Nach der Havarie an der Nordschleuse Großes Interesse am Brückenschrott

Nach dem Abriss der Drehbrücke in Bremerhaven musste schnell gehandelt werden, um den Schiffsverkehr nicht zu blockieren. Laut Bremenports-Chef Robert Howe hat die Pandemie dabei sogar geholfen.
22.04.2021, 05:00
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Großes Interesse am Brückenschrott
Von Florian Schwiegershausen

Seit die Verantwortlichen von Bremens Hafenbehörde Bremenports die gebrochene Drehbrücke in Bremerhaven von der Nordschleuse zur ABC-Insel bringen lassen, ist das Interesse an den 2100 Tonnen Schrott groß. Das jedenfalls erklärte Bremenports-Chef Robert Howe am Mittwoch in der Sitzung des Hafenausschusses. „Ich bekomme derzeit bundesweit Anfragen von verschiedenen Instituten. Sie interessieren sich dafür, wie es genau zur Havarie der Drehbrücke gekommen ist.“ Die Erkenntnisse können allgemein für den Bau künftiger Brücken dienlich sein.

Es war Gründonnerstag gegen 17 Uhr, als Howe die erste Nachricht erhielt, dass etwas mit der Brücke nicht stimmt. Den Mitgliedern des Hafenausschusses zeigte er Aufnahmen von einer Internetkamera, kurz bevor auf der einen Seite der Stahl eines sogenannten Obergurts riss. Im Rückblick auf den plötzlichen Abriss der Brücke bezeichnete Howe das Abbrechen der Brücke als „Suezkanal-Szenario in klein“. Danach eilte ein Team von sechs bis acht Leuten zu der gut 90 Jahre alten Brücke. Howe verdeutlichte den Mitgliedern des Hafenausschusses, warum man schnell reagieren konnte: „Die Pandemie hat uns geholfen. Denn deshalb waren auch die Kollegen im Osterurlaub nicht verreist. Sie ließen dann kurzerhand ihren Osterurlaub sein.“ Außerdem sei es großes Glück gewesen, dass alle notwendigen Gerätschaften sofort zur Verfügung gestanden hätten. Ebenso schnell waren auch die Mitarbeiter der beteiligten Firmen im Einsatz.

Doch der Kaiserhafen muss weiterhin erreichbar bleiben. Also trafen die Verantwortlichen in der Nacht zum Karfreitag die Entscheidung, die geschlossene Kaiserschleuse, an der zwecks Instandhaltung gearbeitet wurde, in kürzester Zeit in einen Notbetrieb zu bekommen. Nach 48 Stunden ging die Schleuse in einen Testbetrieb. Am Ostersonntag nachts um zwei Uhr ging sie in den Betrieb, so dass zwei Schiffe den Hafen verlassen konnten. Beim Abtransport der kaputten Drehbrücke half ein neuer Schwimmponton der Firma BVT, die Teil der Bremerhavener Heinrich Rönner Gruppe ist. 3000 Tonnen kann der Ponton transportieren. Für ihn war es der erste Einsatz. Mit einem sogenannten Tausendfüßler wurde die Brücke dann in Fahrtrichtung gedreht und auf den Ponton geladen. Anschließend wurde sie auf der ABC-Insel abgeladen.

Bremens Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) dankte nochmals ausdrücklich allen Beteiligten für ihren Arbeitseinsatz. Sie machte sich mehrmals vor Ort ein Bild von der aktuellen Lage. Dies gibt Howe so weiter an alle, erwähnte einen aber besonders: „Unser Projektleiter Lutz Jankowsky hatte da alles andere als einen Acht-Stunden-Tag.“

Gleiches Lob kam von den Mitgliedern des Hafenausschusses. Doch sie interessiert ebenso, wie es nun weitergehen soll. Bremenports-Chef Robert Howe will vor der Sommerpause eine Lösung für eine neue Querung des Kanals haben. Bremens Hafenbehörde ist zumindest beauftragt mit der Planung eines Neubaus. Ob eine neue Brücke ebenso für den Autoverkehr zwei Spuren hat und ebenso für die Schiene zwei Spuren, müsse man ebenso überlegen. Eine Behelfsbrücke müsse garantieren, dass der Kanal schiffbar bleibe.

Inwieweit es bis dahin eine provisorische Lösung gibt, sei noch nicht klar. Denn unter der fehlenden Brücke leide nun das Unternehmen Heuer Logistics mit seinen gut 130 Beschäftigten. Howe und Senatorin Schilling sagten, dass sie im Gespräch mit der Firma seien. Es gehe darum, wie man die unternehmerische Sorge abfedern könne. Denn der große Umweg, den die LKW von Heuer nun nehmen müssten, bedeute pro Container 80 Euro an Mehrkosten. Wenn außerdem das Kreuzfahrtgeschäft am Columbus Cruise Terminal wieder anziehe, gebe es für die Touristen ohne die Drehbrücke derzeit nur eine Zufahrt. Das sind alles Punkte, bei denen Bremenports nun an einer Lösung arbeiten muss. Abschließend sagte Robert Howe über die Brücken-Havarie: „Man wünscht sich sowas nicht jeden Tag. Man sieht aber, dass man in solchen Situationen zusammenhält.“

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