Mehr Netto vom Brutto

Neue Regeln helfen Steuern sparen

Mehrere Möglichkeiten erlauben es Steuern zu sparen. Von der Wohnungsrenovierung bis zum Kauf einer neuen Brille gibt es die Chance weniger an den Fiskus abgeben zu müssen.
25.11.2018, 22:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl
Neue Regeln helfen Steuern sparen

Neue Regelungen eröffnen die Möglichkeit Steuern zu sparen.

Jens Wolf /dpa

Neue Regelungen sorgen dafür, dass bei der Steuererklärung mehr Netto vom Brutto bleibt. Es gibt viele Möglichkeiten von der Renovierung der Wohnung bis zu einer neuen Brille. Haben Sie als Wohneigentümer oder Mieter schon 6000 Euro für Handwerkerarbeiten rund um Haus oder Wohnung ausgegeben? Wenn nicht, bleibt noch Spielraum, um etwa Zimmer zu renovieren, Bodenbeläge zu erneuern, eine neue Eingangstür einzubauen oder die Dachrinne zu reinigen.

20 Prozent des Rechnungsbetrages, also maximal 1200 Euro an Arbeitsleistungen (nicht Materialkosten), können mit der Steuererklärung direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Kostet die Renovierung 3000 Euro Arbeitslohn, werden 600 Euro weniger Steuern fällig. Zusätzlichen Spielraum gibt es mit den haushaltsnahen Dienstleistungen. Hier werden 20 Prozent von Ausgaben in Höhe von insgesamt 20 000 Euro steuerlich gefördert. „So kann man noch den Garten winterfest machen lassen oder den Fensterputzer kommen lassen“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Belastungen geballt geltend machen

Erwerbstätige sparen mit ihren Ausgaben für den Beruf Steuern, wenn die Kosten höher als 1000 Euro im Jahr sind. Dieser Betrag wird meist schon mit den Fahrtkosten zur Arbeit ausgeschöpft. Jede weitere Ausgabe für den Beruf führt dann zu einer zusätzlichen Steuerersparnis. Das können eine Aktentasche, ein Notebook für die Arbeit, eine Fortbildung oder Fachbücher sein. Teure Elektrogeräte und andere Arbeitsmittel können jetzt bis zu einem Kaufpreis von 952 Euro brutto sofort von der Steuer abgesetzt werden. Damit hat sich der Betrag gegenüber der alten Regelung fast verdoppelt. Teurere Neuanschaffungen mussten bisher auf mehrere Jahre verteilt werden. Bei einem Notebook waren das drei Jahre, bei einem Smartphone fünf Jahre, gerechnet vom Monat des Kaufs an.

Für den Abzug von sogenannten außergewöhnlichen Belastungen gilt die Regel, die Aufwendungen möglichst zusammengeballt geltend zu machen. Grund ist die zumutbare Belastung, deren Höhe von den Einkünften, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder abhängt. Diese Eigenbelastung muss pro Jahr erst einmal überschritten werden. Allerdings hat der Bundesfinanzhof 2017 entschieden, dass diese Belastung nach einem neuem Verfahren stufenweise zu berechnen ist (Az. VI R 75/14). Abhängig von der Höhe des Gesamtbetrags der Einkünfte wurde die zumutbare Belastung anhand eines Prozentsatzes in drei Einkommensstufen ermittelt.

Nur noch ein Teil wird mit höherem Prozentsatz belastet

Bislang wurde die zumutbare Belastung bei Überschreiten einer dieser Stufen immer unter Zugrundelegung des Prozentsatzes der höheren Stufe berechnet. Jetzt wird bei der Berechnung der zumutbaren Belastung nur noch der Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte mit dem höheren Prozentsatz belastet, der die jeweilige Stufe übersteigt. So können höhere Beträge von der Steuer abgezogen werden (siehe Grafik).

Eine Familie mit zwei Kindern und Krankheitskosten von insgesamt 4500 Euro kann 3304 Euro als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Das sind 154 Euro mehr als nach der alten Regelung. Allerdings ist das Berechnungsverfahren jetzt noch komplizierter geworden. Wie hoch der individuelle Eigenanteil ist, lässt sich auf der Seite des bayerischen Finanzamtes errechnen.

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Foto: Grafik Weser Kurier

Typische außergewöhnliche Belastungen sind Zuzahlungen beim Zahnarzt, im Krankenhaus oder bei Kuren sowie medizinische Hilfsmittel und Therapien. „Haben Steuerzahler in diesem Jahr bereits nennenswerte Rechnungen, zum Beispiel für den Zahnarzt, kann es sich lohnen, den Kauf einer ohnehin notwendigen Brille für 2018 noch in dieses Jahr vorzuziehen“, sagt Rauhöft. Umgekehrt könnten auch Aufwendungen für außergewöhnliche Belastungen ins kommende Jahr verschoben werden, wenn dann voraussichtlich höhere Beträge anfallen.

Prüfen, ob sich der Wechsel der Steuerklasse lohnt

Ehepaare sollten prüfen, ob sich ein Wechsel der Steuerklasse lohnt. Sinnvoll kann dies etwa sein, wenn ein Partner im nächsten Jahr Leistungen erhalten wird, die vom Nettoeinkommen abhängen – also Arbeitslosengeld oder Elterngeld. Der Partner, der sein monatliches Netto erhöhen will, nimmt die Klasse III, in der er weniger Steuern zahlt.

In der Weihnachtszeit wird gern gespendet. Auch das ist eine Ausgabe, die in der Steuererklärung berücksichtigt wird, wenn das Geld an eine steuerbegünstigte Organisation geht. Das zählt als Sonderausgabe. Pauschal berücksichtigt in der Steuererklärung werden 36 Euro pro Jahr. Was darüber hinaus geht, reduziert die Steuerlast zusätzlich. Kirchliche, mildtätige und gemeinnützige Spenden können bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte in der Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben abgesetzt werden. Bei Beträgen bis 200 Euro reicht als Zahlungsnachweis der Kontoauszug.

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