Pflanzlicher Ersatz Nordsee macht in fischfreien „Visch“

Die Bremerhavener Restaurantkette bietet künftig einen alternativen Fisch an. Der soll nicht aus dem Meer kommen, sondern an Land wachsen.
16.02.2021, 16:29
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Nordsee macht in fischfreien „Visch“
Von Stefan Lakeband

Carsten Horn spürt ihn zu Hause, den „Druck auf dem Kessel“. So nennt er den Zwang, etwas ändern zu müssen. Vier Töchter hat der Chef der Fisch-Restaurantkette Nordsee. Sie würden ihm zeigen, dass es so nicht weitergehen könne: mit dem Konsum, dem Klima und der Welt.

So wie Horns Töchtern geht es mittlerweile vielen Menschen. Sie achten auf sich und die Umwelt, wollen etwas ändern, stellen ihre Gewohnheiten infrage und häufig um: von der Urlaubsreise ohne Flugzeug über das T-Shirt aus Bio-Baumwolle bis hin zur Ernährung. Und genau hier setzt Horn mit seinem Unternehmen an. Neben Fisch wird es in den Restaurants von Nordsee künftig auch Visch geben. „Das ist kein Rechtschreibfehler“, sagt Horn, als er am Dienstag die Pläne vorstellte. Hinter der eigenwilligen Schreibweise steckt ein neues Produkt: Fisch, der keiner ist.

Veganes Fish and Chips

Pflanzlich statt tierisch also. Für Horn ist das ein „no-brainer“ – etwas, das sich von selbst verstehe. „Fleischalternativen gibt es schon länger in der Systemgastronomie“, sagt der Chef des Bremerhavener Unternehmens. Bei Fischersatz habe es bisher aber mau ausgesehen. Dabei wachse die Zahl der Flexitarier in Deutschland stetig; besonders bei Jüngeren sei die Ernährungsweise verbreitet, bei der Fleischkonsum erlaubt ist, aber nicht im Fokus steht. „Das Backfisch-Baguette – das lieben unsere Kunden“, sagt Horn. „Doch wir können uns nicht auf unseren alten Produkten ausruhen.“ Deswegen habe man sich für die Fischalternative entschieden. Künftig soll es daher den panierten Klassiker im Brot auch in der veganen Variante geben, genauso wie Fish and Chips.

Hilfe bekam Nordsee vom niederländischen Start-up Novish. 2019 sei es gegründet worden, mit dem Ziel, Meeresfrüchte und Fisch für Einzelhandel und Gastronomie zu produzieren, erzählt der Chef des Unternehmens, Maiko van der Meer. Mit seiner Idee und ersten Produkten sei er dann an Nordsee herangetreten; zusammen habe man in der Testküche in Bremerhaven herum­experimentiert. „Man schmeckt keinen Unterschied“, beteuert Horn. Gleichzeitig nehme man nur natürliche Zutaten und verzichte auf Geschmacksverstärker sowie Farb- und Konservierungsstoffe. Als Grundmasse für den Visch dienen Reis, Weizen und Hülsenfrüchten. Auf Soja hingegen werde verzichtet.

Kaum preisliche Unterschiede bei der Fischvariante

Bis Bremer die Fischalternative probieren können, wird es noch etwas dauern. Den Visch soll es erst einmal in sechs Filialen in Berlin, Frankfurt, München und Wuppertal geben sowie in vier Niederlassungen in Wien. Im April sollen dann die anderen Restaurants folgen – sofern sie denn trotz Corona geöffnet sind. Preislich sollen sich die beiden Produkte nicht groß von der Fischvariante unterscheiden.

Und es soll längst nicht bei den zwei Produkten bleiben. Maiko van der Meer träumt von panierten Garnelen, Calamari-Ringen und Lachs. Selbst die Scholle im Nordsee-Restaurant könne irgendwann wann aus Weizen, Reis und Hülsenfrüchten sein.

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Alternative zu Fischstäbchen

Vergangenes Jahr hat Frosta aus Bremerhaven eine Fischalternative auf den Markt gebracht. Zwei verschiedene Filetstücke sowie eine Fischstäbchen-Alternative werden unter der Marke Fisch vom Feld verkauft. Anstatt tierischer Inhaltsstoffe bestehen sie aus Gemüse wie Schwarzwurzel, ­Jackfruit, Blumenkohl und Bohnen. Die Kunden-Rückmeldungen seien sehr positiv, sagt eine Sprecherin: „Unser Fisch vom Feld entwickelt sich sehr gut.“ Am beliebtesten seien die Stäbchen; an weiteren Produkten arbeite man bereits.

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