DIe Gespräche zwischen Eurogate und HHLA Neue Hafenbekanntschaften

Ende Mai hatte die Hamburger Hafen und Logistik AG Gespräche mit Konkurrent Eurogate über gemeinsame Terminalaktivitäten angekündigt. Was der Gründ für diese Verhandlungen sind, und wie der aktuelle Stand ist.
07.08.2020, 11:23
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Neue Hafenbekanntschaften
Von Florian Schwiegershausen

Bremen/Hamburg. Wer zum richtigen Zeitpunkt in Rotenburg/Wümme in einer bekannten Lokalität Kaffee getrunken hat, dem hätte anhand der Fahrzeuge und ihrer Kennzeichen auffallen können, dass sich dort Vertreter der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und ihres Pendants aus Bremen treffen. Ende Mai hatte die HHLA als börsennotiertes Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung verkündet, dass sie zusammen mit Eurokai und der BLG Logistics Sondierungsgespräche führt: „Die drei Unternehmen tauschen sich zu den Möglichkeiten einer engeren Kooperation im Containergeschäft in der deutschen Bucht aus.“ Als Reaktion drückte zwei Wochen später die Bremische Hafenvertretung (BHV) in einem offenen Brief ihre Sorge aus und vermisste dabei die transparente politische Diskussion. Noch im Juni befürchtete die BHV, dass es am Ende zu einer „Deutschen Bucht AG“ kommen werde, die womöglich Nachteile für Bremerhaven bedeuten könnte.

Verhandlungen liegen derzeit auf Eis

Diese Verhandlungen liegen derzeit auf Eis – das ist aber allein der Urlaubssituation geschuldet. Laut HHLA-Sprecher Hans-Jörg Heims geht es Ende August weiter: „Die HHLA führt die Gespräche vor dem Hintergrund der veränderten Rahmenbedingungen für ihr Geschäft infolge vor allem der zunehmenden Markt- und Preismacht der Reeder. Ziel ist eine strategische Kooperation im Containerumschlag.“ Es gehe der HHLA-Chefin Angela Titzrath darum, den Standort Deutschland im Wettbewerb mit Rotterdam und Antwerpen zu stärken. Daher sieht der HHLA-Sprecher die Sorgen der BHV als unbegründet. Rückendeckung gibt es da vom Hamburger Häfenressort. Deren Sprecher Christian Füldner sagte dem WESER-KURIER: „Vor dem Hintergrund der weltweit großen Reederei-Allianzen ergibt es Sinn, darüber nachzudenken, ob nicht Synergieeffekte entstehen, wenn Containerterminal-Geschäfte zweier Unternehmen unter einem Dach stattfinden.“

Dabei gehe es um die nationalen Terminalaktivitäten von HHLA und Eurogate, also der gemeinsamen Tochter von BLG und Eurokai, und nicht um das Auslandsgeschäft. So sagt es Andreas Hoetzel, der für Eurogate spricht: „Es geht um acht Terminals: einen Wilhelmshaven, drei in Bremerhaven und vier in Hamburg.“ Dabei sieht er Bremerhaven als materiell am besten aufgestellt an, was zum einen die nautische Erreichbarkeit angeht und zum anderen die Schiffsgrößen: „Hier besteht das Bekenntnis der Allianz aus Maersk und MSC. Die haben hier allein 120 Millionen Euro nur in neue Containerbrücken investiert. Bremerhaven braucht sich wirklich keine Sorgen zu machen.“

Gespräch bei Bremens Häfensenatorin

Nach aller Kritik gab es ein Gespräch von Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) mit der Geschäftsführung von Eurogate und der BHV. Die Messlatte für den Bremer Senat sei ganz klar, wie es aus Schillings Ressort heißt: „Gespräche über eine wie auch immer vertiefte Kooperation der deutschen Seehäfen und der Terminalbetreiber machen nur Sinn, wenn im Ergebnis die strategische Wettbewerbsposition der deutschen Seehäfen insgesamt, aber insbesondere natürlich auch die strategische Position der Hafengruppe Bremen/Bremerhaven gestärkt wird.“

Der Vorsitzende des Bremer Hafenausschusses, Maurice Müller (Grüne), sieht bei diesen Gesprächen Bremerhaven und Wilhelmshaven für die Zukunft im Vorteil gegenüber Hamburg – zumal, wenn auch am Jade-Weser-Port die Infrastruktur stetig verbessert werde. Susanne Grobien als hafenpolitisch Sprecherin der CDU hält die Gespräche für sinnvoll, um auf diese Weise nicht die Konkurrenz der deutschen Seehäfen untereinander, sondern der mit Rotterdam und Antwerpen ins Auge zu fassen: „Warten wir doch erst mal ab, wo das hinführen wird, bevor man gleich schon am Anfang wieder alles zerredet.“ Hauke Hilz, hafenpolitischer Sprecher der FDP, sieht ebenso eine Zeit des Abwartens: „Grundsätzlich ist klar, dass eine engere Kooperation der deutschen Häfen im europäischen Wettbewerb notwendig ist. Mehr Kooperation ist auch eine Chance, dass alle beteiligten Hafenstandorte gestärkt werden, gerade auch Bremerhaven.“ Eine Schwächung der bremischen Häfen könne man sich nicht leisten. Auch das von Kristina Vogt (Linke) geführte Wirtschaftsressort wird laufend informiert sowie der Bremer Hafenausschuss.

BHV wird am Gesprächsaustausch beteiligt

Der Präsidiumssprecher der Bremischen Hafenvertretung, Christoph Bruns, sagt nach dem klärenden Gespräch: „Wir sind mit den beteiligten Parteien so verblieben, dass wir uns in den nächsten Wochen und Monaten sehr eng miteinander über Fortschritte, Ideen oder Befürchtungen und Sorgen austauschen wollen und werden. An diese hanseatische Absprache werden wir uns halten.“ Gleichzeitig mahnt Bruns, in die Infrastruktur zu investieren. Dazu zählt er neben der Automatisierung bei Bremerhavens Terminals auch die Weservertiefung und den Ringschluss der A281.

Jetzt darf nur Rotenburg/Wümme als Gesprächsort kein schlechtes Zeichen bedeuten. Dort hatten sich vor 15 Jahren die Sparkasse Bremen und die Hamburger Sparkasse getroffen, um eine Kooperation auszuloten. Viele Monate später wurde nichts daraus. Erst zum Schluss stellte man unter anderem fest, dass die IT beider Banken zu unterschiedlich sei.

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