Made in Niedersachsen: Modeunternehmen Oave

Nachhaltige Sportkleidung aus dem Landkreis Diepholz

Pia Steffens und Sören Romboy wollen einen Unterschied machen: Deswegen entwerfen und verkaufen sie nachhaltige Sportkleidung. Dabei verarbeiten sie eine Faser, die aus Algen hergestellt wird, alte Fischernetze oder Teppichreste.
09.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Nachhaltige Sportkleidung aus dem Landkreis Diepholz
Von Stefan Lakeband
Nachhaltige Sportkleidung aus dem Landkreis Diepholz

Partner in doppelter Hinsicht: Pia Steffens und Sören Romboy haben Oave gegründet und sind auch privat ein Paar.

Michael Braunschädel

An Thailands Stränden kam ihnen die Idee, dass es so nicht weitergehen kann. Eigentlich traumhaft schöne Landschaften waren komplett verschmutzt. Menschen hatten ihren Dreck hinterlassen, das Meer Müll angespült. Ein untrügliches Zeichen, dass es der Umwelt nicht gut geht. Also setzten sich Pia Steffens und Sören Romboy hin und überlegten, was sie dagegen tun können. Noch in ihrem Urlaub bestellten sie eine große Pinnwand, die ihr Unternehmen, das sie kurze Zeit später gründeten, seitdem begleitet.

Aus der Asien-Reise nahmen die heute 23-Jährigen nicht nur den Willen zur Veränderung mit, sondern auch die Idee zu Oave – ihrem Unternehmen, mit dem sie nun nachhaltige Sportkleidung herstellen und verkaufen.

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Mode und Nachhaltigkeit, sagt Steffens, das sei ein Trendthema. „Häufig wird Nachhaltigkeit aber nur inszeniert.“ Firmen würden so Eindruck bei ihren Kunden machen wollen. Positive Effekte auf die Umwelt seien vielen aber egal. Genau das wollten beide nicht. Schon im Studium hatte sich Steffens mit nachhaltiger Mode beschäftigt, sich nach dem Abschluss 2018 überlegt, welcher Arbeitgeber zu ihren Werten und Vorstellungen passt. Romboy hatte eine Ausbildung im Groß- und Außenhandel gemacht und danach einen Job im Vertrieb.

Nach den Eindrücken in Thailand war ihnen klar, dass sie selbst etwas gründen. Seit Anfang des Jahres haben sie nun eine eigene Kollektion, die sie in ihrem Onlineshop verkaufen. Alles selbst entworfen, alles nachhaltig. „Wir wollen nicht noch mehr Müll produzieren“, sagt Steffens. Deswegen ist ein Teil der Sportkleidung aus einer Faser, die aus Algen hergestellt wird, bei einem anderen Teil dienen alte Fischernetze und Teppichreste als Ausgangsmaterial. Genäht werden die T-Shirts und Leggings in Deutschland, veredelt unter anderem in Hoya.

Sören Romboy, Pia Steffens, O-Ave

Die Kleidung besteht aus einer Faser, die aus Algen hergestellt wird.

Foto: Michael Braunschädel

Produktion in Asien ein absolutes No-Go

Bis die beiden Gründer ihre eigene Kleidung in den Händen halten konnten, hat es jedoch gedauert. Sie haben mit vielen Firmen gesprochen, doch nie waren sie zufrieden. Mit einem Lieferanten seien sie eigentlich einig gewesen, sagen Romboy und Steffens. Doch plötzlich wollte der – anders als abgesprochen – doch in Asien produzieren. Für die Unternehmer ein absolutes No-Go. Dort hätten sie nicht überprüfen können, ob ihre hohen Standards eingehalten werden und außerdem wollten sie nicht, dass ihre Kleidung erst einmal um die halbe Welt reisen muss, bevor Kunden sie kaufen.

Irgendwann stand dann aber der Plan, wann wo und wie produziert wird. Finanziert haben sie die Gründung aus eigenen Mitteln und durch einen Kredit. Leben können sie von Oave noch nicht. Das sei vorerst auch nicht schlimm, sagt Romboy. Beide haben noch andere Jobs, die es ihnen erlauben, nebenbei an ihrem Unternehmen zu arbeiten. Und so verschwimmen Arbeit und Freizeit bei Romboy und Steffens immer wieder. Auch aus einem anderen Grund: Die beiden sind nicht nur Geschäftspartner, sonder auch ein Paar. Und das schon seit knapp zwölf Jahren. Zu Konflikten habe das noch nicht geführt – im Gegenteil. Wer seit Kindesbeinen unzertrennlich ist, der wisse, wie der jeweils andere ticke. Ein weiterer Vorteil: „Manchmal hat man mitten in der Nacht eine Idee und kann sie direkt mit dem anderen besprechen“, sagt Steffens.

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Wie fast alle Unternehmen wurde auch Oave durch die Corona-Pandemie getroffen. Eigentlich wollten Steffens und Romboy die erste Jahreshälfte dafür nutzen, bekannter zu werden. Ausgangspunkt war die Gesundheitsmesse in Syke Anfang Februar. „Wir wollten einfach mal ausprobieren, wie wir ankommen“, sagt Steffens. Die Resonanz war gut. So gut, dass sie sich für viele andere Ausstellungen quer durch das Land angemeldet haben. Doch im März ging dann nichts mehr. Das Messegeschäft ist ausgefallen und die Unternehmer mussten sich etwas anderes überlegen. Genutzt habe sie die Zwangspause schließlich für ihren Umzug. Für Romboy und Steffens ging es samt Hausstand und Unternehmen von Hamburg nach Martfeld. Hier sind beide aufgewachsen, Freunde und Familie wohnen noch immer dort. Diese Nähe ist ihnen wichtig und für ihr Unternehmen ist es egal, wo sie arbeiten.

Das Geschäft auf den Messen läuft langsam wieder an

Noch verkaufen die beiden ihre Kleidung über Onlineshops. „Ich habe mich unheimlich darauf gefreut, die ersten Pakete zu unseren Kunden zu schicken“, sagt Steffens. Und so langsam beginnt auch wieder das Geschäft auf den Messen. Erst vor wenigen Wochen waren sie im Allgäu beim Yoga-Festival Om am See und haben ihre Kollektion präsentiert. Das sei zu Beginn sehr deprimierend gewesen, sagt Romboy. Dauerregen habe dazu geführt, dass kaum Besucher an den Open-Air-Stand gekommen seien. Nach dem etwas anstrengenden Anfang sei es aber auch umso schöner gewesen.

Ähnliches lässt sich wohl auch auf ihr Unternehmen übertragen. Jede Rückmeldung von Kunden sei schön, genauso wie jedes gepackte Paket. Und auch, dass sich schon Leute bei Oave beworben hätten, zeige, dass auch andere ihre Ansichten teilten. Ihnen gehe es letztlich nicht nur darum, etwas zu verkaufen, sagen Steffens und Romboy, sondern eben auch darum, einen Lebensstil populärer zu machen – darum, mehr auf sich und die Umwelt zu achten. Sportkleidung soll da nur der Anfang sein.

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