen.

Was aus dem Unternehmen Justus Grosse berichtet wird, findet man auch bei anderen Firmen, die Wohnungen verwalten. Die Kurt-A.-Becher-Grundstücksgesellschaft zum Beispiel empört sich über „unglaubliche Gebührenerhöhungen“, die nun an die Mieter weitergegeben werden müssten. „Nur ein Monopolist kann so etwas anordnen“, sagt Peter H. Jacobsen von der Grundstücksgesellschaft. Er listet fünf seiner Objekte auf. Die geringste Gebührensteigerung liegt in diesen Fällen bei 69 Prozent, die höchste bei 108 Prozent.

„Bei den Großbehältern ist es ein eklatanter Sprung“, räumt Insa Nanninga ein, die beim Umweltsenator für Abfallwirtschaft zuständig ist. Allerdings müsse man berücksichtigen, dass die Gebühren in der Vergangenheit deutlich unter denen für Einzelbehälter gelegen hätten. „Auf den Liter Müll gerechnet, lag der Preis bei den Großbehältern um 70 Prozent niedriger“, erklärt die Abteilungsleiterin. „Das war jenseits von Gut und Böse.“ Im Endeffekt hätten die Verbraucher mit den Einzeltonnen jene mit den Containern subventioniert. „Im Übrigen liegen die Gebühren für die Großbehälter trotz der Erhöhung immer noch unter dem, was die Bürger für die Müllentsorgung in Einzeltonnen bezahlen“, erklärt Nanninga. Dass die Stadt mit einer einzigen Gebührenerhöhung nachholt, was sie 17 Jahre lang unberührt ließ – für die Abteilungsleiterin ist das unvermeidlich: „Alles andere wäre uns wegen fehlender Gebührengerechtigkeit vor den Gerichten um die Ohren geflogen.“

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