USA Nestlé will lieber Pizza als Schokoriegel

Vevey/London/Omaha. Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé verleibt sich das nordamerikanische Tiefkühlpizza-Geschäft des US-Riesen Kraft Foods ein.
05.01.2010, 18:30
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Vevey/London/Omaha. Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé verleibt sich das nordamerikanische Tiefkühlpizza-Geschäft des US-Riesen Kraft Foods ein.

Damit zieht sich der Schweizer Konzern aus dem Rennen um den britischen Süßwarenhersteller Cadbury zurück. Nestlé will das lukrative Pizza-Geschäft in den USA und in Kanada für 3,7 Milliarden Dollar (2,56 Mrd Euro) von Kraft Foods kaufen. Der US- Konzern wiederum besserte mit dem Geld sein Angebot für Cadbury nach - was die Briten jedoch am Dienstag erneut umgehend ablehnten.

Auch in den eigenen Reihen von Kraft formiert sich Widerstand gegen die Cadbury-Übernahme. Der Hauptaktionär Berkshire Hathaway sprach sich mit eindringlichen Worten gegen die zur Finanzierung nötige Ausgabe neuer Aktien aus. Die Einwilligung würde einem «Blankoscheck» gleichkommen, mit dem Kraft sein Angebot jederzeit erhöhen könnte, kritisierte die Beteiligungsfirma der US- Investorenlegende Warren Buffett. Dabei, so die Sorge, würde das Kraft-Management letztlich zuviel für den Wettbewerber zahlen und die Aktionäre hätten das Nachsehen. Die Holding ist nach eigenen Angaben mit 9,7 Prozent der größte Anteilseigner von Kraft.

Der Rückschlag kam nur wenige Stunden, nachdem Kraft sich über den Verkauf der Pizzamarken DiGiorno, Tombstone, California Pizza Kitchen, Jack's und Delissio geeinigt hatte. 3400 Kraft-Mitarbeiter sollen nun zu Nestlé wechseln. Die Transaktion muss noch von den amerikanischen und kanadischen Wettbewerbshütern genehmigt werden und soll bis Jahresende abgeschlossen werden.

In den USA werden jedes Jahr Pizzen im Wert von 37 Milliarden Dollar verkauft. Die nun übernommene Kraft-Tiefkühlpizzasparte schätzt den Umsatz von 2009 auf 2,1 Milliarden Dollar bei einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von rund 279 Millionen Dollar. Nestlé plant in den ersten fünf Jahren Einsparungen in Höhe von sieben Prozent des Umsatzes. Die neue Sparte soll bereits im ersten vollen Jahr bei Nestlé zum Gewinn beitragen.

Kraft verlängerte zugleich die Frist des Übernahmeangebots für Cadbury bis zum 2. Februar. Am Gesamtwert des Angebots ändert sich nichts, aber die Cadbury-Aktionäre sollen eine höhere Barkomponente erhalten. Kraft reagiere damit auf den Wunsch einiger Aktionäre, hieß es. Das zusätzliche Geld stamme aus dem Verkauf des Tiefkühlpizza- Geschäfts an Nestlé. Kraft bietet für den Süßwarenkonzern insgesamt gut 10 Milliarden Pfund (rund 11 Mrd Euro).

Ein Sprecher von Cadbury, dem bekanntesten Schokoladenhersteller in Großbritannien, bezeichnete das neueste Kraft-Angebot als «Pfuscherei». Es sei immer noch «lächerlich» und biete nicht einmal die Hälfte in bar. Kraft ist der weltweit zweitgrößte Lebensmittelkonzern nach Nestlé und vertreibt Marken wie Philadelphia-Frischkäse, Jacobs-Kaffee oder Milka-Schokolade. Um die Übernahme von Cadbury zu stemmen, will Kraft 370 Millionen neue Aktien auflegen, was aktuell einem Wert von rund 10 Milliarden Dollar entspräche. Die Aktien will Kraft dann den Cadbury-Aktionären im Tausch für deren Anteilsscheine anbieten.

Berkshire Hathaway will nun bis zum 19. Januar abwarten, um vielleicht doch noch grünes Licht für die Ausgabe der Aktien zu geben. Dann will Kraft die endgültigen Details des Übernahmeangebots veröffentlichen. Als Interessenten für Cadbury gelten auch der US- Süßwarenhersteller Hershey und der italienische Ferrero-Konzern. (dpa)

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